Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Über die richtige Ansprache von Bloggern

Gerade für kleine Unternehmen ist es wichtig, Beziehungen zu Bloggern aufzubauen. Blogs sind flexibler, autonomer und in der Regel auch offener gegenüber neuen Start-Ups als klassische Medien. Und man muss sich auch nicht unbedingt mit Anzeigen einkaufen, um Gehör zu finden, so dass man selbst mit schlankem Budget imstande ist, einen gewissen Buzz zu erzeugen. Doch wer meint, dass Blogger den ganzen Tag nur darauf warten, von kleinen wie großen Unternehmen angeschrieben zu werden, verkennt die Realität.

Ich selbst befinde mich in einer Zwitter-Position. Auf der einen Seite ist es mein Beruf, Themen zu platzieren – auch und selbstverständlich in Blogs -, auf der anderen Seite bin ich aber auch ein leidenschaftlicher Blogger und daher allzu oft selbst Empfänger von irgendwelchen Mails, die mir verkünden, dass es ein neues Start-Up / Produkt / Feature / Widget etc. gibt und dass ich das doch bitte testen und am besten auch darüber bloggen soll.

Wie aber funktioniert die korrekte Ansprache von Bloggern?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort, denn Blogger wollen nicht als Teil einer Masse verstanden werden. Ebenso wie ein Wirtschafts-Journalist eine andere Ansprache erwartet als jemand, der für den Boulevard schreibt, legen Tech-Blogger auf ganz andere Dinge wert als Medien-, Fashion- oder Strick-Blogger.

Was also tun?

Bevor man einen Blogger anschreibt, sollte man verstanden haben, worüber derjenige schreibt, was ihn interessiert und vor allem herausfinden, was ihn nicht interessiert. Denn: Sollte man ein Thema anpreisen, das den Blogger nicht kümmert und er diese Tatsache sogar erst vor ein paar Tagen in einem Nebensatz erwähnt hat, könnte aus dem geplanten positiven Impuls aus der Blogosphäre ein kleines Fiasko werden.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Erst vor wenigen Tagen erhielt ich eine Mail von einem Gründer. Das Ganze klang soweit ganz sympathisch, nicht unbedingt interessant – aber von der Tonalität und Art der Ansprache durchaus überzeugend. Hätte ich denjenigen gekannt oder aber zumindest schon mal was von dem Produkt gehört, ich hätte es mir mit Sicherheit angeschaut und vielleicht sogar auch etwas darüber geschrieben. So aber ging es komplett unter, weil man als Blogger, selbst wenn man nicht Sascha Lobo oder Nico Lumma heißt, eine Vielzahl solcher Mails im Laufe eines Monats erhält.

Darum ist es das A und O, Beziehungen zu Bloggern aufzubauen. So wie man sich um Journalisten bemüht, muss man auch um die Anerkennung von Bloggern kämpfen und sich diese verdienen.

Wie macht man das?

Am besten, indem man selbst ein Blog aufsetzt. Dann versteht man, was Blogger interessiert – und was nicht. Doch nicht jedermann hat die Zeit oder Lust, selbst zu bloggen. Dann sollte man zumindest twittern, das geht schneller, auch liegen die technischen Hürden niedriger. Diese Aktivitäten dienen dazu, sich in der „Szene“ eine gewisse Reputation aufzubauen. Mit dem Namen, den man sich über diese Aktivitäten gemacht hat, kann man leichter „Bekannte“ ansprechen und sie für Aktionen begeistern, weil sie einem trauen. Heißt also: Man sollte eher solche Blogger von Neuigkeiten informieren, die man „kennt“. Dieses „Kennen“ ist in der Blogosphäre ein sehr vager Begriff und umfasst nicht zwangsläufig persönliche Treffen. Vielmehr dient der virtuelle Austausch als Substitut für das gute alte Hintergrundgespräch beim Mittagessen. Eine weitere Variante, mit Bloggern in Kontakt zu treten, ist die Kommentarfunktion in deren Blogs. Darüber kann man Anmerkungen, Lob oder Kritik äußern. Wer über einen längeren Zeitraum aktiv am Ball ist, wird merken, dass sich Beziehungen und Vertrauen entwickeln. Abgesehen von der Tatsache, das man dabei Spaß hat.

Letztendlich also ticken Blogger gar nicht groß anders als Journalisten. Schließlich reagieren Auch Redakteure schneller, wenn man sich bereits kennen gelernt hat. Und ignorieren in der Regel Pressemitteilungen, wenn sie den Namen des Empfängers noch nie gehört haben.

Beziehungen, nicht umsonst immer wieder als „Vitamin B“ bezeichnet, sind für Kommunikatoren das A und O. Wer meint, von heute auf morgen ein mediales Feuerwerk zünden zu können, irrt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit. Kommunikation ist ein ständiger Prozess, der Zeit, Mühe, Kreativität und Empathie erfordert. Im privaten wie im beruflichen. Wer nur sendet, versendet und verfehlt den gewünschten Empfänger. Gerade in der Blogosphäre.

Darum, liebe Start-Ups aber auch Kommunikations-Agenturen, fangt nicht erst dann an, mit Bloggern zu kommunizieren, wenn Ihr etwas platzieren wollt sondern schon lange vorher. Hört zu, bevor Ihr sprecht. Und redet nicht nur des Redens willen sondern weil es angemessen ist und dem Empfänger einen Mehrwert bietet.

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14 Kommentare zu “Über die richtige Ansprache von Bloggern”

  1. caschy sagt:

    Ich kann dir gerne mal Mails zukommen lassen. Gute Beispiele – schlechte Beispiele. Aber schöner Text. Mir ist eines wichtig: die persönliche Ansprache. Das gilt nicht für Blogger – sondern immer. Bei einer “Hallo blog@stadt-bremerhaven…”-E-Mail zucke ich schon immer auf “Trash” ;)

  2. Sachar sagt:

    Du hast natürlich vollkommen recht. Aber die persönlich Anrede ist ja letztendlich klar, wenn man vorher eine Beziehung aufgebaut hat. Dann bezieht man sich ja auf etwas, das man bereits “geleistet” hat.

  3. caschy sagt:

    An dieser ersten, kleinen Hürde scheitern aber die meisten =)

  4. Sachar sagt:

    Richtig, aber auch nur, weil sie vorher keine Beziehungen aufgebaut haben. Wenn ich Dich morgen anschreiben würde, würdest Du mir wahrscheinlich auch verzeihen, wenn ich vergesse “Hi Caschy…” zu schreiben, oder? Einfach weil Du zuordnen kann, wer ich bin, wofür ich stehe und was ich mache, oder?

  5. Casi sagt:

    Schöner Artikel, Sachar – witzig, dass ich gerade meinem Unmut in meinem Blog auch ein wenig Luft verschaffen musste, weil sich leider viel zu selten die Verfasser solcher Mails an die einfachsten Regeln der Kommunikation halten.

  6. wo du recht hast hast du recht…
    aber ich bin da mal ehrlich…wer zu doof ist das ohne verheriges lesen des artikel zu wissen der hats nichts besser verdient…

  7. Leif sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Post, ich leiste jetzt mal meinen ersten Beitrag für die Vorbereitung der Ansprache… ;o)
    Das aber für jeden Blog zu machen dürfte aber etwas zu zeitaufwändig sein.
    Trotzdem, mit dem Namen ansprechen und vorher wenigstens ein paar Posts überfliegen sollte schon drin sein!

  8. Du sprichst mir aus der Seele lieber Sachar. Leider gehört das Zuspammen von Bloggern und Social Media Produzenten immer noch zum Standard in deutschen PR-Abteilungen und -Agenturen. Ein nettes No-Go-Beispiel habe ich hier ausgegraben: http://sebastianvoss.typepad.com/markterfolgsblog/fauxpas_des_monats/

    Grüße vom Marketingberater 2.0 ;-)

  9. Der auch nach meiner Erfahrung leider notwendige Hinweis an Kontaktwillige, vor dem Reden erst einmal zuzuhören, passt meiner Ansicht nach mehr als gut in eine twitteröse Zeit, wo manche Leute im 5-Minuten-Takt Nichtigkeiten in SMS-Länge in den digitalen Äther pusten.

    Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich bin durchaus neugierig auf neue Geschichten. Die sollten aber ein Minimum mit meiner digitalen oder offline gelebten Realität zu tun haben. Und die sind nicht sooo schwer zu recherchieren. Also los: Hausarbeiten gemacht und beide Seiten interessierende Kontakte geschmiedet…

  10. Sylvia sagt:

    Es ist wie im realen Leben; ohne eine Beziehung zu jemandem entwickelt zu haben, wird es schwer, einen Gefallen von dem jenigen zu bekommen. Kann Dir also nur sehr zustimmen, zu dem, was du schreibst.

  11. Insidextreme sagt:

    Hallo Sachar,

    danke für deinen Bericht.
    Ich bin gerade dabei mich in die Blogger Welt zu integrieren und da kommt deine Seite gerade wie gerufen.
    So kann ich gleich die richtigen "Blog-Verhaltensregeln" erlernen, da ich mich zwar mit dem Internet sehr gut auskenne, jedoch nicht in der Blogsphäre.

    Vielen Dank

    Marian =)

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