Warum der Telekom-Spot nicht gut ist
Ich bin ein großer Freund emotionaler Werbung. Zeigt mir einen Spot mit Kindern oder alten Leuten, mit sich liebenden Menschen, unterlegt das mit bewegender Musik, und ich bin den Tränen nahe. Ich sage nicht, dass das in mir einen positiven Kaufimpuls auslöst, aber die Werbung als Solche finde ich toll.
Nur: Dem neuen Spot der Deutschen Telekom, der momentan von allen Seiten mit Wohlwollen bedacht wird, kann ich nichts – oder sagen wir „wenig“ – abgewinnen. Weil er viel zu kalkuliert ist. Bis heute wurde der Clip, in dem Paul Potts bei der Casting-Show „Britain’s got Talent“ mit Nessun Dorma auftrat und der als Basis für die Telekom-Werbung dient, weit über 25 Millionen Mal abgerufen. Damit ist der 4:10-Minuten lange Videoschnipsel einer der erfolgreichsten Musik-Clips aller Zeiten bei Youtube. Und ausgerechnet so ein Bewegtbild bringt die Telekom – gut ein Jahr, nachdem die Bilder produziert wurden – in seiner Werbung. Da ist man aber verdammt auf Nummer sicher gegangen.
Ich behaupte nicht, dass Verantwortlichen schlechte Arbeit geleistet hätten. Das nicht. Wir sehen immerhin einen wirklich bewegenden Auftritt, in dem ein untersetzter Mann etwas leistet, was man ihm aufgrund seiner äußeren Erscheinung nicht unbedingt zugetraut hätte. Aber: Mal ehrlich, was hat die Deutsche Telekom damit eigentlich zu tun? Hat sie uns die Bilder in die gute Stube gebracht? Nein. Denn mein DSL kommt von Versatel, auf dem Handy schaue ich mir keine Clips an – und wenn doch, dann würde sie E-Plus übermitteln – und im Fernsehen wurde Britain’s got Talent gar nicht erst übertragen.
Schicke Werbung, die mir nichts Anderes als höchst emotionale Bilder zeigt. Emotionale Bilder, die nichts, aber auch wirklich gar nichts mit der Deutschen Telekom zu tun haben. Wenn uns die Deutsche Telekom vermitteln will, dass sie es ist, die uns eint, während wir diese Bilder über mehrere Medien hinweg betrachten, dann sollte sie dafür sorgen, dass ihre Tarife ebenso bewegend sind wie Paul Potts Auftritt.

Endlich sagt mal einer wie es wirklich ist.
Ich könnte schon wieder heulen.
Dachte ich bis eben noch, dass die Telekom Paul Potts Auftritt auch so mitgenommen hat wie mich, bin ich mir jetzt auch ziemlich sicher, dass der ehemalige Beruf Paul Potts mit der Absicht der Telekom viel mehr zu tun hat. Danke!
Aber selbstverständlich ist dieser Spot kalkuliert. Gibt es irgendeine Werbung auf der Welt, die das nicht wäre? Das wären ansonsten aber verdammt schlechter Manager.
Genauso ist es! Und trotzdem: Die Telekom hat doch ihr Ziel erreicht. Die Leute sprechen über den Spot – bestimmt nicht nur wir. Das war eine wirklich gelungene Aktion der Marketing-Fuzzis der Telekom. Das sage ich, obwohl ich durchaus kritisch zu diesem Unternehmen stehe – nicht erst seit der Abhöraffäre. Aber dieser Coup hat gesessen, meine ich jedenfalls.
Einen wunderschönen Sonntagabend wünsche ich noch. Nächste Woche gibt’s leider schlechtes Wetter.
Ich kann den Zwiespalt gegenüber dem Spot gut verstehen, aber eben auch die totale Begeisterung. Das ist Emotion pur und diese wird konsequent d.h. ohne wenn und aber eingesetzt.
Ich muss dir widersprechen. Du kannst doch nicht einfach sagen, weil DU die Telekom als Provider nicht nutzt vermittelt die Telekom das Bild nicht. Ein D1 Nutzer erhält die Daten von der Telekom. 1und1 (mein Provider) ist Reseller der Telekom und somit erhalte ich die Daten auch von der Telekom.
Ich find die Werbung kacke – ich hab kurz weitergeklickt damit ich mir nich das ganze rumgesinge und geheule antun muss. Aber das ist persönlicher Geschmack. Ich mag den Rosa Riesen eh nicht.
Also wie gesagt ich finde nicht dass du damit richtig liegst – anderen Leuten (incl. mir) hat die Telekom die Inhalte ins Haus getragen. Lediglich dieses Video aus einer mir nicht sonderlich bekannten Serie zu nehmen – das find ich persönlich nicht so toll.
sagen wir so, aufgrund der enorm lauten und aufmerksamkeitsstraken werbung sit es der telekom gelungen aus ihrem Umfeld auszubrechen. Hätte man das ganze jetzt noch klug mit den eigenen angeboten verbunden, wärs super. so ist es nur gut für die awareness des spots und ein wenig imageaufbau der marke telekom. mehr verkaufen werden sie damit nicht.
übrigens: du kannst davon ausgehen, dass 90% der leute, die den Spot im TV sehen, ihn nicht schon voher von youtube kennen.
Georg, genau so sehe ich es auch.
Wer davon mit Sicherheit profitieren wird: Paul Potts. Wetten, dass sein Album in spätestens drei Wochen in den Top 10 der Charts ist?
Wie Georg schreibt: mindestens 90% der TV-Zuschauer werden das nicht gekannt haben – und noch einen Schritt weiter: Ich habe es bis eben gerade nicht gekannt, bis es in einigen Blogs kritisch diskutiert wurde (und andere positiv getwittert haben darüber). Und damit funktioniert der Spot auch bei mir als TV-Verweigerer und im Medienumfeld arbeitendem Menschen.
Mir leuchten die Contra-Argumente ein, aber ich habe eher das Gefühl, dass er trotzdem funktioniert….
selbst wenn die Telekom die Daten aufs Handy liefert… wer will sich eine Arie am Handy antun? (mit Kopfhöhrern evtl. aber im Spot sitzen die teilweise zu dritt vor dem Handy)
finde den spot sehr gut. telekom erreicht mit diesem spot viele herzen.
in der tat ist der song schon in den top10 der itunes charts germany.
Auch wenn der Spot richtig klasse wäre – die hohe Rotation hat ihn getötet. Keine Werbepause mehr ohne ihn.
Ich sehe das auch exakt wie der haltungsturner. Ich bin ebenfalls Fernsehverweigerer und informiere mich fast ausschließlich über mein Wahlmedium – trotzdem kannte ich den YouTube Clip nicht (und den Werbespot auch nicht
) – Es ist sicher richtig, dass der Zusammenhang mit Produkten der Telekom relativ klein ist, trotzdem sind sie ja theoretisch in der Lage, solche emotionalen Momente überall hin zu bringen. Aufmerksamkeit erzielt der Spot allemal und das ist wirklich eine Seltenheit. Wenn er icht herausragend wäre, hätte ich ihn nie gesehen und du nie drüber gebloggt – und somit funktioniert er zumindest auf dieser Schiene hervorragend
dazu kommt, dass ich diesen clip zu anfang auf youtube sehr bewegend fand. trotz meiner aversion gegen die telekom und ihre werbestrategen (die einen auf festivals schon mehr als genug mit einer menge pinkem abfall nerven) konnte ich mich auch zu anfang bei dieser fernsehwerbung nicht ganz gegen eine gänsehaut wehren. nachdem dieser clip nun allerdings auf heavy rotation ist und bisweilen beim zappen (auch aufgrund seiner unverschämten länge) auf vier benachbarten sendern gleichzeitig ertragen werden muss, bin ich mittlerweile abgestumpft und paul potts bedeutet mir nichts mehr. das ist schade, denn ich hätte mir dieses besondere erlebnis gerne bewahrt, die telekom hat es mir genommen. ganz davon abgesehen, dass ich es mehr als unverschämt finde, eine starke leistung eines anderen aus dem kontext zu reißen und sich die emotionen des publikums für seine eigene, kommerzielle botschaft zu nutzen. unterste schublade, telekom und ganz miese arbeit. meine abneigung gegen diesen konzern steigt (ohne dass ich jemals bemerkenswerte erfahrungen mit deren produkten gemacht hätte) weiter und weiter.
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