Warum Oprah, der Spiegel und Ashton twitter nicht zerstören

Es war ein ungleiches Duell: CNN gegen Ashton Kutcher. Wer knackt zuerst die Marke der Eine-Million-Follower bei twitter? Medienwirksam bekriegten sich die Akteure, sogar Altmeister Larry King meldete sich zu Wort. Geholfen hat es dem Sender nicht, der Schauspieler setzte sich durch.

Eine nette Anekdote – mehr nicht.

Mehr sollte man daraus jetzt aber auch bitte nicht machen. Wenn ich nun höre, dass Prominente twitter zerstören, dann glaube ich, dass die so genannten Experten den Kern der modernen Kommunikation nicht verstanden haben. So schreibt Lance Ulanoff, dass es vielen Promis nicht um den Dialog, nicht um den Wissensaustausch sondern vielmehr darum geht, Quasi-Pressemitteilungen in 140 Zeichen zu twittern und sich selbst zu verkaufen (oder durch PR-Berater verkaufen zu lassen). Er hat damit durchaus recht.

Nur: Wir sollten nicht vergessen, welche Möglichkeiten uns das Bloggen und twittern geben. Jedermann kann ohne großen Aufwand senden, wonach ihm ist. Frei von Zwängen, Regeln und Auflagen. Wenn jemand, wie der Spiegel, Schlagzeilen twittern will, dann soll er das tun. Wenn nun auch Oprah Winfrey ihre Sendung per twitter teasern sollte, kann sie das machen. Es steht mir frei, ihnen zu folgen – oder es sein zu lassen. Dafür brauche ich keine Bevormundung, nicht durch Ulanoff und auch nicht durch Sascha Lobo.

Regeln aufzustellen oder sogar davon auszugehen, dass das eigene Verhalten richtig ist, ist so ziemlich das Gegenteil von Web 2.0. Regeln sind starr und endgültig. Die Kommunikation per Blogs und twitter ist schnell, direkt und flexibel. Vor allem aber ist sie noch immer sehr jung, so dass es bestenfalls Erfahrungswerte gibt. Anhand dieser kann man Empfehlungen aussprechen – nicht mehr.

Es ist schon verwunderlich, dass eben die, die dafür gesorgt haben, dass sich twitter wirklich durchgesetzt hat und immer mehr Nutzer für sich gewinnt, gegen diese Masse wendet. Vor ein paar Wochen schon hat Björn Eichstädt die Flucht der digitalen Avantgarde ausgemacht. Mir kommt es vor, als würde sie an einer Krankheit des Establishments scheitern: Arroganz.

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5 Antworten zu “Warum Oprah, der Spiegel und Ashton twitter nicht zerstören”

  1. 50hz sagt:

    Sachar, Du sprichst mir aus der Seele. Twitter ist eine technische Hülle aus der man alles mögliche machen kann. Mehr nicht. Dieses Besserwissergequatsche, dass dieser oder jener Twitter nicht verstanden habe oder es gar zerstöre, ist zunehmend schwer erträglich. Ist übrigens schon länger meine Rede: http://tinyurl.com/4phtlv

  2. Marc Breidbach sagt:

    Kurz und knapp: Ich kann Dir voll und ganz zustimmen!
    Twitter ist nun mal Massenkommunikation. Bevormundung ist und war noch nie gut. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen. Und wie Du ja schon sagst: Es steht mir frei zu wählen wem ich folge. Die Tweets der Nachrichtenseiten finde ich wichtig und informativ. Steckt dahinter ein Mensch oder nur die Maschine? Das ist mir egal. Wenn ich z.B. Spiegel_Eil folge, bin ich dann wie Sascha Lobo zu denken scheint ein schlechter Twitterer? Habe ich Twitter nicht erkannt? Gegenfrage: Hat er Twitter nicht erkannt? Selbstvermarktung über Twitter ist eine schöne Sache, das macht er selber auch sehr erfolgreich. Aber nun stört es ihn wenn es auch andere tun und evtl. noch erfolgreicher sind als er? Ich finde dies ist eine sehr traurige Entwicklung, dies ist für mich nicht der Sinn von Web 2.0 und Social Media.

    Ich erwarte von Twitter folgendes: Nachrichten, interessante Links und manchmal auch einfach ganz banale Dinge…..denn dies macht Twitter eben so liebenswert, die manchmal ganz alltäglichen Sachen ;o)

  3. Markus Mayr sagt:

    Sachar, ich bin ganz und gar deiner Meinung (und auch der Kommentatoren). Twitter entwickelt sich langsam zum Massenmedium, und wir sollten das begrüßen, dass nicht nur mehr die “First Mover” unter sich sind. Das Tolle an Twitter, genauso wie an fast allen Medien wie Fernseher und Radio, ist doch die Programmtaste. So habe ich die Möglichkeit, mir mein eigenes Programm auszusuchen. Und ist es kein Vorteil, dass ich heute im TV aus über 50 Programmen wählen kann? Darüber hinaus nutze auch ich Twitter als RSS-Reader für Spiegel Online und Co. Denn so bin ich über ein Medium schnell und umfassend informiert. Und je mehr Leute bei Twitter angemeldet sind, desto größer ist meine Auswahl (die ich wiederum selber bestimme).

  4. Taufrisch sagt:

    Der Kampf um die Follower…

    [...] möglichst hohe Followerzahlen aufweisen zu können, um diese dann mit mehr oder auch weniger nützlichen Infos und Links zu versorgen. [...]…

  5. Storyblogger » Auf der Flucht - die digitale Avantgarde sagt:

    [...] 21.4.2009: Oprah Winfrey bei Twitter und die heute verkündete BILD/Facebook-Kooperation befeuern das Thema. Kommt es jetzt wirklich [...]

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