SPD: Die Nerven liegen bei Edathy blank
Dass man als SPD-Politiker derzeit nicht permanent in jede Kamera grinst, kann man, glaube ich, nachvollziehen. Die Umfragen sind im Keller und, mit Beck als Vorsitzenden, gibt es auch kaum Hoffnung auf Besserung.
Trotzdem gibt es aber keinen Grund, wegen jeder Kleinigkeit gleich an die Decke zu gehen. Immerhin macht man ja Politik nicht nur, um Wahlen zu gewinnen – sondern um unsere Gesellschaft – möglich positiv – zu gestalten. Anscheinend aber liegen bei Einigen die trotzdem Nerven blank – wie etwa Sebastian Edathy, Voristzender des Innenausschusses des Bundestages und Mitglied der SPD.
Edathy sollte von den Radio-Eins-Moderatoren Marco Seiffert und Tom Böttcher zur geplanten Neufassung des BKA-Gesetz befragt werden. Inhalt des Gesetzes: Künftig sollen nicht nur Terrorismus-Verdächtige per Videokamera in ihren eigenen Wohnungen überwacht werden dürfen.
Auch ich habe von meinem ersten Chef bei der Netzeitung gelernt, dass man, wenn man ein gutes Interview führen will, nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen soll, sondern erst einmal eine einfache Frage stellen sollte – zur Auflockerung. Genau das haben die Moderatoren auch getan.
„Guten Morgen, Herr Edathy, wenn Sie sich morgens die Zähne putzen, sind Sie dann nackt oder angezogen?“
Worauf diese etwas absurde Frage zielte? Klar, können wir künftig überhaupt noch nackt durch die Wohnung laufen (oder sonst was tun) oder müssen wir uns dabei Sorgen machen, dass wir gerade vom Bundeskriminalamt begutachtet werden?
Edathy fand diese Frage auch absurd. „Was soll der Scheiß? … Tschüss!“ Dazwischen murmelte er noch irgendwas vom Terrorismus – jedenfalls war er schneller aus der Leitung, als ich hätte SPD sagen können.
Dass die SPD nun gar keinen Humor mehr hat, kann ich ja mit Beck als Vorsitzenden durchaus verstehen, dass sie aber – keine Ironie bitte an dieser Stelle – nicht mehr zu heiklen Gesetzesentwürfen Stellung – wie auch immer diese ausschauen mag – beziehen möchte, sondern lieber pöbelt, könnte am Ende in der Tat dazu führen, dass am Ende das „Projekt 18“ gelingt.

Ja der Gute ist etwas waidwund zur Zeit. Mir hat er mit dem Staatsanwalt gedroht. Ich hab ihm Zeit bis Mittwoch 24 Uhr gelassen, wieder auf den Boden zu kommen, sonst spielen wir das Spiel öffentlich.
Aber mal im Ernst. Hatte der Name Edathy vor vier Wochen für einen von uns irgendeine Bedeutung. Nein. Eine Randfigur, ein Überflüssiger mehr. Aber nun kennen ihn die Blogger, die Journaille ist wütend und er ist bekannt. Mit dem Benehmen das er an den Tag legt ist er dafür aber ganz schnell draußen aus der Politik. Das leistet sich selbst die SPD nicht mehr.
Ach, ich finde, dass er sich gerade mit einem solchen Gebahren für den Posten des Vorsitzenden empfiehlt.
Naja, jedenfalls sollte man sich von Journalisten nicht alles bieten lassen. Wobei zu Jochen: Ganz unwichtig ist Herr Edathy nicht, der macht seine Arbeit als MdB wie viele auch, obwohl er nicht unbedingt im Rampenlicht steht.
hitzfeld2, das ist kompletter Blödsinn. Alles bieten müssen sich Politiker bestimmt nicht. Aber so eine lustig gemeinte Frage als Einstieg hätte nicht mal Franz Josef Strauß wehgetan.
Und wenn Herr Edathy dann mal doch im Rampenlicht steht, sollte er gut genug vorbereitet sein, dass man nicht jedes Fältchen sofort bemerkt. Da haben seine Kommunikationsberater vollkommen versagt, wobei auch ein MdB allein so viel Verstand haben sollte, dass er auf eine – wie gesagt – so einfache Frage mit mehr Souveränität antworten könnte.
Ich habe heute mittag das Interview gehört und mich köstlich amüsiert. Hier kann man es nachhören: http://redblog.twoday.net/stories/4876677/