Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Erfolgsgeschichten: StyleSpion

Entweder muss man verrückt oder aber sehr mutig sein, wenn man in Zeiten wie unseren eine Festanstellung kündigt. Kai Müller hat eben das gemacht. Vieles spricht dafür, dass der Schritt nicht nur der Richtige ist, sondern auch ein großer Erfolg wird. Künftig wird er hauptsächlich von seinem Blog StyleSpion leben. Darin schreibt Kai Müller über Einrichtungsgegenstände, Mode und – der Name sagt es – Stil. Durch die Liebe zur Sache sind seine Postings voller Know How und Relevanz. Die Zahl der Kommentare zeigt deutlich, dass StyleSpion viele Fans hat, die nach Empfehlungen und Neuvorstellungen von Kai Müller dürsten. Trotzdem: Vom Bloggen leben? Geht das? Ausgerechnet in Deutschland, wo es kaum Blogs gibt, die gesellschaftlich relevant sind? Und sich außerdem hierzulande überwiegend die erfolgreichsten Blogs mit sich selbst und den Medien beschäftigen. Oder aber sind das am Ende gar nicht die Erfolgreichsten? Und wie bemisst sich überhaupt Erfolg in der Blogosphäre? Kai Müller antwortet.

Du hast vor ein kurzem angekündigt, dass Du künftig hauptberuflich bloggen möchtest. Was hat Dich zu diesem Entschluss bewogen?

Kai Müller: Das stimmt nur teilweise. Ich habe geschrieben, dass ich meine Festanstellung aufgegeben habe, um mehr Zeit in das Blog investieren zu können. Ich werde aber auch weiterhin für Projekte zu haben sein, etwa für Webdesign-Jobs und Beratung anbieten. ?Für die Entscheidung habe ich mir lange Zeit gelassen, aber sie war dringend notwendig, da sich StyleSpion.de schon längst zu einem Fulltime-Job gewandelt hat.

Wie soll das funktionieren? Über Werbung? Oder gibt es noch weitere Einnahmequellen für Dich?

Kai Müller: Wie bei jeder Publikation bringt Werbung den größten Teil der Einnahmen mit sich. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es wohl keine bessere (Eigen-)Werbung gibt als ein gut funktionierendes Blog in einer Sparte. ?Ich erhalte alleine dadurch, dass Leute mein Blog mögen, viele Anfragen für die Zusammenarbeit an Projekten. Leser wissen, dass ich die komplette Umsetzung selbst übernehme, und sehen, dass es zu funktionieren scheint. Diese Anfragen musste ich in der Vergangenheit leider immer ablehnen, und nun, da ich wieder etwas mehr Freiraum habe, kann ich mir die spannendsten Kunden herauspicken. Ein toller Luxus.

Wie kommt die Werbung auf StyleSpion? Lässt Du Dich von einer Agentur vermarkten, gehst Du direkt auf Unternehmen zu, oder steht bei Dir das Telefon nicht mehr still, und sie wollen sich bei Dir einbuchen?

Kai Müller: Ich erhalte viele direkte Anfragen von Interessenten, daneben kommen auch immer mehr Vermarkter auf mich zu. Ich bin nicht abgeneigt, diese Kommunikation irgendwann einem Dienstleister zu überlassen, aber bisher konnte ich den richtigen noch nicht finden.

Wie viele Einnahmen gedenkst Du so zu generieren?

Kai Müller: Ich finde nicht, dass man darüber reden muss. Das machen andere Blogs schon, und da ist es eher peinlich.

Bisher hast Du neben der Arbeit gebloggt, ab sofort hast Du quasi 24 Stunden Zeit zum Bloggen. Was wird sich ändern?

Kai Müller: Gute Frage. Inhaltlich sind an der Seite keine Änderungen geplant. Ich hoffe, dass ich die Qualität der Beiträge steigern kann. Weiterhin möchte ich mehr “eigene” Inhalte oder Artikel-Serien wie “15 + 1 Fragen” aufbauen. Das Wichtigste ist mir aber, endlich wieder etwas mehr Freizeit zu haben, um meinem Hobby, der Fotografie, stärker nachgehen zu können, oder einfach mal wieder an einem Abend nichts machen zu müssen. Das wäre eine tolle Sache :)

Wie hast Du es geschafft, dass Dein Blog so groß wurde? Mal abgesehen von Fleiß und Ausdauer.

Kai Müller: Groß? Woran gemessen? Ich schätze, ich habe ein Nische gefunden (die Einrichtungssachen), die nicht von vielen Blogs bedient wird. Fleiß und Ausdauer halte ich aber in der Tat für wichtige Faktoren. Außerdem glaube ich fest daran, dass die Besucher realisieren, dass ich recht wählerisch bin, was die Inhalte anbetrifft und eine gewisse Leidenschaft für den ganzen Kram mitschwingt.

Die erfolgreichsten deutschen Blogs sind eigentlich solche, die sich mit Medien und der Blogosphäre beschäftigen. Was machst Du anders, dass Du in diese Phalanx eindringen konntest?

Kai Müller: Da muss ich noch einmal nachhaken, was du als erfolgreich ansiehst. Wenn man die Zahl der eingehenden Links nimmt, mag das stimmen. Aber hier herrscht aufgrund der verfügbaren Chartlisten ein verzerrtes Bild. Nehmen wir Robert Basic als Beispiel: Er ist wohl für die meisten der Blogger hierzulande. Er war sehr früh dabei, und ist die Anlaufstelle für Leute, die gerade selbst mit dem Bloggen beginnen. Viele von ihnen eifern ihm nach, greifen (gerade am Anfang) seine Themen auf und verlinken ihn. Ein Kreislauf, der ihm (und natürlich vergleichbaren Blogs) einen Vorteil gegenüber den jungen Blogs verschafft. Inzwischen haben viele Blogs weitaus mehr Traffic (siehe Blogoscoop), aber der Status bleibt zunächst. Auch rivva.de – so ambitioniert das Projekt auch ist – liefert ein verfälschtes Bild, da rivva.de schlicht und einfach nicht alle Blogs kennt und somit wieder die üblichen Verdächtigen ständig vorne stehen.

Neben StyleSpion gibt es viele andere deutsche Blogs, die sich mit Stil, Design und Mode beschäftigen. Was machst Du anders, dass Du davon künftig wirst leben können?

Kai Müller: Sag du es mir.

Derzeit ist von einer Krise zu lesen, unter der auch die Werbeumsätze leiden könnten. Ist es nicht geradezu verrückt, jetzt den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und vom Bloggen zu leben? Wo doch jeder weiß, dass sich dieses Modell in Deutschland so gut wie gar nicht durchgesetzt hat.

Kai Müller: Da würde ich dir gerne widersprechen. Es gibt seit jeher profitable Webseiten. Ob man sie nun Blog, Magazin oder Portal nennt, spielt für mich dabei keine Rolle. Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass die Inhalte persönlicher ausfallen, aber warum soll das nicht möglich sein? Blogs haben doch inzwischen höchstens noch gemein, dass sie mit derselben Software betrieben werden.Tja, und die Krise – die habe ich natürlich auch nicht kommen sehen. Ob darunter wirklich die Budgets für das messbare Onlinemarketing leiden oder vielmehr die nichtmessbaren Marketingmaßnahmen im Print gekürzt werden? Keine Ahnung. Bisher kann ich mich nicht beklagen. Und Anfragen für 2009 liegen einige auf dem Tisch.

Welchen Leitsatz von Kai Müller sollten sich potenzielle Gründer hinter die Ohren schreiben?

Kai Müller: Von mir wird es sicher keine Leitsätze geben. Wenn du liebst was du tust, kannst du so falsch gar nicht liegen.

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4 Kommentare zu “Erfolgsgeschichten: StyleSpion”

  1. Wow glückwunsch an Stylespion, das ist aber auch ein wirklich gut geführter blog!

  2. kopfbunt sagt:

    Es macht immer wieder Spaß Interviews zu lesen. Ich drücke Kai die Daumen, dass alles weiterhin so gut klappt. Ich bin optimistisch, denn er setzt aus meiner Sicht auf Qualität. Ich selbst schreibe meinen Blog erst seit 3 Monaten und bin schon sehr zufrieden mit der Etablierung.

    Ich denke, wenn man daran glaubt was man macht und das macht man automatisch, wenn man es gern macht, dann kommt der Erfolg von ganz allein. Kai ist für mich ein Blogger, der nicht bloggt, weil es »in« ist, sondern, weil er ein »Auge« dafür hat, was man auch auf seinen Fotos sieht.

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