Die Presse über Blogger: Lassen wir das Thema lieber
Als ich noch als Redakteur bei bild.de meine Brötchen verdiente, kam mein damaliger Chef auf die für mich sehr schlechte Idee, mich im Ressort Auto einzusetzen. Schlecht war diese Idee daher, da ich wirklich keine Ahnung von Autos habe. Ich bin zwar ein – wie ich finde – sehr guter Fahrer, aber ich finde nicht mal den Hebel, mit dem sich der Motor öffnen lässt. Als ich ihm dieses Gegenargument brachte, entgegnete er mir: „Du bist jung. Du musst noch lernen. Lern was über Autos.“ Und gab mir damit auch Zeit, mich einzulesen, mir Wissen anzueignen, so dass meine Artikel nicht vollkommen schwachsinnig wurden. Er meinte es gut mit mir, und die Rechnung ging halbwegs auf.
Wieso ich das schreibe? Weil ich denke, dass das der Weg im Journalismus ist. Kein Schreibender kann sich groß aussuchen, worüber er schreiben möchte. Vor allem kein Freier, der sich mit so vielen Zeilen wie möglich über Wasser halten muss. Es sei denn, er ist eine Edelfeder. Aber wer ist das schon? Mit Sicherheit nicht Daniel Steinmaier. Der vollkommen übermüdet als Vertreter der Süddeutschen Zeitung am Donnerstag auf der re:publica erschien, sich mit mir 20 Minuten lang unterhielt, fleißig in sein Büchlein notierte, was ich von mir gab und dabei deutlich machte, dass er absolut keine Ahnung hatte, wo er gerade gelandet war.
Robert Basic? Stefan Niggemeier? Sascha Lobo? Diese Namen sagten ihm nichts. Was Blogs konkret sind? Das wusste er so recht auch nicht. Und trotzdem hat er einen Artikel geschrieben über Blogger – und wie sie vermeintlich ticken. Und dabei auch noch Zitate verfälscht. Niemals würde ich behaupten, dass sich „alle“ Blogger ein Massenpublikum wünschen, nur weil mein Blog so heißt. Ich persönlich wünsche mir viele Leser, aber – und genau so habe ich es auch gesagt – noch viel mehr wünsche ich mir viele Kommentatoren, die meine Postings aufgreifen und mit mir diskutieren. Für mich ist mein Blog die Möglichkeit, Dinge zu publizieren, die ich sonst mit mir selbst ausmachen würde. Es ist Publizität im Kleinen. Ich bin weder thematisch noch von der Tonalität festgelegt. Ich bin ein Blogger, aber bestimmt kein Vertreter aller Blogger.
Darüber hinaus trug ich kein schwarzes Poloshirt, sondern ein blaues. Und meine Brille ist nicht groß, sondern klein. Und einen Bauch habe ich schon gar nicht, noch nicht mal einen kleinen. O.K., den letzten Punkt bilde ich mir ein. Aber genau darauf wollte Steinmaier hinaus, er wollte ein Klischee zeichnen, und das finde ich armselig. Von ihm und der Süddeutschen Zeitung. Noch besser als ich hat das Thomas Knüwer in Worte gefasst.
Die re:publica hat mal wieder das Thema Blogger und Journalisten auf das Podium gebracht. Und irgendwer sagte, ich glaube, es war Mercedes Bunz, Journalisten würden mehr prüfen und recherchieren, als es Blogger tun. Die Süddeutsche und Daniel Steinmaier sind das beste Beispiel, dass es so nicht ist. Wenn ich mich einst in das für mich vollkommen uninteressante Thema Autos einarbeiten konnte, dann sollte das auch Steinmaier mit Blogs gelingen. Steht alles im Internet und ist kostenlos abrufbar. Mich hat damals die Markteinführung des neuen BMW 3er auch nicht interessiert, aber ich kann ja wohl so viel Empathie entwickeln, dass ich verstehe, warum das Modell gut oder schlecht ist. Der Schülerzeitungsreporter, wie ihn Knüwer nannte, kam zur re:publica und wollte nur eins: Blogger als Nerds darstellen, die die Masse mit Nischenthema erreichen wollen.

Das ist doch gerade das Problem. Das zu beschreiben was ist und nicht was du sehn willst oder sehen sollst. Der arme Qualitätsschmierfink hat seine Aufgabe erfüllt. Haken dran, morgen früh wird das Papier klein geschnitten und kommt aufs Klo.
Ich habe gerade eine zwei Jahre alte Meldung bejubelt. Weil ich über die Meldung so glücklich war und die Quelle so sicher war. Natürlich bin ich ein Idiot. http://www.duckhome.de/tb/archives/2311-Mensch-ist-das-schoen-die-Juden-sind-aufgewacht.html
Blind vor Freude. Ist das verzeihlich. Vielleicht ich bin stinksauer auf mich und gelobe Besserung. Aber solche Erfahrungen machen natürlich auch vorsichtiger. Wir sehen den Balken im Auge des anderen oder besser das Brett vor seinem Kopf. Hoffentlich sind wir auch immer in der Lage mit unserem Mist genauso umzugehen.
Ich weiß ja nicht, ob ich zu viel verlange, aber die Süddeutsche gehört zu den wichtigsten und auch besten Zeitungen in Deutschland. Kann man da keinen Redakteur hinschicken, der ein wenig Ahnung von der Materie hat? Oder sie sich zumindest anliest?
Man könnte schon jemanden schicken, der Ahnung hat. Vermutlich hat die SZ sogar solche Leute. Nur ist das Thema “Blogs” dort im Haus nicht gut angesehen bzw. mehr oder weniger irrelevant.
Wer also vor den Kollegen glänzen will, macht auf Politik oder Kultur, aber nicht auf Internet und Blogs. Letzteres wird dann durchgereicht, bis es bei einer Person ankommen, die niemanden mehr hinter sich hat, auf den sie es weiterschieben kann. Entsprechend motiviert fährt derjenige dann nach Berlin…
Matthias, so ganz ist das nicht. Daniel ist ein freier Journalist, der in Berlin lebt.
Nur: Wenn man Blogs für “irrelevant” hält, dann muss man auch so konsequent sein und das Thema nicht bringen.
Oh man, da hat’s Dich ganz schön blöd erwischt.
Ich finde am schlimmsten, dass es 1. jemanden gegeben haben muss (Textchef und/oder CvD), der gesagt hat “Ok, das geht jetzt so online” und 2. dass Steinmaier vermutlich sogar Geld für den Schmarrn bekommen hat.
Da muss man sich nicht mehr wundern, wenn Journalisten von jedem Unternehmen mit Freigabe-Orgien bzgl. Interviews etc genervt werden. Denn ob man so eine Pflaume wie den hier vor sich stehen hatte, weiß man erst, wenn man den Artikel liest…
Guter Artikel.
Es verdeutlicht EIN Problem. Es gibt noch viele weitere bei den “alten” Medien.
Aber wir, die Blogger, sollten uns nicht darüber aufregen.
Holen wir uns die Presseausweise, schreiben wir unsere Artikel, und verbreiten diese. Dann wird es, wie in den USA, irgendwann so sein, dass wir nicht mehr zu ignorieren sind, und manche Zeitung als Quelle einen Blog angeben muss.
Also ich weiß nicht wie das andere Freie machen, die die ich kenne sind durchaus auf bestimmte Themen (Kultur -> Kino, Kultur ->Literatur) spezialisiert und werden nicht ‘geschickt’ sondern schlagen Redaktionen auch mal (oder gar meist) was vor. Gut, manchmal geht man irgendwohin um auch als Journalist mal was neues zu hören.
Ich bin dann halt hinter die Bühne und hab dumme Fragen gestellt. Weil ich mich sowas traue hatte ich den Job auch bekommen.)
Dass S. zur re:publica gezwungen wurde halte ich bin zum beleg des Gegenteils aber für ein Gerücht.
(Disclosure+Anekdote: ich hab mal was über ein klassisches saxophonkonzert geschrieben, weil der frei Musikberichtertatter der Lokalzeitung (Musikwiss. und Altgermanist und sonst ganz prima) sich weigerte das zu besprechen, mangels Knowhow
“Die Süddeutsche und Daniel Steinmaier sind das beste Beispiel, dass es so nicht ist.”
…ist übrigens eine Verallgemeinerung, die sich Blogger genauso verkneifen sollten, wie sie das immer von den ach so schlimmen Journalisten erwarten.
Weißt schon, mit gutem Beispiel vorangehen und so…
Bloggen macht Spaß! Laß uns in Ruhe bloggen!
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