Lasst uns streiten und Frieden schließen
Ich durfte diese Woche den Deutschen Multimedia Kongress (DMMK) besuchen. Im Gegensatz zum letzten Jahr habe ich dieses Mal das Wort twitter sehr häufig gehört. Oft klang es abfällig – ein wenig so, als würde man über den VfL Bochum oder die Zipfelbuben sprechen.
Ich verstehe, dass nicht jeder einen Bezug zu twitter, Social Networks oder Web 2.0 findet oder sucht. Aber ich verstehe nicht, dass die Online-Branche, die von sich selbst behauptet, krisenfest zu sein, nicht bereit ist, einheitlich nach optimalen Monetarisierungskonzepten zu suchen.
Die Bezeichnung „Web 2.0“, die mir zum Halse raushängt, ist durchaus nicht dumm, denn sie bezeichnet nicht nur neue Methoden der Interaktion, sie steht auch für eine zweite Generation im Internet. Und wie es nun mal mit Eltern und ihren Kindern ist, haben diese selten die gleiche Auffassung. Die 1.0er sprechen von Bannern, wir von Gesprächen, die Alten von Performance und wir von Engagement.
Fakt ist: Bisher ist kaum einer von uns mit seinen Mitteln wahnsinnig erfolgreich geworden. Die großen Internet-Marken kann man noch an zwei Händen abzählen, bald vielleicht nur noch an einer. Wir reden übereinander wie über Feinde – missgünstig und voller Hohn. Was ist nur mit uns los?
Wir wollen das Gleiche: Im Internet erfolgreich sein – was auch immer das für den Einzelnen bedeutet. Dafür sollten wir aufhören übereinander zu sprechen und endlich mal anfangen miteinander zu diskutieren. Das hat mir auf dem DMMK gefehlt, und das fehlt mir fast bei jeder Konferenz, die ich besuche. Die Teilnehmer von Diskussionsrunden stammen in der Regel aus derselben Branche, ihre Meinungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Die Runden sind selbstreferenziell, eindimensional und nicht nachhaltig. Das bringt uns nicht weiter. Keinen Schritt.
Was wir brauchen sind Unterschiede, Meinungsverschiedenheiten, echte Dialoge. Ich würde mich so sehr freuen, wenn mir ein 1.0er sagen würde: „Red nicht so einen Blödsinn. twitter lohnt sich nicht. Die Zeit, die Du in twitter investierst, kostet Dich X Euro. Die pumpe ich lieber in Banner zu einem TKP und erziele dabei eine Klickrate von 0,08 Prozent, das ist günstiger.“ Dann hätten wir zwei vollkommen unterschiedliche Ansätze, einen echten interdisziplinären, fast schon interkulturellen, Austausch. Wir würden nicht zu den gleichen Schlüssen kommen, aber wir würden voneinander lernen. Stattdessen erfinden wir neue Banner, die ebenso wenig skalieren wie die alten, und diskutieren, ob nun Tweetdeck oder Seesmic die Non-Plus-Ultra-twitter-Software ist. Revolutionär.
Morgen nehme ich bei der Remix09 in Hamburg an dem Panel „Social Media in der Unternehmenskommunikation“ teil. Außerdem sitzen neben Kristin Walther, die ich bisher nicht kennen gelernt habe, sitzen die von mir sehr geschätzten Christian Bölling sowie Markus Mayr auf dem Podium. Wir sind allesamt PRler, die nicht nur twittern sondern auch bloggen. Wir nutzen Social-Media-Kanäle nicht, weil sie skalieren, sondern weil sie unser Leben bereichern. Wir leben diese Art der Kommunikation. Wir sind nicht in allen Punkten einer Meinung; doch sind unsere Differenz so groß wie die äußerlichen Unterschiede bei eineiigen Zwillingen. Daher denke ich auch nicht, dass wir morgen etwas Neues hervorbringen werden.
Vielleicht fühlt sich durch dieses Posting jemand provoziert und möchte mir morgen widersprechen. Mir erklären, dass Social Media Blödsinn ist. Und PR erst recht. Ehrlich, ich würde mich darüber sehr freuen. Nicht weil ich streitsüchtig bin, sondern weil ich glaube, dass wir aufhören sollten, uns permanent gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Wir, die alte sowie die neue Internet-Generation, haben bisher einfach nicht genug geleistet. Vielleicht ist das ja mal eine erste These für den morgigen Tag, über die man streiten kann.
Tags: diskussion, dmmk, internet, remix09, streitkultur, twitter

Richtig!
Die produktive Streitkultur fehlt. “Nerdigkeit” ok, aber mit Obergrenze.
Am Ende des Tages wirst du nicht daran gemessen ob oder wieviel Tweets du abgesetzt hast oder wieviel Streuverlust dein Flyer (offline) hat, sondern welchen Mehrwert deine Arbeit bringt.
Kann Geld sein, muss es aber nicht.
Beste Grüße,
Mario