Wie viel ist ein @saschalobo-tweet wert?
Gestern hatte ich das große Glück, auf twitter von Sascha Lobo empfohlen zu werden. So etwas kommt hin und wieder vor. Manche machen das am Freitag regelmäßig (von einem solchen „Follower Friday“ halte ich jedoch recht wenig, was man hier nachlesen kann). Jedenfalls ereignete sich dann etwas für mich Unglaubliches: Innerhalb weniger Minuten hatte ich 50 Follower mehr. Innerhalb einer Stunde waren es 200. Insgesamt sind bis jetzt knapp 500 Follower neu hinzugekommen. Wegen eines einziges tweets. Noch nicht einmal 140 Zeichen hat Sascha verschwendet, um eine so große Wirkung zu erzielen. Über 30000 Leute folgen ihm mittlerweile auf twitter, kein Wunder, dass von seinen tweets eine so gewisse Wirkung ausgeht.
Nun ist es ja kein Geheimnis, dass man über Dienste wie turi2 oder kress Anzeigen in tweets kaufen kann. Sofern ich mich nicht irre, kostet ein solcher tweet um die 200 Euro. turi2 folgen über 5500, kress fast 10000 Leute. Natürlich ist es eine Spielerei, darüber zu spekulieren, wie tief man in die Tasche greifen müsste, um Sascha einen tweet abzukaufen, weil er einen solchen „Service“ gegenwärtig nicht anbietet. Trotzdem würde mich Eure Einschätzung interessieren: Wie viel ist, wenn man sich die Wirkung eines Lobo-tweets vor Augen führt – siehe oben – eine @saschalobo-Anzeige wert?
Tags: follower friday, kress, sascha lobo, turi2, twitter

Hmm, da bin ich ein wenig kritisch. Kommt es nicht auch darauf an, wofür der tweet steht? Wenn ich nur eine Person empfehle, sehe ich das nicht so in Euro und Cent. Wenn ich vielleicht für eine Marke tweete, da wird es dann schon anders. Oder auch ganz anders gefragt: Kann ich denn die Anzahl der Follower in Euro und Cent münzen? Ok, mehr Fragen als Meinung. Muss noch mal nachdenken.
Natürlich: Es gibt ungemein viele Faktoren, die den Preis bestimmen. Aber es ist hier auch nur – wie gesagt – eine Spielerei und als Solche zu verstehen. Sascha lässt sich sowieso nicht auf bezahlte tweets ein.
Wo ist denn der 2-Euro-Button???
Ganz ehrlich Leute, der Followerzuwachs sagt einen Scheiß aus. Qualität ist doch das entscheidende, auf das immer soviel wert gelegt wird… Guckt Euch doch mal die ganzen Spammer-Profiles mit Ihren x-tausend Followern & Following an. Sich überall einklinken und jeden zu akzeptieren ist keine Kunst.
Meine persönliche Meinung: Jeder kleine Journalist einer (renommierten) Zeitung erzeugt mit seinem Artikel mehr Bums als viele Twitter- oderBlog-Selbstdarsteller, die einfach nur ein zu kaputtes Ego haben, um teamkompatibel zu sein und sich aus ihrem Arbeitslosen-/"Berater"-/"Freelancer"-Frust heraus eine Scheinwelt aufbauen.
Meine Meinung soll nicht nicht gegen den Social Media Hype an sich schießen (auch wenn es ein Hype ist). Hat ja auch viel gutes (Wolfskin, Sparkasse) gebracht. Ich denke nur, daß extrem viele Leute sich und Ihre "Reichweite" komplett überschätzen.
Carsten, ich sehe das anders. Der Followerzuwachs sagt eine Menge über die Loyalität der Follower zu Sascha Lobo aus. Sie schenken seiner Meinung so viel Vertrauen, dass sie bereit sind, mir zu folgen. Ob sie das dauerhaft tun werden, hat nichts mit Sascha zu tun. Am Ende des Tages werde ich ihren Erwartungen gerecht werden müssen. Nur: Ohne den tweet hätten sie mich niemals gefunden.
Und das kann auch Social Media sein: Vertrauen in gewisse Leute und ihre Empfehlungen. Natürlich gibt es einen Hype um twitter, facebook und Co. Aber ich widerspreche Dir, dass "jeder kleine Journalist einer Zeitung" mehr bewirken kann als ein twitterer. Erinnere Dich an den Blumenladen. Am Anfang war ein Posting in diesem Blog, ein tweet. Aus einer Stimme wurden Viele. So viele, dass die Medien auf den Zug gesprungen sind und der kleine Blumenladen gerettet wurde.
Das, was Social Media wirklich gut kann, ist Menschen zur Teilnahme zu bewegen, sie zu aktivieren. Nicht nur weil der Weg so kurz ist, sondern weil man gewissen Menschen vertraut, weil man sie zu kennen meint. Die Bezeichnung "Friends" bei facebook meint natürlich nicht immer Freunde, aber zumindest geht es in die Richtung.
Ein Klick ist kein Vertrauensbeweis. Dafür ist der Aufwand viel zu gering, um diesen Klick auszuführen, als dass ich dem einen großen Wert beimessen würde.
Ein Journalist kann genau dann mehr bewegen, wenn die Zielgruppe der Leser die passendere als die der follower ist. Die Blumenladengeschichte würde ich nicht als nachhaltig einschätzen. Es war etwas Neues; jeder wollte mitmachen und darüber erzählen können.
Es fehlt der "Nichts"-Button. Oder negative Beträge.
Schließlich kann Sascha a) seine "Marke" beschädigen, b) der Zahlende als Social-Media-Schwein dastehen und c) eine Menge Neid unter den gefühlten "Konkurrenten" in der Twitter- und Blogosphäre entstehen, der in negativer Presse kulminiert.
Interessant fände ich eine Betrachtung deines Follower-Zuwachses nach einer gewissen Zeitperiode: Sind sie dir als Follower erhalten geblieben, wie aktiv sind sie gewesen, hast du mit ihnen einen Dialog aufbauen können? Wenn du das dann mit ja beantworten kannst, sehe ich einen qualitativen Mehrwert, der bei der Beantwortung der Frage, was der Tweet wert war, helfen könnte.
Aus meiner Sicht hat das "Folgen" nicht automatisch etwas mit Vertrauen zu tun. Denk nur an viele Affiliates, die jedem in der Hoffnung auf Gegenseitigkeit folgen, um anschließend mit einem Spaß/Reweet/Deal-Mix Ihre Offers zu verbreiten.
Was den Blumenladen betrifft: Nein, ich erinnere mich nicht. Weil ich eben nicht auf jeden eingehenden Tweet warte sondern noch ein reales Leben habe. Und in diesem realen Leben gab es laut StatBundesamt im Jahre 2008 knapp 30.000 Unternehmensinsolvenzen. Eure Aktion und die Begeisterung für diesen mit Sicherheit sehr netten Laden und dessen freundlichen Besitzer: Wenn ein Laden schließt, ist in nicht wenigen Fällen ein wirtschaftlicher Misserfolg vorausgegangen.
Toll, daß Ihr den Laden retten konntet (vorübergehend). Aber was bedeutet das in der Praxis? Für jeden sympathischen Kistenkrämer um die Ecke starte ich bei finanziellem Engpass eine Spendenaktion? Sorry, wäre der Laden sooo super, hätte er a) die nötige Kundenmasse und b) die angemessenen Preise, damit sich der Laden trägt. Sei ehrlich: das ist eine einmailge Aktion und schwer wiederholbar.
Ich glaube auch nicht, daß man Leute eher zur Teilnahme bewegen kann. Im Gegenteil, als "Aktivität" wird von vielen wahrscheinlich schon ein RT angesehen. Aktuelles Beispiel Haiti: Ich weiß nicht, von wie vielen Leuten ich heute Spenden-RTs für Haiti gesehen habe. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber ich wette: nicht 0.01% der Leute die die ursprünglichen Tweets weitergeleitet haben, haben auch selbst in die Tasche gegriffen. Das wäre mal ein schönes neues Topic: "Wieviel sind Convenient Activities wert?"
Sorry Carsten, aber jetzt muss ich Dir sogar massiv widersprechen. Das "reale" Leben besteht nicht darin, alles madig zu machen. Über die Hintergründe, warum dieser eine Blumenladen eine solche Rettungsaktion verdient hat, habe ich hinreichend berichtet: Der Betreiber war krank. Er wirtschaftet ordentlich und hat auch Kunden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Rettung ihm nicht nur provisorisch sondern dauerhaft helfen wird. Aber allein die Anteilnahme hat diesem Menschen sein Selbstwergefühl zurückgegeben, dieses Gefühl kannst Du kaum mit Geld bemessen.
Was Haiti angeht: Ich weiß nicht, wie viele Leute spenden. Ich habe gespendet, weil ich es für richtig halte und es mir leisten kann. Und wenn ich es richtig einordne, dann haben einige Andere es ebenso getan. Ich halte nichts davon, immer nur davon zu sprechen, wozu twitter, facebook und Blogs nicht imstande sind. Menschen nutzen diese Kanäle, und sie können großartige Dinge damit erzeugen und anderen Menschen helfen. Das ist großartig. Das ist das reale Leben.