Über das Ende des Privaten
Es wird derzeit viel über Regeln in Social Networks geschrieben. Was sollte man als Angestellter in Blogs und twitter schreiben, welche Bilder sollte man bei facebook und flickr posten, und worüber sollte man sich am besten ausschweigen? Als Kommunikationsverantwortlicher eines Unternehmens vertrete ich grundsätzlich die These, dass jeder Mitarbeiter als Botschafter auftreten sollte. Ja, ich würde mich freuen, wenn jeder scoyo-Mitarbeiter twittern würde. Gleichzeitig gehört nicht jedes Detail in die Öffentlichkeit. Was darf man? Und was soll man? Was geht? Und was geht nicht? Bevor wir intern besprechen, welche Chancen und Risiken uns das Social Web bietet, möchte ich auf eine Anekdote zu sprechen kommen, die sogar vor dieser Fragestellung ansetzt.
Gestern saß Verena, die als Head of Sales bei scoyo arbeitet, im ICE auf dem Weg nach Berlin und probte ihre Präsentation, die sie im Anschluss beim Deutschen Multimedia Kongress hielt. Am Nebentisch saß Michael Nordmeyer – bis dahin mit Verena nicht bekannt. Er verfolgte ihre Trockenübungen und machte das Ganze öffentlich: „Der Head of Sales von Scoyo hat gerade im Zug am Tisch neben mir die Generalprobe für die Präse beim #dmmk gehalten <g>.“ Keine große Sache. Und doch der Beleg, dass das Private, wie wir es über Jahrhunderte kannten, nicht mehr existiert. Verena reagierte, nachdem ich ihr davon berichtete, umgehend, indem sie sich einen eigenen twitter-Account anlegte und Michael direkt ansprach: „@coffeemick Und hats Dir gefallen? Kommst Du trotzdem noch um 13.25? Live bin ich viel besser! #dmmk.“ Seitdem ist sie vom twitter-Virus befallen und hantiert mit dem Microblogging-Tool wie ein alter Hase. Ihr kommt offensichtlich die Erfahrung als Bloggerin zugute. Aber zurück zur Sache: Existiert überhaupt noch ein privater Raum? Oder müssen wir nun an allen öffentlichen Plätzen fürchten, dass das, was wir machen, sagen oder vielleicht sogar denken (alle Verschwörungstheoretiker seien hiermit gegrüßt) via facebook oder twitter publik wird? Wird jeder von uns zum „Leserreporter“.
Ich begrüße die Demokratisierung der Medien. Moderne Tools geben einer einzelnen Stimme mehr Macht denn je zuvor. Aber wie heißt es schon bei Spider-Man: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ Insofern sollten wir nicht nur über Regeln in Social Networks diskutieren, sondern vielmehr das Thema Medienkompetenz im Allgemeinen fördern.
Tags: facebook, flickr, medienkompetenz, regeln, scoyo, social media, social networks, twitter

Du hast hier imho zwei Dinge gemischt, die nur am Rande miteinander zu tun haben. Respektlosigkeit und Blockwartmentalität unserer Mitmenschen und das Rumposaunen von vlt nicht-öffentlichen Sachen.
– habe in meinem Blog aus politischen Gründen den Namen meines Arbeitgebers genannt, die Links auf weitere Infos und Produkte gehen allerdings zu wikipedia. Ich möchte kein Risiko eingehen und werde garantiert nichts öffentlich über diesen verlautbaren lassen. Imho ist es so, dass man immer gut drüber nachdenken sollte, was man über den AG schreibt, man weiß nie, wie etwas aufgenommen wird und welche Folgen es hat. 15 min of fame sind ein schlechter Tausch gegen eine Abmahnung.
Zur ersten Sache dürfte ich bereits genug geschrieben haben, zur zweiten: ich persönlich – auch wenn ich nicht zum Vorbild tauge
Was fehlt ist tatsächlich die Medienkompetenz. Auch damit umgehen zu können, dass es Menschen gibt, die sich für jeden Sch* interessieren und dass Medien in der saure-Gurken-Zeit jeden Müll aufnehmen und – dank Internet – auch finden.
Und – wie beschrieben – Respekt vor dem Privaten und nicht-öffentlichen.
(Ich beschränke mich in meinen Aussagen auf Blogposts und Kommentare – mit Twitter habe ich nichts am Hut)
Das Web2.0 macht uns in dem Sinne alle zu Reportern – somit sollten auch die gleichen Verhaltensregeln gelten. Ansonsten sehe ich da kaum einen Unterschied.
Die Welt wird eben kleiner … früher hätte man vermutlich nie erfahren, wenn eine Provinzzeitung XY etwas über einen geschrieben hätte. Heute findet Google sowas in 1 sec.