Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Warum foursquare nicht das nächste twitter ist – und auch nicht werden kann

twitter wächst nicht mehr. Oh je. Ist das nun ein großes Drama? Nein. Solange twitter seinen Usern Spaß macht und Nutzen bringt, ist ein Abgesang vollkommen unnötig. Doch wohin geht die Reise im Jahr 2010? Gibt es einen Dienst, der quasi das neue twitter werden könnte? Pete Cashmore jedenfalls traut foursquare für das nächste Jahr einen ähnlichen Erfolg zu.

Was foursquare ist, kann man hier nachlesen. Martin Weigert hat in diesem Posting den wichtigsten Unterschied von foursquare gegenüber anderen Location Based Services wie Brightkite, Googles Latitude oder Qiro auf den Punkt gebracht:

Der entscheidende Unterschied von foursquare zur Schar andererer mobiler Social Networks ist die zusätzliche spielerische Komponente. Für das Einchecken an Orten erhalten User Punkte. Ab einer bestimmten Punktezahl verteilt foursquare Abzeichen, und wer innerhalb einer Woche am häufigsten an einem bestimmten Ort eingecheckt hat, wird zum “Mayor” gekürt. (…)Einige Gastronomen haben bereits das Geschäftspotenzial von foursquare entdeckt und verteilen beispielsweise Gratisgetränke an den aktuellen “Mayor” der jeweiligen Bar. Immerhin hat sich dieser als loyaler Stammkunde erwiesen, der mit großer Wahrscheinlichkeit als Türöffner für Neukunden fungiert.

Seit wenigen Wochen ist foursquare nun auch in einigen deutschen Städten verfügbar. Und in der Tat macht es großen Spaß, sich an Orten einzuchecken, Punkte zu sammeln und hin und wieder den Status des Mayor zu erlangen. Und trotzdem bin ich sehr skeptisch, ob foursquare das ganz große Ding wird.

Zum Einen ist foursquare bei weitem nicht so einfach zu nutzen wie facebook, twitter oder Xing. Man kann nicht mal einfach so im Netz am Computer mitspielen, sondern braucht ein Smartphone (aktuell werden sogar Blackberry-Nutzer ausgesperrt, es gibt die foursquare-App bisher nur für das iPhone und Android-Systeme).

Außerdem, und das ist in meinen Augen der gravierendste Grund, ist foursquare ein fast anachronistischer Service. Unser Leben wird immer globaler, via twitter, facebook oder Skype kommunizieren wir in Echtzeit mit Freunden in Berlin, Hamburg, Sydney, New York oder Tokio. foursquare aber rückt den regionalen Aspekt in den Vordergrund, weil ich nur Statusmeldungen von Freunden aus der gleichen Stadt erhalte. Was auch logisch ist: So sehr es mich interessiert, ob meine virtuellen Freunde am Wochenende feiern, so wenig kümmert es mich, in welchen Restaurants sie in Mumbai, Stuttgart oder Buenos Aires einchecken.

Und: Niemand wird bestreiten, dass das Web 2.0 einen entscheidenden großen Mehrwert mit sich gebracht hat: Den bereits erwähnten Echtzeit-Dialog. Der fehlt foursquare total. Ich sehe zwar, dass jemand in meinem Lieblingsrestaurant eingecheckt hat, aber ich kann diese Aktion nicht kommentieren und auch nicht zu Demjenigen in Kontakt treten und ihm Empfehlungen aussprechen (außer Derjenige hat seine twitter- bzw. facebook-Kontakte bei foursquare eingetragen).

foursquare ist also eine Mischung aus Spiel und einem modernen virtuellen Rabatt-System a la Payback oder Deutschlandcard. Davon abgesehen, dass die iPhone-App grotesk buggy ist und viel zu oft abstürzt, hängt der Erfolg von foursquare hauptsächlich davon ab, wie viele Gastronomen foursquare als Kundenbindungsinstrument für sich entdecken.

Insgesamt macht mir foursquare Spaß, auch wenn der Empfehlungsfaktor (meine Freunde gehen ins Restaurant A, also muss ich da auch hin) noch zu kurz kommt. Die optimale Lösung wäre eine Implementierung von foursquare in Qype. Dann wüsste ich nicht nur, wer wo ist und wie oft dahingeht, sondern auch ob Diejenigen mit der erbrachten Leistung zufrieden waren.

Ja, ich denke schon, dass foursquare ein Hype-Thema 2010 sein wird. Die Ausmaße von facebook oder twitter wird es aber nicht einmal in Ansätzen erreichen, weil das Grundbedürfnis des Menschen – nicht nur einseitige Kommunikation sondern Austausch durch Dialog – nicht befriedigt wird und die Einstiegshürden aktuell noch zu hoch sind.

P.S.: Gowalla ist vom Grundgedanken foursquare sehr ähnlich, hat an einigen Stellen Vor- und in anderen Punkten Nachteile. Da foursquare aktuell stärker im Focus ist, habe ich mich einfach mal auf einen Dienst beschränkt.

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15 Kommentare zu “Warum foursquare nicht das nächste twitter ist – und auch nicht werden kann”

  1. Stefan sagt:

    Hi,

    mir gefällt das Tool ebenfalls. Ich sehe momentan allerdings den Nachteil eher in der geringen Verbreitung. Wer nicht aus einer Großstadt kommt oder sich nicht mindestens oft dort aufhält, hat nicht gerade viel Spaß momentan.
    Ansonsten sehe ich auch für die Gastronomie ein schönes Potential für ein erfolgreiches Marketing.

  2. Die meisten Kritikpunkte teile ich, aber ich denke auch nicht, dass Foursquare jetzt mit der Entwicklung aufhört. Insofern würde ich mal abwarten, wie sich die Features entwickeln, da ist auf jeden Fall Potential.

    • sachark sagt:

      Da müssen die sich aber wirklich ranhalten. Denn wenn die App weiterhin so buggy bleibt, verliert foursquare seine Nutzer schneller, als ein richtiger Hype entstehen kann.

      • Sebastain sagt:

        Buggy ist ein gutes Stichwort. Ich war ja von Anfang an eher der Gowalla Fan, bin aber wegen der Bugs kurz davor, mich wirklich auf Gowalla zu beschränken.

        • sachark sagt:

          Vielleicht kannst Du mir ja erklären, wozu die Items bei Gowalla gut sind.
          Haben diese Gegenstände einen höheren Grund außer dem Spiel-und-Spaß-Faktor?

          • Sebastain sagt:

            Nun, es wird mit Sicherheit demnächst die Möglichkeit geben, sich Travels of a Beatnik Poet anzuschauen. Und vielleicht kann man dann ein Item adoptieren. Und bestimmt können Firmen irgendwann auch eigene Items bei Gowalla kaufen und distribuieren. Sorry, dass ich jetzt linke, aber ich hab hier mal mehr dazu geschrieben: http://www.wbn-digital.de/2009/11/20/gowalla-upda...
            Die Zychologie…

          • sachark sagt:

            Sorry, aber ich verstehe noch immer nicht, was mir das bringen soll, den Verlauf von Items anzuschauen oder Corporate Items zu sammeln. Da finde ich das System von foursquare deutlich smarter.

            Der beste Weg wäre, die Unternehmen würden morgen fusionieren. Die Usability käme von Gowalla, das System von foursquare.

      • Ich finde die App zwar ziemlich beschränkt was die Funktionalität betrifft, manchmal müsste es nur ein Link sein, der eingebaut ist, aber Abstürze habe ich fast nie (auf dem iPhone).

  3. Ich denke, der Hype um Foursquare (und Gowalla und ggf. ähnliche Dienste) wird vorerst nicht die Ausmaße wie bei Twitter oder Facebook annehmen. Die Nutzerzahl hingegen könnte meiner Ansicht nach durchaus das Niveau von Twitter erreichen oder darüber hinaus gehen. Twitter ist ja nach wie vor ein Service, der nur von wenigen aktiv eingesetzt wird.

    Die Kombination aus Qype und Foursquare wäre spannend und tatsächlich mit sehr viel mehr Mehrwert verbunden. Am besten, einer kauft den anderen auf.

  4. Wahid Rahim sagt:

    Gute Startups entwickeln sich weiter. Facbook war auch mal eine Studenten-Community.
    Foursquare hat schon eine beachtliche Zahl von Usern erreicht. Der langfristige Erfolg hängt davon ab, wie gut die sich weiterentwickeln. Die müssen auch nicht das nächste Twitter werden und Twiter ist nicht das nächste Facebookt.

    • David sagt:

      Exakt.

      Man sollte in der Diskussion nicht vergessen, dass Foursquare gerade mal ein paar Monate alt ist und derzeit 4 Jungs am Ball sind, von denen drei in der Entwicklung involviert sind.

      Der Vergleich zu Facebook und Twitter kommt mir noch etwas zu kurz, da beide Firmen wesentlich länger am Markt sind und verglichen 100x mehr Resourcen zur Verfügung haben, personell und finanziell. Viel mehr ist es das Potential was den Hype ausmacht.

      Interessant wird es, wenn die einzelnen Locations anfangen, sich aktiv am Spiel zu beteiligen und den Stammkunden incentives anbietet (etwas, was Qype schon lange hätte anbieten können) und das Einchecken belohnt wird. Noch interessanter wird es, wenn die Daten der Kunden für Locations einsehbar wird, als Art CRM-Backend für den Locationbesitzer, der seine Top 20 Kunden beim Namen und seine Vorlieben kennt.

      Hinzu kommt, dass wir wahrscheinlich im nächsten Jahr einen wesentlich besseren Empfehlungsmechanismus sehen werden.

      Das Blackberry App ist letzte Woche als alpha ausgerollt worden und an eine Palm Pre Version wird derzeit auch umgesetzt.

      Der Grund für die selektive Auswahl von Städten ist eher pragmatisch und versucht so, die Skalierung Schritt für Schritt zu bewältigen. Und ist gleichzeitig ein gutes Instrument für anhaltende PR.

      Letztlich ist es bemerkenswert zu sehen, wie engagiert die bereits große Community mit Foursquare wächst und die 4 Jungs on-thy-fly gemeinsam mit den Nutzern Schritt für Schritt weiterentwickeln. Iteration statt verkopftes Planen hat garantiert, dass in nur wenigen Monaten ein Startup international für Furore sorgt.

  5. ingo scholz sagt:

    mir gefällt an foursquare gerade, dass ich entscheiden kann ob ich jetzt anderen mitteilen möchte wo ich gerade bin. Ich will das nicht immer. Toll wäre aber man könnte zwischen beiden Varianten wählen. Rein technisch sind da noch extrem viele Bugs. Dafür kann ich als N97 Nutzer aber wenigstens foursquare im Gegensatz zu gowalla nutzen.

  6. 110576 sagt:

    Aktuell werden Blackberry Nutzer ausgesperrt? Was ist denn mit jenen Menschen die nun ein Windows Mobile oder gar Symbian OS Smartphone ihr eigen nennen? Sind wir den nun schon wirklich so weit, das sich unsere Relevanz auf drei simple Handytypen beschränkt, die, so seien wir doch mal ehrlich, auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind?

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