Gast-Beitrag Nr. 3: Der dehnbare Begriff Digital Natives- Zukunftsgedanken von einem Digital Native

Überall wird mit dem Begriff des „Digital Native“ oder „Generation Internet“ herumhantiert. Jeder behauptet plötzlich, ein Digital Native oder ein so-gut-wie-Digital-Native zu sein. Man muss aber jedes neue, inflationär benutzte Reizwort auf seine eigentliche Bedeutung hin überprüfen. Hört man „Ich bin ein Digital Native“, fällt vor allem auf, dass dieser Begriff von Menschen benutzt wird, die 25+ oder gerne auch über 30 Jahre alt sind. Ausdrücken wollen sie, dass sie mit der gegenwärtig aktuellen Technik aufgewachsen sind. Für die jeweiligen Personen wichtiger Nebeneffekt ist oft, sich jünger und durch das gebrauchte Englisch moderner eingestellt zu fühlen. Man darf aber nicht jede plötzlich auftauchende und dann vielbenutzte Wortschöpfung ohne Nachdenken übernehmen. Das Wort Digital Native macht nur beschränkt Sinn und sollte einen vor allem zum Nachdenken bringen, wie der Stand der Dinge denn in Zukunft sein wird.

Digital Native bedeutet übersetzt Digitaler Eingeborener. Eingeboren ist man, wenn man mit etwas von Anfang an vertraut ist. Natürlich kann man nicht sagen, da im Kindesalter noch keine ernsthaften Erfahrungen in der digitalen Welt gemacht werden, gibt es gar keine Digital Natives. Der Begriff beschreibt doch am Besten jeweils die Kinder oder Jugendlichen, die ganz grob umrissen von 8 bis etwa noch 16 Jahren erste Erfahrungen mit modernen digitalen Techniken und Medien machen. Sie nutzen diese spielerisch und erlernten Funktionen leichter durch Ausprobieren als manch Älterer mithilfe einer Bedienungsanleitung und eines zusätzlichen, ausführlichen Handbuches vermag.

Diejenigen aber, die sich gerne als Digital Natives sehen, sind viel eher Wegbereiter der gegenwärtigen und kommenden Generation der Digital Natives. Sie sind schon lange aus dem intuitiven, spielerischen Umgang mit neuer Technik „herausgewachsen“ und fangen an, neue Entwicklungen theoretisch zu durchdenken, selber an Websites, Communities, Blogs usw. zu arbeiten beziehungsweise diese für sinnvolle Dinge zu nutzen. Der spielerische Ansatz geht verloren und wird zu einem ernsthaften. Man spielt jetzt auch nicht mehr am Rechner, sondern arbeitet. Das Ziel ist nun, das Medium Internet für sich und seine berufliche Zukunft und Ziele zu nutzen.

Weiterhin bin ich mir sicher, jeder, der heute noch alle gängigen Messenger und Netzwerke kennt, wird schon ab 20, vielleicht auch erst 30 Jahren zu einem „Digital Immigrant“. Das passiert von ganz alleine und vor allem unfreiwillig. Man muss sich Neues fortschreitend aneignen und erfährt auch nicht mehr wie früher selbstverständlich davon, sondern muss aktiv dafür sorgen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Das führt dazu, dass man nicht mehr hinterherkommt.

Was sich aber aus all diesen Überlegungen ergibt, ist kurz und trotzdem umso wichtiger: Diejenigen, die aus ihrem Digitalen Nativismus herauswachsen, müssen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche unbefangen das Internet als Spielwiese nutzen können. Jugendschutz, Datensicherheit und die einfache, intuitive Bedienung gehören dazu. Die Daten Minderjähriger müssen ohne explizite Nachfrage geschützt werden. Online-Tools zum Bearbeiten von Bildern oder Basteln erster Webseiten müssen noch einfacher zu bedienen werden und trotzdem alle Funktionen bieten.

Wenn diese Vorraussetzungen erfüllt sind, werden sich auch Ältere, die sich nie mit dem PC beschäftigt haben, 5 Minuten nehmen, um sich ein Mailpostfach anzulegen. Stimmen müssen mehr und mehr die einfache Bedienung und nach wie vor der praktische Nutzen. Wenn wir bessere Bedingungen für alle schaffen, lässt sich das Medium Internet effektiver nutzen.
Mehr Leute werden produktiv etwas beitragen können.

Wenn das den momentanen Entscheidern und Machern bewusst wird, wird das Internet mehr Menschen erreichen. Und letztendlich werden dann mehr Leute von Programmierung, Webdesign und auch Werbung im Internet leben können. Man muss es mehr Menschen an mehr Orten zugänglich machen. Das alles fällt mir ein, wenn ich den Begriff Digital Native lese. Und das alles wünsche ich mir für die nächsten Jahre.

(Mir ist klar, dass nicht alles hier bis ins kleinste Detail sorgfältig durchdacht ist. Das kann ein Einzelner nicht leisten. Darum bitte ich euch, eure Gedanken zum Thema hier als Kommentare mitzuteilen.)

Der Gast: <a href=“http://www.mammutblog.de/”>Alex_Mammut</a> über sich selbst: Ich war Digital Native und wachse langsam zu einem bewussteren Nutzer aller Medien, insbesondere der Neuen, heran. Ich bin “hauptberuflich” Schüler eines Gymnasiums und möchte später beruflich im Bereich Medien arbeiten, viel konkreter weiß ich es noch nicht.
mammut

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5 Antworten zu “Gast-Beitrag Nr. 3: Der dehnbare Begriff Digital Natives- Zukunftsgedanken von einem Digital Native”

  1. massenpublikum» Blogarchiv » Bühne frei sagt:

    [...] « Gast-Beitrag Nr. 2: Warum ich neue Wege gehe und das Internet dem TV vorziehe Gast-Beitrag Nr. 3: Der dehnbare Begriff Digital Natives- Zukunftsgedanken von einem Digital Native [...]

  2. 50hz sagt:

    Cooler Artikel. Zur Frage, ob der Begriff Digital Natives zielführend ist, lohnt es übrigens mal bei Kruse vorbeizuschauen: Er unterscheidet im zweiten Teil seines Vortrags in Residents und Visitors: http://s.50hz.de/2j
    Ebenfalls in den Zusammenhang passt ein aktueller Artikel von Martin Weigert zum Thema Medienkompetenz der Generationen: http://s.50hz.de/3t

  3. sachark sagt:

    Meiner Meinung nach sollte der Begriff des Digital Native nicht über das Alter sondern über die Geisteshaltung definiert werden. Noch.

  4. 50hz sagt:

    Das ist ziemlich genau das, was Kruse dazu herausgefunden hat.

  5. sachark sagt:

    Kluger Mann.

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