Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

mufin: Musik wird demokratisch

Mit Empfehlungen ist das so eine Sache. Vor etwa drei Wochen, als ich noch auf Bali war, erlebte ich, wie heikel es ist, wenn man blind auf Ratschläge von Freunden oder Bekannten hört: Ich soll mir doch einen Strand anschauen, angeblich Balis schönste Küste. Ohne jetzt in die Einzelheiten zu gehen: Aber das, was ich sah, entsprach nicht meinen Erwartungen. Gar nicht. Einmal mehr wurde mir da klar, dass Empfehlungen von Dritten nur dann sinnvoll sind, wenn man die gleichen Interessen, Vorlieben und eine ähnliche Lebensweise hat. Ist dieser Fall nicht gegeben, könnte man schnell enttäuscht werden.

Empfehlungssysteme sind aktuell gerade in der Musikindustrie ein sehr großes Thema. last.fm verdankt seinen Aufstieg zur weltgrößten Musik-Community einem einfachen Prinzip: Mir wird Musik vorgeschlagen, die mir gefallen könnte. Das Prinzip basiert auf den Hörgewohnheiten anderer Nutzer.

Mittlerweile sind die technologischen Möglichkeiten so weit fortgeschritten, dass Programme ebenfalls in der Lage sind, Musik zu empfehlen. Apple hat unlängst iTunes um das Empfehlungssystem Genius erweitert. Bisher ist aber nicht hinreichend geklärt, auf welchem System die Empfehlungen basieren. Mein bisheriger Favorit war Pandora. Dort wurden die Songs nach 250 Kriterien von einer Redaktion bewertet. Allerdings ist Pandora schon seit einiger Zeit nicht mehr in Deutschland aufgrund von Lizenzrechten verfügbar.

Eben diese Lücke ausfüllen könnte mufin. Bei mufin wird ein Song nach 40 Kriterien (wie etwa Klangdichte, Tempo oder Instrumentierung) automatisch nach der so genannten „Audio Fingerprinting“-Technologie bewertet. Auf der mufin-Seite kann das jetzt jedermann in der offenen Beta testen. Ähnliche Musik wird also nicht mehr nach den Hörgewohnheiten Anderer sondern ausschließlich nach ihrer Struktur empfohlen. Das erleichtert den Zugang zu neuer Musik und stellt insofern eine Revolution dar, als dass es bei mufin vollkommen unerheblich ist, aus welchem Jahrzehnt ein Song stammt, ob er jemals populär war oder ob die Plattenfirma, die ihn veröffentlicht hat, ein großes Marketing-Budget investiert hat. Insofern ist mufin, das vom Fraunhofer Institut und von der Magix AG entwickelt wurde, das demokratischste aller Empfehlungssysteme.

mufin wurde sowohl international von Techcrunch als auch national von netzwertig in den höchsten Tönen gelobt. Besser kann ein Start kaum erfolgen. Nur eins kann mufin nicht: Die empfohlene Musik kostenlos in voller Länge abspielen. Womit ich einmal mehr roccatune ins Spiel bringen möchte.

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4 Kommentare zu “mufin: Musik wird demokratisch”

  1. KMTO sagt:

    Ein wirklich guter Grund, einen Roccatune Link mit anzubieten, wenn man bei mufin was findet ;-)

  2. Jens sagt:

    Wieso hier von Demokratisierung gesprochen wird ist mir ein Rätsel. Demokratie mit dem Internet in Verbindung zu bringen ist so eine Sache. Ich halte es jedenfalls für unangemessen diesen Begriff inflationär zu gebrauchen. Das ist hier anscheinend auch geschehen. Vielleicht sollte der autor doch etwas vorsichtiger mit der Wortwahl sein und sie bewusster treffen.

  3. Mario H. sagt:

    Da gebe ich Jens Recht. Was das mit Demokratie zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz. Technokratisches Empfehlungssystem passt schon eher.
    Aber ich nehme an, du meintest “gerecht” und wolltest aus nahe liegenden Gründen diesen Begriff nicht verwenden…

  4. Sachar sagt:

    In der Tat ist “demokratisch” der komplett falsche Begriff. Da habt Ihr recht. mufin ist ja eben nicht demo- sondern in der Tat technokratisch.

    Was Jens angeht: Das sehe ich komplett anders. Das Internet erleichtert die Demokratie, weil Wissen – sofern die jeweilige Regierung gewisse Seiten nicht sperrt – für jedermann verfügbar wird. So kann jeder frei seine Meinung äußern und sich eben auch frei seine Meinung bilden. Und das ist ja dann doch wohl ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie. Oder?

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