Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Über Bertelsmann und Rekrutierung-Veranstaltungen

Irgendwann erreicht man den Punkt, an dem man sich entscheiden darf, wie es weitergeht. Man hat die ersten Aufgaben im Leben erfolgreich gemeistert und hat erstmals die Möglichkeit, sein eigenes Leben aktiv zu gestalten. Die eigentlich erste Entscheidung, die Wahl des richtigen Studiums oder der richtigen Ausbildung, kann man noch als nötiges Übel abtun, die Wahl aber des richtigen Arbeitsplatzes ist aber ein purer Luxus – sofern man den wählen kann. Genau um so eine Situation soll es im Folgenden gehen.

Ich hatte das große Vergnügen, von Bertelsmann zu einer Recruiting-Veranstaltung eingeladen zu werden. Ich hatte im Vorfeld von solchen Maßnahmen gehört, allerdings noch nie an einer Solchen teilgenommen. Für mich persönlich, dachte ich, kommt so eine Veranstaltung auch mindestens ein Jahr zu spät. Schließlich befinde ich mich nun seit einem Jahr mitten im Arbeitsleben, obwohl ich auch schon davor (insgesamt nun acht Jahre) arbeite. Seit einem Jahr aber Vollzeit und mit ganzer Hingabe.

Was würde mich erwarten? Unternehmensvertreter, die mir plump versuchen weiszumachen, dass Bertelsmann DAS Top-Unternehmen schlechthin ist. Ein wenig Dekadenz. Und natürlich lauter Leute, die sich mit ausgefahrenen Ellenbogen in den Vordergrund spielen, um hinterher einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Das alles, pessimistisch wie ich bin, dachte ich. Aber es kam nicht so.

Ein wenig dekadent war „Talent meets Media“, wie Bertelsmann den Start seiner Rekrutierungskampagne „Create Your own Career“ nannte, schon. Wir, die 108 Teilnehmer, wohnten im Hyatt, einem der schönsten Hotels Berlin, wurden mit dem Shuttle vom Hauptbahnhof bzw. Flughafen (Anreise wurde ebenfalls bezahlt) abgeholt, Essen und Trinken stand permanent bereit und jeder Wunsch sollte uns von den Lippen abgelesen werden. Die Fantastischen Vier spielten für uns und die ca. 100 Vertreter Bertelsmanns ein Exklusiv-Konzert. Es fehlte wirklich an nichts.

Und natürlich wurde uns mehrmals – eigentlich permanent – dargelegt, wieso Bertelsmann ein toller Arbeitgeber ist: Weil junge Nachwuchskräfte nicht nur gefordert sondern auch gefördert werden. Weil man schnell aufsteigen kann. Weil jeder Mitarbeiter seinen eigenen Weg gehen kann – solange er am Ende am vereinbarten Ziel ankommt. Weil Bertelsmann eben nicht nur Gütersloh sondern ein Weltkonzern ist.

Ich bin ein sehr skeptischer Mensch, und es braucht mehr als ein schönes Hotel, um mich zu überzeugen. Aber es ist Bertelsmann gelungen. Während der zwei Tage, an denen “Talent meets Media” stattfand, gab es einen Spirit, den ich nur sehr schwer in Worte fassen kann. Uns Teilnehmer kam Vertrauen entgegen, das ich so noch nicht erlebt habe: „Präsentiert Euch. Macht einfach. Kommt auf uns zu. Fragt uns, was Ihr wissen wollt.“ Und fragen konnten wir nicht nur „normale“ Bertelsmann-Mitarbeiter sondern zum Beispiel Hartmut Ostrovski, den Vorstands-Vorsitzenden von Bertelsmann. Und das nicht in Gruppen-Diskussionen – sondern unter vier Augen. Natürlich ist das kein Spiegel des späteren Arbeitlebens. Aber dass sich die 100 Vertreter, die Bertelsmann uns zur Seite gestellt hat, derart offen, unverkrampft und voller (ehrlicher) Hingabe über ihren Arbeitgeber sprechen würden, das hatte ich nicht erwartet.

Manche Unternehmen – wie etwa Bertelsmann – haben sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass junge Nachwuchskräfte, die etwas auf dem Kasten haben, nicht auf der Straße liegen. Der Konkurrenzkampf um die besten Köpfe des Landes ist entbrannt und führt dazu, dass sehr gute Absolventen noch nie so gut dastanden wie heute: Sie können sich entscheiden zwischen diversen Optionen. Eine von ihnen könnte Bertelsmann heißen, das haben wir Teilnehmer von „Talent meets Media“ verstanden. Und wenn nur 50 Prozent, von dem, was wir erlebt, gesehen und gehört haben, stimmt, dann ist eine Entscheidung für Bertelsmann keine schlechte.

Ich würde jedem Studenten raten, diese Seite gut im Auge zu behalten und sich für eine der Folgeveranstaltungen, die es mit Sicherheit geben wird, zu bewerben. Allein schon um zu sehen, dass Recruiting-Veranstaltungen nicht ganz so ablaufen, wie man es nach der Lektüre von Julia Friedrichs Buch „Gestatten: Elite“ meinen könnte. Weder die Veranstalter selbst noch die Teilnehmer sind dermaßen negativ, wie es uns die Autorin versucht weiszumachen. Manche Dinge sollte man für sich selbst entscheiden und nicht nur Büchern entnehmen. Das ist das wirklich Schöne: Dass man irgendwann im Leben an einen Punkt kommt, an dem man selbst über sein Leben verfügen kann.

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8 Kommentare zu “Über Bertelsmann und Rekrutierung-Veranstaltungen”

  1. Flausenkopf sagt:

    Es hat alles geklappt was Bertelsmann mit der Aktion erreichen wollte!
    There is NO free lunch, Sachar!
    Meine Meinung…

  2. Sachar sagt:

    Natürlich hat alles geklappt, was Bertelsmann erreichen wollte. Die hatten schließlich eine grandiose Organisation.

    Aber mir ist auch klar, dass die Veranstaltung kein Akt der reinen Nächstenliebe war. Nur: Wenn ein Unternehmen deutlich zum Ausdruck bringen möchte, dass es eine gute Adresse ist, dann weiß ich nicht, was gegen solche Recruiting-Veranstaltungen spricht.

    Und Du selbst hast mir doch mal erzählt, dass Dein Arbegeber alle paar Monate Partys macht (inkl. kostenlosem Essen und Trinken). Meinst Du, das passiert nur, weil Ihr alle so toll arbeitet und Euch eine Belohnung verdient habt? Nein, das ist eine Maßnahme zur Mitarbeiter-Motivation. Und spricht etwas dagegen, nur weil es klakuliert ist? Nein. Siehst Du die Parallele?

  3. Flausenkopf sagt:

    ich verstehe deinen punkt.
    interessant zu sehen, was unternehmen für Anstände machen müssen um an gute leute zu kommen.

  4. Sachar sagt:

    Man kann das natürlich kritisieren oder einfach die Regeln des Spiels ankzeptieren. Fakt ist, dass Rekrutierung in Deutschland nie ein großes Thema war und nun alle Beteiligten einsehen müssen, dass es Nachholbedarf gibt.

    Leidtragende gibt es dabei eigentlich nicht. Wer vorher nicht für einen Job in die engere Auswahl kam, hat auch jetzt keine schlechteren Chancen. Nur: Die, die sich während des Studiums die nötige Qualifikation für einen guten Job erworben haben, erhalten jetzt wesentlich mehr Möglichkeiten. Was ist daran schlecht?

  5. The King sagt:

    Ich finde auf jeden Fall das beschriebene Bertelsmann System als um einiges angenehmer als die harten Assessment Center anderer Unternehmen!!!

  6. Sachar sagt:

    Wobei ich das so verstanden habe, dass diese Veranstaltung nicht das Assessment Center ersetzt. Die bestehen wohl auch – als Folge einer ersten Kontaktaufnahme wie im Rahmen von “Talent meets Media”.

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