Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

foursquare befindet sich in Deutschland an einem kritischen Punkt

Ich nutze foursquare sehr gerne. Es macht mir Spaß, an Orten einzuchecken und den Mayor-Titel anzustreben. Ich schaue auch hin und wieder ganz gerne, wo sich meine Kontakte befinden und bin dankbar, wenn ich Tipps von Leuten erhalte, die vor mir schon an diesem oder jenem Ort gewesen sind. Eigentlich. Eigentlich, weil es doch ein paar Punkte gibt, die mich massiv stören und von denen ich meine, dass sie foursquare schnell lösen muss.

Zum einen ist da der Umstand, dass ich foursquare just for fun nutze. Ob ich nun Mayor bin oder auch nicht – es macht keinen Unterschied, weil bisher kaum ein Lokal Sonderkonditionen für foursquare-Nutzer anbietet. Schon einmal habe ich versucht, die immensen Erwartungen an dieses Pordukt – manche meinen, es könnte das neue twitter werden – zu dämpfen. Damals, gut drei Monate ist es her, wies man mich zurecht darauf hin, dass ich nicht so ungeduldig sein soll; schließlich würden an foursquare gerade einmal vier Entwickler arbeiten. Das ist nicht viel, also habe ich gewartet – und brav weiter eingecheckt. Nur merke ich, dass das auch in Zukunft so nichts bringen wird, denn der eigentliche Sinn von foursquare ist ja nicht nur, dass man seinen Freunden mitteilt, wo man sich befindet, sondern auch für seine Treue honoriert wird.

Der springende Punkt ist nur: foursquare selbst tut nichts dafür, dass der Dienst in Deutschland bekannter wird. Man lebt bisher ausschließlich (und das ganz passabel) von der Mundpropaganda seiner Nutzer. Das hat dazu geführt, dass einige gestandene Medien und viele kleine und große Blogs über foursquare berichtet haben. Nur hat das eben nicht dazu geführt, dass sich Lokale bei fourquare melden und mit Sonderkonditionen oder Belohnungen locken. foursquare selbst hat in Deutschland keinen Vertrieb. Das bedeutet also, dass ich als Nutzer noch lange warten muss, bis sich der gegenwärtige Zustand ändert. Bis die Mundpropaganda so groß wird, dass niemand mehr an foursquare vorbeikommt. Ob das jemals passieren wird…?

Was ich nicht verstehe: Warum involviert foursquare seine Nutzer nicht in den Akquise-Prozess? Warum bietet man uns kein Info-Material auf der Homepage? Argumente, mit denen man seinem Lieblings-Café oder -Restaurant die Vorzüge erklären kann? Warum bietet man keine Incentives für aktive User? Nach dem Motto: „Wirb drei Cafés, dass sie Sonderkonditionen anbieten und erhalte dafür …“ Wie gesagt: Ich mag die Idee von foursquare, aber nur Einchecken um des Eincheckens willen? So langsam vergeht mir die Lust – und nicht nur mir.

foursuqare sollte dringend aktiv werden, ansonsten könnte ein nationaler Dienst profitieren. Gerüchte besagen, dass sich mit friendticker ein solches Angebot in den Startlöchern befindet.

Tags: , ,

11 Kommentare zu “foursquare befindet sich in Deutschland an einem kritischen Punkt”

  1. moritzadler sagt:

    Ich nutze Fourquare auch oft und gern, seltsamerweise aber nur noch aus Gewohnheit. Ich hab alle relevanten Badges (die meisten gibts ja nach wie vor nur in den USA), Mayor bin ich auch von 10 Läden und Coupons oder andere Incentives gibt es eben ja auch nicht. Ich schau auch nicht so drauf, wo meine Freunde und Kollegen sind, zum Mittagessen oder Abends verabrede ich mich immer noch klassisch per Skype oder Twitter.
    Stimmt schon es braucht irgendwas neues und "Free Coffee" für den Mayor wäre schon nicht schlecht. Aber das ist nicht das Hauptincentive. Die Instant Gratification bleiben Badges oder die Tipps. Das sollte Foursquare imho noch ausbauen.

  2. Marius sagt:

    Ich nutze Foursquare auch eine ganze Weile und es hat sich schon öfter ergeben, dass ich mich dadurch spontan mit Freunden getroffen habe (und das wo nur 2 meiner freunde den Dienst wirklich aktiv nutzten), weil wir gerade in der Nähe waren.
    Und da kommt auch der Punkt wo es hakt: Mittlerweile bin ich wieder der einzige, weil die anderen aufgegeben haben. Warum? Aufgrund ständiger technischer Probleme wie Abstürze der App oder angebliche Verbindungsprobleme. Aber auch, weil es einfach keinen Sinn macht, sich einzuchecken wenn die Mayor-Komponente noch ungenutzt ist in Deutschland, und es auch nur wenige Tipps gibt (von den echten Hotspots wie Berlin, Hamburg und ähnlichen mal abgesehen).
    Alle wechseln zu Gowalla, weil es dort wenigstens einen spielerischen Faktor beim Sammeln von Items gibt.
    Ich denke auch, Foursquare ist am Zug, wieder das Interesse zu erzeugen um nicht den Anschluss zu versäumen und sein durchaus vorhandenes Potenzial nicht zu verschenken.

  3. Frank Wenz sagt:

    Kann alles oben gesagt unterschreiben. Mir fällt auf, dass der Großteil meiner Freunde und Bekannten, die eben nicht im Medien- oder Techumfeld arbeiten, mit dem Thema wie mit Twitter oder Bloggen rein gar nichts anfangen können, selbst wenn Sie Online und Mobile mehr oder weniger intensiv nutzen. Das legt die Vermutung nahe, dass die Breitenwirkung hier eher ausbleibt.

    Das führt dann nahtlos zum Vertriebs-/Incentivethema. Für eine begrenzte Zielgruppe lohnt das für den Merchant nicht, vielleicht noch in Berlin, Hamburg oder München, aber in Kleinkleckersdorf? Und selbst in den drei Metropolen ist die Zielgruppe menegnmäßig zu dünn und das Verständnis der Merchants in aller Regel zu gering. Die Idee die User dafür einzuspannen ist sicher charmant – für 4sq – aber wer macht das denn? Ich will doch Abends mein Weinchen schlürfen und nicht verkaufen. Und für einen eigenen 4sq-Vertrieb reichts halt – noch – nicht. Aber vielleicht kommt das und medienwirksame Koops wie in den USA ja noch. Schließlich ist D ja als Markt nicht ganz uninteressant.

    Die Idee und der Check-In/LBS-Markt wird sich allemal weiterentwickeln. Darauf bin ich gespannt und auch darauf, wie sich die hiesigen Player (aka-aki oder tagcrumbs) positionieren.

  4. Ich kann mich Euch nur anschließen. Ich glaube aber auch, dass Sicherheit und Privatsphäre weitere entscheidende Faktoren sind, die viele – mich eingeschlossen – davon abhalten, foursquare häufig zu nutzen. http://pleaserobme.com veranschaulicht das Problem sehr schön.

  5. Nach vier Monaten intensiver Foursquare-Nutzerei kann ich meine User-Experience wie folgt zusammenfassen:

    1. Es beginnt mich zu langweilen, die App kann zu vieles einfach nicht. Würde z.B. gern wissen, wer aus meinem Freundeskreis bereits in einer Location ist, in die ich mich einchecke. Oder einen Shout beantworten…

    2. Zuviele Ressourcen gehen derzeit ins Business-Development – Tristan ist zu erfolgreich – statt sich um den Nutzen der App zu kümmern. Coffee-Flat im Oberholz? Nutzlos. (Interessanterweise ist dieses Beispiel mittlerweile so populär wie die Dell-Resterampe in Sachen Umsatz-machen auf Twitter.)

    3. Das Mayor-Konzept ist nicht granular genug. Nicht umsonst gibt es mittlerweile auch eine Oberholz-Toilette.

    4. Es verschwinden real genutzte Ort – keine Ahnung, wer die löscht. Support-Mails werden nicht beantwortet, Tweets ebenfalls nicht. Deutet auf Überforderung im Community-Management hin.

    5. Leben ist zu 90% Routine. Nach welchem Algorithmus “Favorites” angeboten werden, konnte ich noch nicht nachvollziehen.

    Zusammenfassung: Mal kürzer treten – vielleicht rappelt Foursquare sich ja noch. Scheinen andere wohl auch zu tun: Stand jetzt (6.3. 12:11) reichen 200 Pkt. für Platz 12 in Berlin; gemessen an früher ist das „preiswert“.

  6. Florian sagt:

    Hi,

    wir würden uns freuen, wenn ihr Friendticker in nächster Zeit einmal testet. Wir werden ab Montag (08.03) für 4 Wochen in eine Beta starten, ab April dann live in Deutschland und zwei großen Städten im Ausland. Der Hauptunterschied zu Foursquare ist: bei uns könnt ihr reale Dinge für eure Aktionen bekommen (die gewünschten Incentives) – und gleichzeitig die Kommunikationsfunktionen ähnlich wie bei Foursquare nutzen. Bei Interesse einfach auf die Website und eintragen – es gibt nur 100 APP Beta Codes, aber wir versuchen auch online Beta Tester zu finden… ihr seid daher herzlich willkommen!

    Die Site und die App kann vieles von dem was ihr euch wünscht. Zudem haben wir ein gutes Privacy System, damit man sich hier nicht Sorgen muss.

    Viele Grüße
    Florian (Disclaimer: von Friendticker)

  7. Also hier wie versprochen mein Comment.
    Ich habe Foursquare noch nicht ausprobiert. Kann nur bedingt mitreden. Aber Kommentar #5 von Stefan hat mir klar gemacht, dass ich anscheinend nix verpasse, wenn ich das nicht benutze. Hat noch keine Optionen, das Ding.
    Nun mal zur Relevanz, die meiner Meinung nach noch nicht in GER gegeben ist: das Programm nutzen
    a) Leute, die mitteilen wollen, wo sie sind – das wollen nicht alle
    b) Leute, die mobiles Internet haben – das haben nicht alle und
    c) Leute, die willens sind – haben sie keine Flatrate (und es haben nicht alle eine) – sich extra einzuwählen und sich irgendeinen Quatsch-Titel aneigenen. Das mag anfangs ganz lustig sein, aber wie Ihr alle übereinstimmend sagt: es wird langweilig, kein Anreiz mehr da, Vorteile nicht mehr erkennbar. Wie bei Google Buzz. Ich habe, was die Flatrate angeht, mich nicht in einen Knebelvertrag bei einem der schlechtesten Dienstleister aller Zeiten (Telekom) reindrücken lassen. Das iPhine z.B. gibt es mittlerweile auch frei zu kaufen und andere Anbieter sind einfach wesentlich günstiger.

    Das heißt, die Zielgruppe ist noch sehr klein, weil die Bedingungen noch nicht bei allen gegeben sind. Auch twitter hat in Deutschland doch noch nicht mal eine Million User, soweit ich weiß. Das ist alles zu früh, um zu urteilen. In zehn Jahren sieht das alles anders aus, denke ich.

    Ach ja: bitte vergesst nicht den Nerv-Faktor bei diesem Tool. "I am at Hauptbahnhof Nürnberg"… HALLO! Viel besser als "Erstmal Kaffee"- oder "Mittagessen"-Tweets ist das nicht.

    Fazit: 4sq muss sich da schon noch was einfallen lassen.

  8. mana98 sagt:

    Ich vermute stark dass Facebook in diesen Markt einsteigen wird.Es gibt Gerüchte dass der neue Mobile Client von Facebook auch das einchecken an einen Ort erlaubt. Alles was eingecheckt wird erscheit im Facebook Profil das man sehr granular bis auf einzelne Personen freigeben kann oder auch nicht.

    Wenn das passiert werden wir vieleicht die kritische Masse erreichen so dass der Service Spaß macht. Vieleicht ist das dann der Durchbruch.

  9. Paul sagt:

    Ich nutze 4sq privat gerne aus vielen der o.g. Gründen, langweilig ist mir noch nicht – mal sehen wann / ob das kommt. Das Thema Datenschutz bleibt immer ein sehr typisch deutsches und das Argument darf höchstens zählen, wenn es um langsames Wachstum geht, nicht aber ob es ein Produkt/Service schaffen wird oder nicht. wir erinnern uns an den Launch von StudiVZ, Facebook & Twitter – Google ist sowieso böse. Also durchsetzen können sich gute Services trotzdem, denke ich. Ich arbeite außerdem für Audible, wir bieten Hörbücher zum Download an und ich überlege seit einiger zeit wie wir als online-Shop einen der Dienste (friendticker, 4sq, gowalle) nutzen können. Es sind ein paar Ideen auf dem Tisch, gute sogar. Wir werden probieren eine sinnvolles Angebot am richtigen Ort zu machen. Meine Hoffnung ist, dass viele Firmen Überlegungen über den Kaffee für den Mayor hinaus haben, nur zögerlich sind wie immer und später einsteigen werden. Ich schätze diese Dienste als sehr spannend ein und denke auch, dass sie sich durchsetzen werden, wenn die üblichen Komponenten, die es dafür braucht, weiter den Massenmarkt durchdringen.

Kommentar abgeben