Overload
Im Rahmen der Social Media Week Berlin wurde ich von der Welt Kompakt eingeladen mit Hans Zeger, Dieter Willinger, Jürgen Nerger, Arwin Hambasic und Frank Schmiechen unter der Leitung von Richard Joerges über das Thema „Von einer Generation, die nicht mehr offline sein kann“ zu diskutieren. Wie es der Zufall möchte, habe ich mich mit eben diesem Thema in den letzten Wochen näher beschäftigt.
Wer mir per twitter folgt oder mit mir bei facebook befreundet ist, hat es gewiss mitbekommen, dass ich bis Donnerstag im Urlaub war. Hin und wieder habe ich Bilder oder Status-Updates aus St. Lucia, Martinique bzw. Miami gepostet. Mit fast jedem Lebenszeichen meinerseits erhielt ich Reaktionen wie „Mach doch mal Urlaub“, „Vergiss jetzt mal das Internet“ oder „Kannst Du nicht ein paar Tage ohne twitter“. Nicht zuletzt diese „Kritik“ hat mir verdeutlicht: Ich habe ein Problem. Ein Problem, mit dem ich wahrscheinlich nicht alleine dastehe und das ich sehr gerne im Rahmen der Diskussion zu „Von einer Generation, die nicht mehr offline sein kann“ thematisiert hätte. Leider kam es nicht dazu, weil wir uns – wie so oft, wenn Menschen, die mit dem Analogen aufgewachsen sind, über das Digitale reden – hauptsächlich den Themen Datenschutz und Medienkompetenz gewidmet haben.
Gibt es eine Sucht nach Informationen? Das Gefühl, die Welt könnte sich zu schnell drehen und ich den Anschluss verpassen, wenn ich nicht alle tweets, nicht alle von mir abonnierten Feeds, nicht alle Updates meiner „Freunde“ bei facebook lese? Ist das bereits eine pathologisch definierte Krankheit? Wenn ja, dann muss ich eingestehen: Ich bin süchtig.
Wie gesagt: Ich glaube nicht, dass dieses „Problem“ mich alleine betrifft. Ich denke, dass die Gruppe derer, die sich das eingestehen muss, ziemlich groß ist. Nur, und eben diese Frage gilt es zu erörtern: Ist das überhaupt ein Problem?
Ich habe im Urlaub Frank Schirrmachers „Payback“ gelesen. Vorweg habe ich einige Reaktionen – zumeist sehr digitaler Menschen – wahrgenommen. So erwartete ich ein sehr stupides, reaktionäres Werk, in dem ein alter Mann alles Neue verurteilt und verteufelt. Die Wahrheit aber liest sich gänzlich anders: Schirrmacher reflektiert sehr analytisch – mir oft zu wissenschaftlich -, wie die neuen Medien unser Verhalten, unser Denken und unser Leben verändert haben. Bei all den Lobpreisungen, die wir selbst in unseren Blogs täglich verfassen und lesen, ist es durchaus reinigend, sich auch mal mit fundierter Kritik, die der FAZ-Herausgeber äußert, an dieser Entwicklung zu beschäftigen. Denn, und das kann man eben nicht von der Hand weisen: Wir haben uns nicht nur zum besten verändert.
Wer kennt dieses Szenario nicht? Man sitzt mit Freunden, Bekannten oder Geschäftspartnern beim Essen am Tisch, man unterhält sich angeregt. Plötzlich holt jemand sein iPhone oder Blackberry raus, checkt Mails, twittert oder macht was auch immer und verlässt dabei zumindest die Konversation, in der er oder sie sich gerade noch befand. Ist das höflich, anständig, angemessen? Natürlich nicht.
Oder: Man sitzt im Büro, ist mit einem Reporting, einer Präsentation oder was auch immer, woran unsere Generation tagtäglich arbeitet, beschäftigt, während Skype, Tweetdeck oder was auch immer im Hintergrund läuft, uns darüber in Kenntnis setzt, dass unsere Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner irgendwas gerade gesagt haben. Unabhängig ob es wichtig ist, oder nicht, wir verlieren prompt den Faden, reagieren und vergessen, womit wir uns bis dato beschäftigt haben.
Das sind nur zwei Beispiele, die Schirrmacher aufführt und deren Wahrheit man einfach nicht leugnen kann. Dass Vieles von dem, was er äußert, schlicht falsch und an den Haaren herbeigezogen ist, darf nicht unerwähnt bleiben. Und trotzdem sollte man es sich nicht so einfach machen und das Werk ignorieren, nur weil es eine andere Meinung als man selbst vertritt.
Wir sind, das müssen wir uns endlich mal eingestehen, bei weitem nicht so relevant, wie wir es gerne wären. Das hat Nico Lumma diese Woche sehr treffend festgestellt: In Deutschland gibt es kein einziges Blog, das man lesen MUSS. Das ist sehr schade, weil es hinreichend gute Autoren unter den Bloggern und ebenso viele kluge Köpfe gibt. Nur vertreten wir immer noch den gleichen Standpunkt wie vor zwei Jahren: Das Digitale ist die Zukunft. Dabei setzen wir uns mit den immer gleichen Problemen, siehe die oben angeführte Diskussion, also Datenschutz und Medienkompetenz, auseinander, ohne dass wir sie lösen, ohne dass wir neue Probleme definieren. Nicht nur Schirrmacher, auch wir sind gestrig.
Wer mich kennt, weiß, wie viel ich von Social Media halte und wie viel es mir bedeutet. Ich glaube daran, dass jeder einzelne von uns die mithilfe der Tools, die uns das Internet bietet, die Welt ein klein wenig verändern kann. Nur: Diese Tools selbst sind nicht die Welt. Und darum ist es auch vollkommen egal, ob nun twitter eine neue mobile Seite hat, Google für ein paar Minuten down ist oder foursquare seine API frei veröffentlicht. Zumindest wenn man einen kurzen Moment nachdenkt und sich bewusst macht, was diese Informationen für unser Leben wirklich bedeuten.
Ich werde mich natürlich nicht aus der digitalen Welt zurückziehen. Wahrscheinlich wird man noch nicht einmal spüren, dass sich etwas in mir, dass ich mich verändere, aber es wird sich was ändern. Wir sprechen viel darüber, dass es uns gelingen muss, die neuen Medien richtig zu beherrschen. Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich beherrscht werde. Das ist vielleicht ein klein wenig überspitzt, trifft aber den Kern. Nun, da ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin, habe ich mir ein neues Ziel gesetzt: Ich hole mir mein Leben zurück.
Tags: arwin hambasic, datnschutz, dieter willinger, frank schirrmacher, frank schmiechen, hans zeger, jürgen nerger, medienkompetenz, nico lumma, payback, richard joerges, social media week berlin, welt kompakt

Schöner Post. Und ein bisschen steckt das gleiche Thema drin, dass wir hier bereits vor Deinem Urlaub diskutiert haben. Die Frage nach der ständigen Erreichbarkeit. Wer auch immer Dir damals den Satz gesagt hat, er sei stolz darauf, am Wochenende keine Mails zu beantworten – vielleicht wird er nun ein wenig besser von Dir verstanden, auch wenn Du das konkrete Beispiels Mails vielleicht anders siehst.
Ich empfehle in diesem Zusammenhang übrigens immer den Mercedes Bunz Video vom letztjährigen Trendforum (Disclaimen muss ich bei Dir nicht, oder?), die sagt: Die Welt ist nicht schneller geworden. Wir werden nur andauernd unterbrochen.
Zur Sucht selbst: Ich denke schon, dass das Online-sein eine Parallele zu anderen Suchtmitteln hat – den Einstiegspunkt "angenehme Ablenkung". Als ich noch Raucher war, hab ich – immer wenn ich auf eine Tätigkeit keine Lust hatte oder mich zerstreuen wollte – erstmal eine geraucht. Heute geh ich auf Twitter oder Facebook. Sowas kann der Einstieg in eine Sucht sein – er muss es aber nicht. Die Frage ist, ob das irgendwann zwanghaft wird. Das kriegst Du am besten raus, wenn Du eine Pause einlegst – hab ich letztes Jahr auch mehrmals gemacht und gemerkt: Also substanziell fehlt einem / mir in so einer Pause nix.
Wie auch immer, ich wünsch Dir viel Erfolg!
Sachar, ich freue mich sehr diesen Beitrag zu lesen. Trifft sicher auf viele zu, die hier ab und an mal vorbei tapsen oder hat sie mal betroffen oder wird sie mal betreffen. Temporäres Suchverhalten – schön, wenn es sich nicht auf Dauer manifestiert
Wir können das "Internetanschluss-Gerät-beiseite-lassen" gerne demnächst mal bei einem Kaffee testen. Was ich wichtig finde: Es gibt verschiedene Tätigkeiten und Zustände, die verschiedene Konzentration erfordern. Manche passen prima zu Twitter und Co. Andere nicht. Vor allem das auf sich selbst hören wird von ständiger Medienaufmerksamkeit zerfressen – aber auch durch jede andere permanente Ablenkung. Nicht auf sich selbst hören führt aber meist zu unangenehmen Orten, schlechten Entscheidungen, unsinnigen Theorien und so weiter und so fort. Ich bin Fan dieser ganzen klitzernden Medienwelt – und gleichzeitig Skeptiker bei just von dir angesprochenem Thema.
Hallo Sachar,
ich kann sehr gut nachvollziehen was Du schreibst. Und wie ich es von dir kennen, sprichst du auch "problematische Dinge" an. Wie immer! Schön! Ich mache mir selbst diese Gedanken – natürlich. Ich bin für mich persönlich zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Kritiker springen viel zu kurz und sehen das viel zu schematisch. Man kann mit wissenschaftlichen Methoden immer alles erklären – wenn das Herz nicht richtig ausgerichtet ist, führt das in die Irre. Und ich glaube, Du hast Dir von Schirrmacher einen Bären aufbinden lassen – und damit (kurzzeitig) den Kontakt zu deinem Herzen verloren.
Ich merke für mich, dass "Social Media Kontakte" inzwischen einfach genauso zu meinen "Sozialen Kontakten" zählen, wie andere. Oder genauer: Mir sind inzwischen die "Social Media Kontakte" fast wichtiger als die "realen". Nicht WEIL sie über Social Media zustande gekommen sind. Sondern einfach deswegen, weil Social Media meine "Reichweite" enorm erhöht hat. Die "Grundsumme" ist deutlich höher geworden, und gepaart mit der tollen Eigenschaft von Social Media, dass sich Gleichinteressierte treffen, kenne ich inzwischen (durch Social Media) einfach viel, viel mehr spannende, tolle Menschen. Dich kannte ich (zunächst) ja auch nur über Twitter. Und verzeih mir wenn ich sage, dass wir uns erst 2 x in "Real Life" gesehen haben (insgesamt vielleicht eine halbe Stunde), und trotzdem bist du mir (emotional) nahe und sehr geschätzt.
Ja, es ist eine neue Art von Kontakt. Aber die dahinter liegenden Mechanismen sind nicht anders. Wer sich für einen anderen Kontakt interessiert, der ist mit Gedanken bei ihm. Man interessiert sich dafür, was der andere macht bzw. die anderen machen. Das ist zutiefst sozial. Es wäre falsch und schlecht, wenn das NICHT so wäre. Wer authentisch online unterwegs ist, und dann einfach abschaltet, DER hat ein Problem. Der ist nicht ernsthaft.
Du schickst "uns" Fotos aus dem Urlaub, weil du nicht vergessen sein willst. Du schickst uns Fotos aus dem Urlaub, weil Du an uns denkst. Das ist super. Das ist sozial. Das ist echt. Ich wäre dir böse, wenn es nicht so wäre.
Und ja, es gibt auch hier (ungesunde) "Mutationen". Wenn diese Sucht eine sozial entkoppelte ist, wenn man also nur deswegen dabei bleibt, weil man fürchtet, dass die Zahl der Follower runter geht (oder alle zehn Minuten checkt, ob sie sich verändert hat), wenn man nur dabei sein will, weil man sich deswegen unwichtig fühlt – dann hat man wirklich ein Problem.
Ansonsten ist das aber gut und richtig. Ich sage Dir, dass mit Dir alles in Ordnung ist
Ach ja, und zu dem "man muss keinen Blog lesen". Ich verstehe Nico da, ich glaube aber, dass der Blog etwas in einer Fruststimmung entstanden ist. Warum trennen wir soziale Kontakte im Web von sozialen Kontakten im echten Leben? Ja, im echten Leben sind sie vielfach "intensiver". Aber mit Verlaub – Du wohnst in Berlin, ich in München. Da besser ein Kontakt über Social Medie als gar keiner. Oder? Und um ganz ehrlich zu sein: Ich empfinde den Kontakt über Social Media nicht wirklich als "unintensiv". Was ich sagen will: Natürlich MUSS man keinen Blog lesen. Aber man MUSS auch mit keinem anderen Menschen sprechen. Blogs lesen sind soziale Kontakte. Blogs lesen sind Ausdruck von Interesse. Wenn das verloren ginge – DAS wäre ein Problem.
Also, wie gesagt: Relax. Frei Dich. Mach weiter so. Baue weiter Kontakte auf. Es bereichert Dich und es bereichert andere.
Oder nicht?
Solche Gedanken mache ich mir auch immer mal wieder und sage mir dann: Wenn ich morgen mit Twitter aufhöre, erinnern sich in drei Monaten nur noch sehr wenige an einen @uknaus. Jeder ist ersetzbar und online sein ist nicht alles. Man muss nicht alles wissen und sich nicht an möglichst vielen Gesprächen beteiligen. Qualität vor Quantität. Genau wie im richtigen Leben.
Und wenn es irgendwann mal zu viel wird, haben wir einen eingebauten Schutzmechanismus: Für jede Information, die wir neu aufnehmen, fliegt eine alte raus.
Den Fernseher schalte ich einfach aus, wenn ich nicht mehr mag, bzw. erst gar nicht ein. Geht mit diesem Internet auch ganz gut. Man muss nur wollen.
Danke @jensbest für Deinen Kommentar, den ich komplett für mich unterschreibe. Ich sehe für mich keinen Overload, jedenfalls keinen, der digital-induziert wäre. Wenn mir etwas zuviel wird, schalte ich es ab – den Fernseher, das Internet, das Telefon, etc.
Frei nach dem Motto: There is no information overload, there is just selection failure.
Richtig, die Selektionsmechanismen und die dazugehörigen Kulturtechniken müssen halt erstmal erlernt werden. Dann schwindet auch dieses Gefühl von Überforderung irgendwann, was viele halbdigitalen umtreibt.
Nur weil es 100 Fernsehkanäle gibt, heisst da ja nicht, dass ich täglich 10 Stunden völlig überfordert vor der Glotze sitze (analog: Printangebote, Radiosender, whatever). Weil ich halt weiß, wie man eine Fernbedienung bedient.
"Und darum ist es auch vollkommen egal, ob nun twitter eine neue mobile Seite hat, Google für ein paar Minuten down ist oder foursquare seine API frei veröffentlicht."
Das würde ich so sofort unterschreiben.
@Mirko Lage – vielen Zeilen stimme ich zu, anderen nicht. Egal, ob die Kontakte virtuell gepflegt werden oder auf anderem Wege: Es braucht Orte der Stille, des Rückzugs zu sich selbst. Orte, an denen Handys stumm bleiben, Facebooks ausgeschaltet, Twitter der Schnabel zu gehalten, Türklopfen ignoriert wird. Ständiges da sein, berichten, monitoren, weiterdrehen, antworten, macht rastlos und vor allem: Kurzsichtig. Es führt zu falschen Entscheidungen, es ist quasi der ständige Blick auf Sharholder Value im Privaten.
Das ist natürlich meine Einzelmeinung – gespickt aber mit vielen fetten Schinkenstreifen persönlicher Erfahrung im Umfeld und einem Blick auf das Leben von Menschen mit wirklich wichtigen Beiträgen – die entstehen oft nämlich in Stille, in der Abgeschiedenheit, im Kloster oder sonstigen Auszeiten.
Viel lieber ist mir – zurück zum aktuellen Beispiel – einer fährt in die Karibik, ist von meinem Bildschirm verschwunden, kommt zurück, prall gefüllt mit Eindrücken, Erfahrungen, neuen Gedanken, die schon etwas vergärt oder abgehangen sind und sucht den echten Austausch mit mir dazu. Ob virtuell oder im realen Kontakt: Da entstehen die spannenden Gespräche, da verschmelzen Menschen zu echten, belastbaren Beziehungen und Freundschaften.
Mein Wort zum Sonntag
Ja klar. Bin 100% einverstanden. Es braucht Momente der Ruhe und Besinnung. Ich meine nur: Das ist keine Frage von digital oder nicht digital.
Sehr schöner Beitrag, danke. Vor allem, weil sich hier jemand einmal traut, kritische Online-Themen anzusprechen ohne gleich das ganze Internet in Frage zu stellen.
Zum Thema noch folgendes: Ich habe letzte Woche für einen Artikel beim Bundesgesundheitsministerium nach dem Stand der Erkenntnisse zum Thema Internetsucht angefragt. Man forscht und forscht, aber niemand kann sagen, ob es 2 oder 8% der Bevölkerung sind, die als pathologisch Internetsüchtig zu gelten haben. Das finde ich 15 Jahre nach der Massenverbreitung des Mediums erbärmlich.
Bei uns "Digitalisten" kommt als Risikofaktor noch der Beruf dazu: erstens ist das Tempo der Veränderung höher als in den meisten anderen Berufen und zweitens haben wir uns so an "always on" gewöhnt, dass sich jeder wundert, wenn man mal nicht sofort antwortet.
Finde auch, dass wir in einen konstruktiven Modus mit Internet-Gefahren kommen müssen. Statt einem FF oder einer Doppelgängerwoche sollten wir mal einen Analog Friday einführen.
hier ein interessanter, wissenschaftlicher Artikel über die suchtmachenden Mechanismen von Neuigkeiten im Gehirn:
"Seeking: How the brain hard-wires us to love Google, Twitter, and texting. And why that's dangerous."
By Emily Yoffe Posted Wednesday, Aug. 12, 2009
"Seeking. You can't stop doing it. Sometimes it feels as if the basic drives for food, sex, and sleep have been overridden by a new need for endless nuggets of electronic information. [...]"
http://www.slate.com/id/2224932/pagenum/all/
Danke. Werd ich mir reinziehen
Sachar – ich finde es zunächst mal gut, dass Du Dich nicht von der "Crowd" davon abhalten lassen hast, Schirrmacher zu lesen. Denn wenn eines sehr wichtig ist, mitten im Social Media-Gezwitscher, dann ist es, seine eigene Haltung zu bewahren. Auch mal Dinge NICHT zu glauben, selbst wenn sie von einer Masse postuliert werden. Sich einfach mal die eigene Meinung zu bilden. Und dann stimme ich Valentin hier in den Kommentaren zu. Man braucht Orte des Rückzugs. Ab und an. Always-on funktioniert nicht auf Dauer. Ein weiterer Buchtipp deshalb für Dich (und bitte nicht die E-Book-Edition kaufen): "The Miracle of Mindfulness".
ich habe mir heute eine Zeitung gekauft.
Ich kaufe jeden Tag mindestens eine. Frage mich allerdings, wann die endlich auf Kachingle umstellen
Klasse Beitrag, Sachar.
In vielen Beschreibungen Deines Beitrags finde ich mich wieder – leider…
Ich habe auch das ein oder andere Mal über diese Thematik reflektiert und weiß auch, dass ich es mit der Nutzung von Twitter, foursquare, E-Mail und so weiter oftmals übertreibe. Aber ich merke, dass sich diese Themen immer mehr aus dem virtual life ins real life schieben.
Ich kann dein Problem gut nachvollziehen, mache mir aber weniger Sorgen um Online-Sucht als um Information Overload. Ich bin ja nicht unglücklich, weil ich nicht online sein kann, sondern weil sich die Menge der Informationen kaum noch aufnehmen lässt. Sicher lässt sich über das Bedürfnis, auch im Supermarkt Twitter-Feeds auf dem Handy lesen zu wollen, streiten. Aber diese Sucht hat außer dem Umstand, eine Sucht zu sein, einfach nicht viel Negatives und gibt uns Möglichkeiten, die die gesamte Gesellschaft und, wie du schon sagst, sogar die Welt ändern können. Ich glaube es wird einfach zu einem Grundpfeiler des Lebens werden ohne dass sich noch jemand großartig die Frage nach Sucht oder nicht Sucht stellt, so wie heute ein paar Exoten noch ohne Telefon oder Fernseher leben (ohne diesen Menschen zu nahe treten zu wollen).
In meinen Augen lautet das Zauberwort: Balance.
Das Virtuelle ist wichtig, keine Frage. Aber wenn sich die Mehrzahl meiner Eindrücke in diesem Raum abspielen bzw. sich auf diesen beziehen, dann stimmt doch etwas nicht.
Ich bin physisch, nicht Bit.
Die sog. Digital Natives haben in meinen Augen ein Problem: Sie nutzen alles, was per Tastatur bedienbar ist. Aber sie wissen oft nicht um die Hintergründe. Um Das "wie es funktioniert". Und Das "was es bewirken kann".
Ich bin jetzt 4x Jahre alt. Mich haben immer die Hintergründe interessiert. Auch im Virtuellen / Technischen. Eine Herangehensweise, die die Balance zwischen On und Off, zumindest bei mir, mehr oder minder als Nebenprodukt erbrachte.
Dafür bin ich dankbar.
Moin Sachar,
erstens finde ich es vollkommen okay, ab und an mal im Urlaub das Online-Device in die Hand zu nehmen – bedenke nur, dass dein Roaming-Deal vorab geklärt sein sollte, sonst hättest du dir für die Mobilrechnung dann doch noch das Suite-Update im Hotel leisten können
Zurück zum eigentlichen Thema: Ich habe Schirrmacher gleich gelesen, als er auf den Markt kam. Schirrmacher versteht vieles nicht, aber er WILL verstehen, aus konservativer Sicht kritisch hinterfragen – und all das macht ihn interessanter als manch Social Media Begeisterten.
Du sagst: "Ich hole mir mein Leben zurück" und ich glaube zu verstehen, was du meinst. Du erliegst aber einem Trugschluss, denn "das Digitale" sollte nie die Welt ersetzen, abgesehen in einen Geschichten aus spannenden SciFi-Romanen, die den Blick erweiterten und natürlich unserem Onkel Kurzweil, der hämisch grinsend die Singularität herbeizählt.
Das Digitale ist eine Ergänzung unserer Weltwahrnhemung, es legt eine neue Schicht der ordnungsfähigen Informationen über unser bisheriges Realitätserkennen. Ich merke, dass immer ganz deutlich, wenn ich mit non-digitalen Menschen spreche und einige postive Beispiele anführe, wie ITK-basierte Tools Aspekte des (Zusammen-)Lebens verbessert haben. Meine Gegenüber merken, dass zum tieferen Verständnis des Vorgestellten ein Schritt in eine neue Welt nötig ist – und hier gibt es dann gelegentlich den Moment der Zurückhaltung.
nachdem er den Einstieg in die digitale Sphäre des Realen gefunden hat, geht es für den Einzelnen darum, sich dort zurecht zu finden, zu lernen, wie die Angebote und die Entfaltungsmöglichkeiten dort in den gesamten Lebenskontext eingebunden werden können. Per se ist da recht wenig revolutionär, denn der Spiesser wird digitale Tools wählen, die seinen Lebensstil festigen und der Progressive eben die für ihn passenden.
Evolutionär im sozialen Sinne ist es sicherlich, denn es bedarf einer neuen Wahrnehmung von Filtermöglichkeiten, es bedarf einer neuen individuell verantwortungsvoll umgesetzten Gestaltung der Kommunikationsaktivität.
Und eine der ersten Schritte zu dem Erkennen dieser evolutionären Entwicklung ist das Abstandnehmen vom neuen Spielzeug und dem kritischen Einfügen in die Gesamtrealität. Ein Schritt der vielen Menschen und menschlichen Organisationseinheiten immer am schwersten fiel. Ein Schritt bei dem manch guter Ansatz mit großer Abscheu weggestossen wurde, anstatt eingefügt.
Denn dieses Aufnehmen einer neuen Ebene der Wahrnehmung, der Organisation von Gemeinsamkeit und Öffentlichkeit bedarf der Anpassung auf beiden Seiten – in unserem Falle also der (deutschen) Gesellschaft und den digitalen Tools. Deswegen müssen die, die sich in die Mitte dieser Entwicklung stellen in (beide) Richtungen vermittelnd wirken.
Die Besitzstandwahrer, die Machtversessenen der alten Garde, die Analog-Faulen und -Ängstlichen müssen genauso wie die Social Media Fanatics und Nerds lernen, dass zwar eine neue Zeit angebrochen ist, die man nicht mehr negieren kann – es aber trotzdem und meiner Meinung nach noch viel mehr als vorher um die Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Freiheit des Menschen geht.
Insofern: Ich bleibe digital und will auch, wie du, Sachar, mein Leben zurück.
Schöner Denkanstoß, gerade weil er aus der Digitalen kommt.
Ich merke bei Diskussionen um diese Themen (mit digitalen/analogen, schlauen/simplen, alten/jungen Menschen gleichermaßen) immer, dass sich alles eigentlich um das im Kern recht banale Problem der koginitiven Innovationsdiffusion geht. Wann sind die neuen Techniken, Tools und Möglichkeiten in meinem Kopf&Bewusstsein angekommen, selektiert, priorisiert, urbar gemacht oder verworfen worden? Schirrmacher leistet genau dazu einen Beitrag: Eine so vieldimensionale, kraftvolle Innovation wie das Internet braucht eben auch vielschichtige, lange Prozesse der Reflektion, Relativierung, und am Schluss ein pragmatisches Achselzucken. Frei nach Clay Shirky: Technologie verändert nichts, sondern die Adaption dieser Technologie und die damit einhergehende Verhaltensänderung durch Menschen.
Und zum ganz persönlichen Problem der Sucht: Jeder Mensch, der das Glück hat eine Leidenschaft, Liebe o.ä. für eine Idee, eine Tätigkeit oder, in Deinem Fall, eben ein Kommunikationsnetzwerk in sich zu tragen, wird gewissermaßen "süchtig".
Das hat mit dem Internet nichts zu tun.
Ich finde kognitive Innovationsdiffusion auch total banal. Und euer Blog ist gerade auf meiner Watchlist gelandet. Schönen Sonntag
Schön!
Interessant, was einige Menschen wie hinterfragen. Es ist ja richtig, sich immer mal um zudrehen und zu schauen ob ich auf den zurückliegenden Metern alles richtig gemacht habe, oder ob´s da was gibt, aus dem ich für die vor mir liegende Strecke lernen kann. Grundsätzlich aber ständig zu hinterfragen, ob ich nun süchtig bin, weil ich einfach unheimlich gerne mit meinen virtuellen Kontakten kommuniziere, ständig Gefahren zu wittern, weil mein erster Griff am Morgen der zum Anschalten des Rechners ist, die Energie möchte ich sinnvoller einsetzen. Wir, die wir ständig on sind, die wir manchmal glauben, die Welt könnte uns vergessen, wenn wir nicht regelmäßig bekannt geben, wo wir sind und was wir tun, wir sind doch diejenigen, die für andere Wege ebnen und einen grundsätzlichen Kommunikationswandel einleiten. Wir haben doch damit auch schon einiges erreicht. Unternehmen beginnen auf Gezwitschere zu reagieren, Politik fängt langsam an, Entscheidungen auch anhand unseres Geschreibsel zu treffen (ok, gaaanz besonders langsam
Was mir persönlich aber am wichtigsten ist, Horizonte -auch mein eigener- beginnen weiter zu werden, neue Blickwinkel werden deutlicher wahrgenommen und ich für meinen Teil, habe wunderbare Menschen kennen gelernt, die ich zwar zum Teil erst ein-zwei Mal im Real Life getroffen habe, die mir aber durch all das was ich von ihrem Leben mitbekommen durfte, sehr ans Herz gewachsen sind.
Wir sind diejenigen, die eine unerforschte Landschaft zu einem Feld machen, dass bewirtschaftet werden kann. Noch sind die Früchte die wir ernten meist klein und schrumpelig, aber jeder von uns ahnt doch, was für eine Ernte hier möglich ist und dafür lohnt es sich doch weiterhin die Fehler zu machen, aus denen die "Nach uns" lernen können. Ich fühle mich wohl dabei, Teil einer wirklich großen Veränderung zu sein.
Die, die anderen den Weg ebnen, sollten dran denken:
- dass die Nachfolgenden keine Pioniere mehr sind (und sein müssen)
- dass sie aufpassen, nicht als Kanonenfutter zu enden
- dass man sich auch mal in eine Sackgasse verlaufen kann
- dass sie sich ab und an umdrehen, um zu sehen, ob da noch einer ist, der zuhört
Ich stimme dir zu, nur weil jetzt mal ein erster ernstzunehmender Kritker im deutschen Sprachraum aufgetaucht ist (schirri), muss nicht gleich die ganze Mischpoke weinend zusammenklappen und sage: "Ja, ich raff' auch schon lang nix mehr"
Und um mal schnell noch einen interessanten Satz zu zitieren, der vor ein paar Tagen digital über den Atlantik flog, gerichtet an die, die in der ersten Reihe stehen:
"Stop evangelizing, start educating"
Ich sehe das Problem nicht ganz. Das Web ist die logische und inhaltliche Ergänzung von Telefon und Fernseher, aber es ist offensichtlich ein Grundbedürfnis der Menschen, immer das jeweils jüngste Medium als das gefährlichste mit dem größten Suchtpotential niederzumachen. Weshalb eigentlich?
Mischt sich irgendjemand ein, wenn Sie statt Fotos an Twitter 50 Postkarten an den Freundeskreis senden? (Und was raubt wohl mehr Zeit?) Mischt sich jemand ein, wenn Sie jeden Tag auf dem Hotelzimmer Ihre Lieblingssendung und die Nachrichten schauen? Wurden wegen Twitter oder Facebook die Mahlzeiten, die Kleidung oder die Körperhygiene vernachlässigt? Na also. ^^
Aus einer anderen Perspektive passt auch unsere Unterhaltung http://www.michaelreuter.org/2010/02/sapere-aude…. zum Thema
Daher: Sapere aude!
Genau, denn mit der Einführung des Telefons war das Problem schon existent: ist der Anrufer wichtiger, als mein reales Gegenüber?
Es geht hier noch weiter: was sagt die reflexhafte Abkanzelung von Schirrmacher, die Bemerkungen von Sixtus und Häusler, dass sie das Buch gar nicht lesen müßten, um zu wissen, was drinne steht, eigentlich über die Triftigkeit unserer Diskurse? Schirrmacher ist eigentlich ein Verbündeter, wenn man sieht, was er über Bildung forders (weniger Faktenwissen, Heuristiken lernen). Ich finde wir haben hier ein Armutzszeugnis eines Teiles der Blogosphäre. Ich habe mich gefragt, warum diese fast hysterische Angst. Meine Antwort: Schirrmacher gefährdet Geschäftsmodelle. Oder: die Kommerzialisierung des Netzes ist schon so weit, das Debatten immer PR beinhalten, und zwar im dirketen Sinn: wenn ich hier laut schreie, falle ich einem verunsicherten Unternehmen auf, das mich als BErater engagiert. Das ist übel, wahrscheinlich aber nachweisbar.
Das hätt man auch kürzer fassen können: Wenn man sich nicht beherrschen kann, wird es halt irgendwann zu viel, auch das Internet. Wäre genauso richtig gewesen.
Das hätte uns etwa zehn Absätze selbstverliebte Rhetorik und das – zugegeben amüsante – Pathos am Schluss erspart.
Glaube, wir muessen verschiedene Diskussionen unterscheiden. Auf der pragmatischen Ebene Kommunikationsverhalten, unechte Kontakte, Internetsucht etc.
Auf einer tieferen Ebene – und das scheinen mir die Schirrmacher-Themen zu sein – wie durch massenhafte Reproduktion von Daten der Mensch das verlieren könnte, was Walter Benjamin beim Kunstwerk "Aura" genannt hat. Zweitens wie das Werkzeug Internet uns verändert – auch die Uhr hat unser Zeitgefühl verändert, wie das Auto die Räumlichkeit. Und drittens die Diskussion um Realität: das Internet ist ebenso Realität und nicht "etwas anderes", nur: es wirkt so, als würde es die Realität abbilden. Mir scheint, es bildet nur eine Momentaufnahme der äusseren Erscheinung von Realität ab, und nicht das "Ding an sich". Das darf man nicht verwechseln, wenngleich es eine furchtbar schwierige, halb-philosophische Diskussion ist.
Ich meine das in keiner Weise spitzfindig: Wir dürfen auch nicht vergessen, dass auch unsere "reale Wahrnehmung" nicht die Realität abbildet. Unser Hirn ist eine "Sinngebungsmaschine". Jede Erkenntnis ist durch unser eigenen Selbst (massiv) geprägt. Oder?
Ja. Realität ist subjektiv, ist auch meine Meinung. Und bei Augmented Reality und Streetview sehen wir nur eine maschinelle Abbildung eines Teils, nur die optische Realität und nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, aus bestimmten Perspektiven. Usw. Und subjektive Realität wird nur durch eigene Erfahrung erzeugt. Diese Erfahrung kann das digitale Medium nicht ersetzen, im Gegenteil: durch das Ersetzen von Erfahrung durch Information aus zweiter Hand kann es sein, dass wir uns langfristig eine erkenntnistheoretische Falle stellen.
Ja, das ist ein interessanter Punkt. Subjektive Realität ist Teil unseres Menschseins. Und die braucht (physische?) Erfahrung.
Ja. Sonst sind wir in der Matrix.
@ute Ja, als Freund würde ich mich genauso einmischen, wenn sich einer in Zerfransung verliert. Sei sie nun digitaler, analoger oder einer ganz anderen Art
Ich denke, wenn man für sich selbst erkannt hat, dass etwas aus der Bahn gerät, ist noch alles in Ordnung. Und wenn man das Erlebte des Urlaubs gleich teilen möchte, ist das auch in Ordnung. Früher saßen die Menschen weitaus länger und haben auch oft nicht mehr als 140 Zeichen auf Postkarten geschrieben. Mehrere Postkarten, um alle Freunde und Verwandten zu erreichen. Zeit, in der sie hätten Urlaub machen können. Heute langt ein Foto, ein Tweet und die ganze Welt weiß Bescheid. Gewonnene Zeit. Think positive!
sehr interessanter Artikel…
Wird man denn tatsächlich beherrscht? Es handelt sich doch eher, um die Überforderung des Menschen sich in einer neuen digitalen Welt zurechtzufinden. Hier muss man lernen wie auch in der realen Welt mit dem Information Overload zurecht zukommen. Auch der Abgleich zwischen eigenen Zielen und dem was man da gerade macht, wird hier immer bedeutender, denn das nichts tun und gleichzeitig ganz viel tun führt zur Verirrung im Netz, die einen dann letzlich "beherrscht".
ich lese eine ansammlung von bedenken… wir klingen schon wie die "alten medien", auf die wir oft schimpfen, wenn sie angst und schrecken zum thema social media verbreiten. wir – die aktiven – sollten ein konstruktiven weg gehen und eine experimentierfreudige suche anstoßen. das hast du, @sachark, auf dem weltkompakt podium auch so adressiert. wenn nicht wir, wer dann? stichwort: vorangehen.
im RL wie im virtuellen ist vermutlich einzig disziplin gefragt. wir stehen vor keiner besonders neuen aufgabe. sucht und laster war schon immer ein verhängnis, und heute sieht es halt entsprechend virtuell aus. insfoern finde ich interessanter, sich lösungsstrategien aus dem RL bewußt zu werden und zu prüfen, ob sie fürs social web modifizierbar sind. zum beispiel in form einer kultur des "part-time-off", der unterscheidung zwischen freunden & friends (siehe @saschalobo), und dem anstand im umgang miteinander (siehe @mathiasrichel).
ein alter tweet von mir, "twitter ist ein bisschen wie zusammen wohnen", ist mein persönliches bild dafür. in der WG muss man sich nicht extra verabreden, um zu wissen, was der mitbewohner gerade macht. dass ich natürlich auch erfahre, wann er aufs klo geht, gehört blöderweise dazu, andererseits bringen mir details aus allen lebenslagen die person auf eine intensive weise näher. das hat meinen bezug zu menschen, die ich vorher nur im RL kannte, oft verdichtet, und das finde ich schön. mit wem ich diese virtuelle WG eröffne, ist ja einfach zu bestimmen. und ob ich die zimmertür zumache, oder mit den mitbewohnern in der küche stundenlang bier trinke, auch.
im übrigen finde ich es dann echt nerdig und süchtig, wenn menschen nicht mehr hinter ihren rechnern hervorkommen. die durchmischung von virtuellem und realem miteinander sollte schon in vollem gange sein. berlin macht das leicht. das ist gut so.
ich find's toll in deiner Twitter-WG dabei sein zu dürfen. Und wenn's mal wieder wärmer ist, freu ich mich auch auf deinen RL-Dachbalkon.
@Sachar. Sehr treffend und in den allermeisten Punkten meine Meinung und Zustimmung. So bumelig ein Duzend Posts hab ich mir dazu schon von der Seele geschrieben, vor allem auch zu den richtigen Beobachtungen von Frank Schirrmacher. (auch ich las das Buch im Urlaub
) Die digitale Welt hat -natürlich- eine Menge großer Pferdefüße und es ist genau richtig, wenn du jetzt als Protagonist des Digitalen (wenn ich dich mal so bezeichnen darf) das auch auf die Agenda setzt. Die Anhänger der digitalen Zukunft finden nur dann Gehör, wenn sie mit gebotener selbstkritischer Distanz überzeugen können.
Komisch, dass wir alle von Zuhören und Dialog sprechen, wenn aber Veranstaltungen anstehen, belegen wir selbst oft genug, dass uns die Konzentration auf eben dieses Gespräch oft nicht gelingt, weil wir iPhone & Co. nicht mehr auslassen können…
Wollen wir nicht mal eine Art "Barcamp" über Schirrmachers Thesen – und/oder was dahinter steckt – organisieren?
Das wäre mir zu kurz gedacht. Spannender fände ich ein Zukunfts-Barcamp, in dem u.a. die Rolle der modernen Kommunikation thematisiert wird.
Ja, das meinte ich. Schirrmacher hatte ich nur als Ausgangspunkt genommen, weil er aktuell recht umfassend Thesen dazu formuliert.
Super Idee von Mirko Lange: Ein "Barcamp" zum Thema!!
Habe auf carta diesen Hinweis auf boing boing gefunden, sehr interessant die Leserkommentare. Deutsche Community war schon recht doof, was die Schirrmacher Debatte angeht.
http://m.boingboing.net/2009/11/05/age-of-the-inf...
@Mirko: Dann aber mit Schirrmacher. Die blogosphäre ist reingefallen auf Lobo, Knüwer und Sixtus, die grossen Werber des Netzes. pitpan hat ein schönes amerikanisches Fundstück hier kommentiert.
zitat:"Das Digitale ist die Zukunft. Dabei setzen wir uns mit den immer gleichen Problemen, siehe die oben angeführte Diskussion, also Datenschutz und Medienkompetenz, auseinander, ohne dass wir sie lösen, ohne dass wir neue Probleme definieren."
warum hören wir nicht einfach mal auf, "probleme zu definieren", und genießen einfach etwas was spaß macht. lassen uns auf dieses abenteuer kommunikation mit allen seinen auswüchsen ein und freuen uns über die neuen möglichkeiten der modernen welt. wenn es sie nicht gäbe, bin ich sicher, daß jeder von uns wieder ganz gut ohne sie auskommen würde… in diesem sinne, tweet you later!
Vielen Dank für den Beitrag. Und noch mehr Dank für die sehr interessante Diskussion in den Kommentaren. Hat mich auf jedenfall angeregt, mal mein Konsumverhalten zu reflektieren.
Spannend, dass nahezu alle Kommentatoren Sachars Meinung sind und trotzdem den Sonntagmittag mit Internetlesen und Kommentieren verbringen. Den HEILIGEN Sonntag.
I würde mal postulieren, dass sich unsere Schwerpunkte und Interessen zyklisch verhalten, egal ob analog oder digital. Mal sind wir Konsumenten, mal Produzenten, mal heiß auf digitales Futter, mal heiß auf den Wein am Strand. Und nach und nach pendelt sich das möglicherweise ein.
Weil ich gestern von Einigen per DM angesprochen werde, ob dieses Posting nun meinen digitalen Rückzug einleitet: Nein, natürlich nicht. Ich liebe das Internet und seine Möglichkeiten. Und wie auch im Rahmen der Social Media Week geäußert, wie auch in diesem Posting beschrieben: Das Internet und das Social Web gibt uns die Möglichkeit, die Welt zu verändern, sie zu verbessern. Ich wäre verrückt, diese Chance aus der Hand zu geben.
Aber ich möchte nicht mehr vom Internet beherrscht werden. Ich möchte mich mit Freunden treffen und dabei nicht an twitter denken oder das Bedürfnis verspüren, meine Mails zu checken. Ich möchte auch mal offline sein können, ohne ins Schwitzen zu kommen.
Ich möchte bewusster online sein, mich auch ernsthaft auf Diskussionen einlassen. Seien wir ehrlich: Hin und wieder verleitet uns twitter, schnell zu schießen, den First Mover zu geben. Das Ergebnis ist nicht immer das Optimum. Wir denken weniger und geben uns mit dem Erstbesten zufrieden. Das möchte ich nicht mehr. Ich will das bestmögliche Ergebnis. Auch wenn es länger braucht. Ich möchte auch mal in Ruhe nachdenken und nicht sofort urteilen.
Niemand hindert mich daran. Nur ich selbst, indem ich schneller als das Netz sein wollte. Doch diesen Kampf kann ich nicht gewinnen, daher gebe ich ihn auf.
Was ich am hier und von Schirrmacher u.a. thematisierten Verhalten nicht verstehe, ist die selbstverständliche Bereitschaft, sich fortwährend durch irgendwelche Meldungen bei dem unterbrechen zu lassen, was man gerade tut. Ich bin seit 1995 online und wahrlich "netzaffin", jedoch wäre es mir schon bei E-Mail nie in den Sinn gekommen, die Melde-Optionen ("Sie haben eine neue E-Mail" oder auch nur ein Sound) einzuschalten, bzw. eingeschaltet zu lassen. (Ich denke nur mal an die damals üblichen Mailinglisten mit jeweils hunderten Teilnehmern…)
Heute, mit deutlich vervielfältigten Accounts melde-wütiger Tools käme ich zu gar nichts mehr, würde ich den Strom der Mails, Updates und Messages, Tweets und Statusmeldungen in seiner EIGENDYNAMK auf mich runter rauschen lassen und passiv immer brav folgen, wenns was Neues gibt.
Und WENN ich schon mal Menschen VON ANGESICHT treffe, dann empfinde ich es als krasse Störung und definitiv unsoziales Verhalten, wenn sie anstatt mit mir mit sonstwem in irgendwo kommunizieren – darauf kann ich gerne verzichten!
ICH bin es, die recht oft am Tag aktiv hinguckt, was so gesagt wird: bei Twitter und aggregiert auf Rivva, wenns gute Bekannte sind, auch mal auf Facebook. Daraus ergibt sich eine Menge Lesestoff auf Blogs und anderen Medien, den ich nicht mal ansatzweise bewältigen könnte, würde ich mich dabei schon wieder unterbrechen lassen.
Wie kommt es, dass offenbar so viele bereit sind, sich von ihren social Media-Strömen quasi am Halsband führen zu lassen, anstatt aktiv "in den Fluss zu tauchen", wenn es passt?
Ein Grundproblem – aus meiner Sicht – ist, das mit der Online-.Zeit einfach viel Zeit allein verbracht wird. Sicher sind auch das soziale Kontakte, wenn man mit seinen Twitter-Freunden Quatscht und Blödelt – aber es ist halt nicht wirklich sozial, denn die ganzen "real-life" Kompnenten für die Sinne (Riechen, Hören, Sehen) verkümmern ob der doch so "klaren" Kommunikation. Wie viele der eloquenten Twitterer "verstummen" oder gehen in der echten Kommunikation unter, weil Ihnen die Worte fehlen – nicht weil diese nicht da wären, es mangelt schlicht an Übung oder schlicht an "Standing", in einer "echten" Situation zu "bsetehen" (leider schon zu oft erlebt). Wichtig ist und bleibt, eine gesunde Mischung aus "Online-Leben" und "Real life" hinzubekommen – also sich nicht von der ständigen Jagt nach Neuigkeiten in Twitter-Kreis bestimmen zu lassen.
Ein zweiter Aspekt ist es zu dem, das in vielen Fällen echte Zeit verloren geht, weil am Arbeitsplatz "kommuniziert" wird. Handy, Twitter, Facebook etc. schnlle mal reinschauen und nur ein paar Zeilen dalassen. In der eigenen Pause noch ok (wobei ein kleiner Spaziergang oder schlicht mal der Blick aus dem Fenster sicher gesünder wären) … in der "Schaffenszeit" aber schon Kritisch (es sei denn, man kann seine Arbeitszeit frei einteilen und "arbeitet nach").
Ich bin gerne online überall dabei, schaue gerne was meine Kontakte über Tag so alles "geschafft" haben – aber Blogs, Surfen über die Links oder auch Twitter-"Gespräche" haben nichts in der Arbeitszeit zu suchen.
Süchtig?? glaube nicht! Genussmensch der auch gut abschalten kann und des Öfteren ein echtes Gespräch, ein gutes ungestörtes Essen mit Freunden oder auch nur ein Buch in aller Stille vorzieht.
Auch wenn das Wort sicher sehr sehr (und noch mal sehr) unscharf ist, es hat auch etwas mit suchtähnlichem Verhalten zu tun, Claudia. (Also nicht bei Dir! bei mir. Und manchen anderen.) – ich lasse es zwar nicht laufend "plinken", wenn etwas "neues" hereinströmt, aber ich unterbreche vieles immer mal wieder, um doch noch mal nach zu sehen.
Anderseits suche ich mir als Ausgleich Nischen und Rückzugsinsel. Unterwegs bleiben Geräte aus. oder, im Urlaub, eh zuhause. Das liegt aber auch daran, daß gerade das für mich ein Teil des Urlaubes ist: das abgeschnitten sein von möglichst vielem, was mich mit "zuhause" und "Alltag" (und sei er noch so schön) verbindet.
Ich rufe auch nie jemanden aus dem Urlaub an. Abgesehen von meinem einmaligem Anruf an die Eltern. (Jaja, man bleibt doch immer Kind für die). Ich will auch nicht erreicht werden. Und Internet ist für mich ein Teil meines Wohn und Bewegungsraumes zu hause, da fahre ich doch extra in den Urlaub, um mal komplett andere Wohn- und Bewegungsräume zu "erleben"… da nehme ich doch auch nicht meine Küchenzeile und meine Eckkneipe mit.
Was mich am Ursprungsartikel freut, daß langsam immer mehr Leute schreiben, die nicht gleich abwehrend zucken, wenn der Name Schirmacher (und ähnliche) fallen. Ich konnte bisher, als echter Internet und Internet-Sozialnetz Fan, dennoch öfters nicken, wenn ich Artikel von ihm las. Da bin ich ja doch nicht so alleine.
Der persönliche Medien-Mix machts doch am Ende. Man "sollte" ein Medium wohl nie des Mediums wegen nutzen, sondern eher am Nutzen orientiert – denke ich. Und dieser Nutzen kann neben beruflich seriösen Inhalten und Recherchen ja auch ganz soziale Motivationen abbilden, oder eben einfach nur Spaß sein.
Ist das dann gleich eine Sucht? Sucht ist für mich schwer zu beschreiben. Können wir nicht mehr ohne? Oder leiden wir an digitaler Verpassophobie? Oder wollen wir kleine Sterne im digitalen Universum sein? Oder macht es vielleicht sogar Spaß andere an tollen Erlebnissen teilhaben zu lassen (die ja übrigens positiv wie negativ ausgelegt werden können – vom Angeber bis zum Co-Freuen).
Grundsätzlich ist diese Diskussion auch nicht neu. Bereits als Handys noch nicht ins Internet konnten, war es schon unmöglich diesen Kommunikationskanal einfach mal zu Hause liegen zu lassen. Nicht erreichbar zu sein: Unvorstellbar. Das haben wir jetzt davon.
Vielleicht sollte man es wie Peter Lustig von Löwenzahn halten und ab und zu mal ganz absichtlich abschalten. Viel Spaß dabei.
Lieber Sachar,
es scheint, als wäre der Groschen gefallen.
Ich habe Dich auf Twitter "entfollowed" als ich einen (aus meiner Sicht) sehr dummen Satz las: "PR-Kollegen, die stolz berichten, dass sie am Wochenende grundsätzlich keine Mails beantworten, kann, möchte und werde ich nicht verstehen." (Quelle: http://twitter.com/sachark/status/6656817067)
Ich finde solche Menschen intelligent. Sie widmen sich nämlich am Wochenende den wichtigen Dingen des Lebens: ihren Familien, ihrem Leben, ihrer Freizeit.
Es scheint nun, daß Du diesen Weg auch wieder gefunden hast….
Das Ganze scheint ein Hype zu sein: erst Schirrmacher, dann Benedikt Köhler mit seinem Slow Media, dann eine ganze Beilage in der WamS. Aber wenn es dieser Anstösse bedurfte um die Menschen wach zu rütteln, so sei es drum.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deiner neuen offline Zeit!
Da gibts noch eine zweite Komponente: In unserer schnellen Klickundwegwelt werden auch die Kommentare und Meinungen immer mehr auf konsumierbar getrimmt. Die Formel für ein gut zitierbares Tweet ist relativ simpel: Man nehme einen idealerweise als TED-Sprecher tauglichen Menschen aus einem angrenzenden schöngeistigen Gebiet, der sich irgendwas digitales auf die Fahne geschrieben hat. Und wenn der dann eine Frühstücksgesundheit ausspuckt, reicht das zu einem großen Wort, das jeder glaubt. Vor ein paar Tagen hat ein eigentlich sehr kluger Franzose in einem Artikel geschrieben, dass eines der Kriterien für "Ihren neuen Social Media Director" das sein müsste, dass dieser einzustellende Mensch ein Jahr durchgängiger professioneller Erfahrung im Social Web gehabt haben müsste. Ein Jahr! Langsam glaub ich wirklich, wir drehen alle durch. Kein Wunder, warum das so ist.
Da (Original Post; die Kommentare sind mir zu viel) ist sicherlich einiges wahr dran. Liest sich auch nett, diese Thematik mal etwas unaufgeregter behandelt zu erleben.
Wo ich aber nicht zustimmen kann, ist die Behandlung der digitalen Kommunikation als etwas grundsätzlich "anderes", wie sie Szenenbeschreibungen wie die folgende implizieren:
> Plötzlich holt jemand sein iPhone oder Blackberry raus, checkt Mails, twittert oder macht
> was auch immer und verlässt dabei zumindest die Konversation, in der er oder sie sich
> gerade noch befand. Ist das höflich, anständig, angemessen? Natürlich nicht.
Es gibt viele Wege, im Rahmen einer Konversation den Focus zu shiften und vom unmittelbaren Gegenüber abzuziehen. Die gab es auch schon vor Einführung des Mobiltelefons und sie wurden und werden in meiner Umgebung laufend praktiziert. Da wendet sich in einem Dialog einer der Beteiligten einfach ab und spricht mit einem Dritten (oder verabschiedet sich mit einer fadenscheinigen Entschuldigung). Da greift jemand Gelangweiltes auf einmal zur Speisekarte oder einem der herumliegenden Szenemagazine, etc. etc. Das wird nicht gerade als höfliches Verhalten interpretiert, lässt man in den meisten Situationen aber durchgehen.
Wenn dabei jedoch ein digitales Gadget im Spiel ist, schwappt die Empörung der Muggles wie selbstverständlich (natürlich?) hoch, während andere Formen des Focus-Shifts eher toleriert werden.
Woran liegt das? Es ist ein kultureller Wandel. Diesen haben einige zum Teil gemacht, andere nicht.
Was mir an diesem Zitat missfällt ist zudem die Wertung, dass solches Verhalten "natürlich" unhöflich, unangemessen und unanständig ist. "natürlich" ist wenig. Und Höflichkeit ist in erster Linie Konvention und hat mir Natürlichkeit sehr, sehr wenig zu tun.
Höflich, im Sinne der etablierten Konventionen, aber völlig unrealistisch erscheint mir zu Beispiel die Erwartungshaltung eines Gesprächspartners, dass ich mich solange er/sie das will, zu 100% auf ihn/sie konzentriere. Es gibt solche Gespräche. Und in denen werde ich mich nicht ablenken lassen. Es gibt aber vielmehr "Kommunikation", bei der das nicht notwendig und angemessen ist. In welche Kategorie ein Austausch mit anderen Menschen gehört, hat mit dem verwendeten Medium wenig zu tun. Es mag sein, dass ich gerade eine intensive Diskussion per Internet führe, die so wichtig ist, dass ich mich davon auch nicht durch jemanden ablenken lassen will, der physisch vor mir steht.
Und das ist auch völlig ok so.
Ich wurde erst heute morgen auf diesen Artikel aufmerksam und er hat mich an meinen Beitrag von Mittwochmorgen erinnert auf meinem Blog: http://harrysspielwiese.de/wordpress/?p=369
Ich habe in den letzten Wochen gelernt, dass man sich mal eine Auszeit von Twitter, Facebook und Co nehmen muss und einfach wieder – genau wie man es damals machte – seine Freunde anruft und einen kleinen Plausch mit ihnen hält. Man erfährt viel mehr als über 140 Zeichen. Man merkt an der Stimme, ob es diesen Menschen gut geht und hört ein Lachen – oder halt genau das Gegenteil. Aber das finde ich wichtig.
Natürlich vereinfachen Twitter, Facebook und Co. die Kommunikation und ich lese auch liebend gerne, wenn meine Freunde auf Facebook kleine, witzige Dinge posten oder mir ein Signal geben, dass sie gerade lernen und nicht gestört werden wollen, aber man sollte bei dem ganzen Internet-Kram nicht vergessen, dass es wichtig ist, sich zu sehen und etwas zu unternehmen.
Eine gute Mischung aus beidem zu finden ist schwer, aber nicht unmöglich.
(ein paar – vielleicht auch wirre – Gedanken)
1. Diese Diskussion zeigt für mich ganz deutlich, dass sich allmählich die Erkenntnis breitmacht, "dass … eine neue Zeit angebrochen ist, die man nicht mehr negieren kann", wie Jens Best das sagt. Bislang wurde "Social Media" eher als neutrale Werkzeuge oder sogar Spielzeuge ("where's the next bright shiny toy") betrachtet wurde als ein sozialer Wandel mit positiven wie negativen Folgen. Eigentlich ist es auch gar nicht überraschend, dass die Bedeutung des Internets und des Web 2.0 erst von den Kritikern so richtig ernst genommen wurde – sie müssen den Gegenstand, den sie kritisieren ja erst nehmen, um keine Luftnummer zu produzieren.
2. Ob das von Michael Reuter vorgebrachte "einfach abschalten" tatsächlich noch als realistische Option gibt – ich weiß es nicht. Für mich klingt das viel zu sehr nach Peter Lustig, der ja (in seiner Fernsehsendung!) sein Publikum zum Ausschalten animiert hat.
3. Sehr spannend finde ich die Soziologisierung und Verwissenschaftlichung der Sprache, die Social Media uns gebracht haben. Meine Kollegen aus der Soziologie haben schon in den 1970er Jahren von Social Networks, Graphen und sozialen Beziehungen gesprochen, im Alltag waren das aber Cliquen, Freunde oder Freundschaften. In 10 Jahren werden die Soziologen wahrscheinlich gefragt werden: "Wann und warum haben die Menschen angefangen, ihre Freunde als soziale Kontakte zu bezeichnen?" Ich weiß nicht, ob das gut ist oder schlecht, es ist aber eine Tendenz, die mir wichtig scheint. [Und ich fange hier gar nicht von der grässlichen Floskel "einen Tweet absetzen" an ...]
Interessant in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist sicherlich die steigende Bedeutung des Netzwerkes in der Soziologie. Ausgehend von einigen us-amerikanischen Forschern wie Harrison White wird das Netzwerkparadigma auch in Deutschland mehr und mehr zu einer Forschungsrichtung der Soziologie (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31126/1.html )
Die Arbeitsgruppe Netzwerkforschung ( http://www.soziologie.de/index.php?id=424 ) , an deren Herbsttagung ich die Freude hatte teilzunehmen ( http://www.tu-harburg.de/tbg/Netzwerkkonferenz200... ) stellt hier einen zentralen Ansprechpartner dar, der sich trotz manch elfenbeinturm-artigen Momenten sicher über einen stärkeren Kontakt zur Webcommunity freuen würde.
Ja, die Arbeitsgruppe und ihre Initiatoren kenne und schätze ich auch. Es hat aus Termingründen leider noch nicht zu einer Teilnahme an einer der Tagungen gereicht. Ich finde es auch sehr wichtig, dass die Netzwerkforschung in der Soziologie allmählich angekommen ist.
Aber mir scheint, als würde das Netzwerkparadigma und seine Sprache auch mehr und mehr zu einem sozialen Deutungsmuster im Alltag. Das irritiert mich.
Hi Sachar,
schöner Artikel. teile diese Sucht sicher auch.
Leben zurückholen … wenigstens zeitweise… ja.
Schreibst du hier dann, wie es dir ergangen ist?
Grüße aus München.