Das Magazin FROH! – Ein Interview mit dem Chefredakteur
Letztes Jahr um Weihnachten herum erschien erstmals das Magazin FROH! Damals kam ich zu dem Schluss, dass es doch bitte “mehr davon” geben möge – mein Wunsch wurde erhört. Vor einigen Tagen wurde eine neue Ausgabe veröffentlicht. Erneut widmet sich das Heft einem einzigen Thema: Stille. Ich hatte die Gelegenheit Dr. Sebastian Pranz, Chefredakteur von FROH!, zu befragen, woher der Name kommt, wie sich das Heft refinanzieren soll und vor allem wieso es gedruckt und nicht online publiziert wird.
Was macht „FROH!“ aus? Wodurch unterscheidet es sich von anderen Blättern?
Dr. Sebastian Pranz: FROH! hat einen eigenen Zugang zu den Themen. Deswegen heißt z.B. unser Heft zum Mauerfall nicht ‘Wende’ sondern ‘WENDEN’ und handelt von allen Dingen, die sich wenden. Du findest da ebenso Pfannkuchenrezepte wie auch sehr persönliche Texte zum Thema Lebenswende. Unser Winterheft trägt den Titel ‘STILL’ und ist der Versuch, auf 100 Heftseiten wirklich so etwas wie Stille zu erzeugen. Der Leser muss dazu selbst auch ein wenig ruhiger werden, damit er nichts überhört! Eigentlich versuchen wir, jedes Thema so lange hin- und her zu drehen, bis etwas völlig Neues herauskommt. Abgesehen davon ist FROH! non-profit und arbeitet und zu 100% werbefrei, auch das ist eine Besonderheit.
Wie kam es zu dem Namen „FROH!“?
Dr. Sebastian Pranz: Wir hatten das Magazin ursprünglich als einmaliges Release konzipiert. Unsere ‘Null-Nummer’ ist vor einem Jahr erschienen und war ein Heft über Weihnachten. Der Titel FROH! beschreibt den Blickwinkel, den wir gerne einnehmen wollten: wir wollten zeigen, was das eigentlich Frohe an Weihnachten ist und gleichzeitig darauf aufmerksam machen, das Einiges schief läuft. Im Heft sind sowohl theologische Texte, z.B. vom Heidelberger Theologen Klaus Berger, wie auch konsumkritische Geschenktipps oder ein Interview mit dem Soziologen Heinz Bude über soziale Gerechtigkeit. Diese Themen sind uns eigentlich nach wie vor sehr wichtig.
Das Magazin gibt es nicht am Kiosk – warum nicht?
Dr. Sebastian Pranz: Wir haben eine sehr gute Website, auf der man das Magazin bequem bestellen kann. Wir finden das eigentlich sehr zeitgemäß. Das ist der eine Weg. Zum anderen gibt es eine bisher noch sehr kleine Zahl an Shops oder Agenturen, die FROH! auslegen, weil sie uns kennen oder einfach unterstützen wollen. Z.B. der Laden do you read me?! in Berlin, in dem man auch sonst sehr viel Zeit verbringen kann. Ich persönlich finde diesen zweiten Weg eigentlich noch charmanter – an jeder verkauften FROH! hängt damit eine kleine Begegnung mit jemandem, der FROH! kennt und mag. Außerdem ist es eine wunderbare Guerilla-Vertriebsstruktur, die auch irgendwie zeitgemäß ist.
Wie refinanziert sich „FROH!“?
Dr. Sebastian Pranz: Für das erste Jahr haben wir eine Startfinanzierung vom Verein Andere Zeiten aus Hamburg bekommen. Auf Dauer hoffen wir, dass sich das Heft mit dem Verkauf und durch Spenden trägt. Ich denke, ich muss aber auch dazu sagen, dass FROH! ein sehr idealistisches Projekt ist – ich glaube nicht, dass man damit reich werden kann.
Wieso eigentlich ein gedrucktes Heft? Passt „FROH!“ vom Konzept nicht besser ins Netz?
Dr. Sebastian Pranz: Sicherlich bietet eine Online-Publikation viele Vorteile, z.B. im Bezug auf die Aktualität und sicherlich auch die Produktionskosten. Aber FROH! bietet auch einen Mehrwert, den digitale Publikationen nicht haben. Wir drucken auf offenem Feinstpapier, das sich hervorragend anfasst und verwenden ökologische Farben, die wirklich gut riechen. Soviel Sex-Appeal kann ein PDF niemals haben. Außerdem kann man FROH! mit aufs Klo nehmen – und wenn ich es richtig verstanden habe, ist das immer noch der Ort, wo der urbane Mensch zu sich selbst kommt. Das Macbook nimmt man da ja lieber nicht mit hin.
Was treibt Euch an, ein Magazin wie „FROH!“ zu produzieren?
Dr. Sebastian Pranz: Wie gesagt, ist FROH! ein idealistisches Projekt. Die Dinge, die darin stehen, sind uns als Redaktionsteam auch persönlich wichtig. Zum einen sind wir Christen – wir tragen das nicht so vor uns her und sind uns der Vorurteile bewusst. Aber es ist ein wichtiger Motor für unsere Arbeit, deshalb sag ich es dazu. Ein anderer ist der Nachhaltigkeits-Gedanke. Wir wollen einfach gerne ein Magazin machen, das wunderschön ist und trotzdem eine gute Ökobilanz hat Aber mal ganz abgesehen davon, gibt es auch egoistische Gründe: Ein Magazin zu machen, ist einfach ein Kindertraum von uns. Auch wenn es manchmal viel Arbeit macht: das Leuchten in den Augen haben wir alle noch.
Ihr unterstützt soziale Einrichtungen und lasst die Autoren pro bono schreiben. Wie schwer fällt da die Überzeugungsarbeit?
Dr. Sebastian Pranz: Eigentlich sind wir selbst immer wieder erstaunt, dass wir nur offene Türen aufstoßen. Ich glaube, dass vielen das Konzept von FROH! sympathisch ist. Aber man darf auch nicht vergessen, dass man mit einem werbefreien Magazin auch sehr unabhängig ist. Wir können einfach machen, was wir wollen, ohne vorher unser Sinus-Milieu zu checken und das stellt natürlich für alle Beteiligten einen großen Reiz dar. Wie es auch sein mag: Ich bin allen, die bereit sind, sich auf dieses Experiment einzulassen, sehr dankbar. Ohne sie gäbe es FROH! nicht.
Was erwartet den geneigten „FROH!“-Leser nächstes Jahr? Auf wie viele Hefte können wir uns freuen?
Dr. Sebastian Pranz: Wir werden drei Hefte machen. Und ich will nicht mehr verraten, als dass das Erste im April erscheint, FINALE heißt und u.A. etwas mit Fußball zu tun hat.


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