Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Erfolgsgeschichten: Basic Thinking

Robert Basic gehört zu den bekanntesten Bloggern Deutschlands. Sein Blog Basic Thinking ist thematisch nicht festgelegt, mal geht es um Musik, mal um Filme oder Computerspiele und mal um die politische Weltordnung. In der Gründerszene ist Robert Basic berühmt und berüchtigt: Eine positive Bewertung durch ihn kann zu tausenden Nutzern führen. Ein Zerriss kann sogar das Ende bedeuten. Eine Rolle, die nicht leicht auszufüllen ist und derer er sich bewusst ist. Im Interview verrät er, dass Geld niemals Motivation sein sollte, warum Deutschland und seine Einwohner sich vor der Krise nicht fürchten müssen und sieht für Blogger mit Herzblut riesige Chancen.

Als Deutschlands erfolgreichster Blogger (zumindest laut Deutsche Blogcharts) erreichen Dich täglich mit Sicherheit einige Anfragen von Pressesprechern und PR-Agenturen. Du mögest doch bitte den neuen Service XYZ vorstellen. Wie muss eine Anfrage formuliert sein, damit sich Robert Basic mit ihr befasst.

Robert Basic: Im Grunde genommen unterscheidet sich das wohl kaum von den Ansprüchen der Journalisten. Je präziser eine Meldung formuliert ist und dabei das gewisse Etwas hervorhebt, damit ich einschätzen kann, ob es tatsächlich für meine Leser spannend ist, kommt eine Information auf den Blog-Tisch. Im Gegenteil: Eigentlich ist es noch einfacher als bei der Presse. Wer mein Blog liest, weiß recht schnell, was ich spannend und erwähnenswert finde. Und da ich schließlich eine One Man Blog-Show bin, fällt die Analyse relativ leicht aus.

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ lautet ein Zitat aus dem US-Film Spiderman. Bist Du Dir dessen bewusst, wenn Du ein Start-Up und sein Produkt bewertest?

Robert Basic: Zu Beginn der Bloggerei war ich noch ein freier Mensch und konnte meinen Gedanken freien Lauf lassen. Heute hat sich das leider geändert, denn egal wie man kritisiert -und es gibt immer was zu Meckern – sind die Macher eigentlich immer zunächst einmal down. Es fällt eben vielen Menschen schwer, sich auf einen konstruktiven Dialog einzulassen, der ungeschminkt ist. Und nicht immer weiß mein Gegenüber, dass ich kein destruktiver Typ Blogger bin, sondern stets einen Weg für das Start-Up mitzudenken versuche. Denn meistens handelt es sich eben um Start-Ups, die von jungen Menschen geführt werden und die selbstverständlich Feuer und Flamme für ihr Baby sind. Das ist nur zu verständlich aber zugleich auch eine große Gefahr, die Welt durch eine zu rosarote Brille zu sehen. Etablierte Unternehmen können damit wesentlich professioneller umgehen, zugleich ahnt man aber auch insbesondere bei diesen Unternehmen, dass ein Feedback kaum zu irgendwelchen Änderungen führen wird. Da fragt man sich nicht selten, ob man unbedingt als Marketingfutter dienen muss. Beispiel: Eine Kritik an Google juckt die nahezu Zero, und auf der anderen Seite freut man sich über den Buzz. Denn auch Buzz ist etwas, was Unternehmen wie Google im Netz am Leben hält. Gott sei Dank aber ist das Thema Verantwortung beim Bloggen eine sozusagen dezentralisierte Eigenheit. Die Beschäftigung mit einem Blog-Artikel erfolgt nicht selten sehr aktiv, so dass man nicht in die Gefahr läuft, bloße Lippenleser zu manipulieren, was man bei der bekannten Presse aufgrund des immens hohen Vertrauensvorschusses eher beklagen kann. Sprich, Blog-Lesern traue ich eine ungleich höhere Medienkompetenz und einen eigenen Kopf zu. Zusätzlich versuche ich das Thema verteilte Verantwortung und das aktive Mitdenken mit teils extrem verkürzten und polarisierenden Artikeln immer wieder aufs Gleis zu bringen, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leser mir zu sehr das Denken überlassen. Je mehr sie dann meckern, umso besser ist das, ein Gleichgewicht zu wahren.

Du trittst in der Rolle als Blogger nicht nur als Kommentator sondern auch Kritiker auf. Dabei zeigst Du zum Teil minutiös die Fehler einer neuen Plattform auf. Machst Du das, ganz ehrlich, auch, weil es Dir Spaß macht, Konzepte und Umsetzungsformen zu zerreißen?

Robert Basic: Ich hätte die dritte vor der zweiten Frage lesen sollen. :) Spaß macht es mir, sich in das Konzept hineinzudenken und Elemente zu erkennen, die entweder fehlen oder aber schaden. Dass es sich gesamtheitlich sehr meckertechnisch des bloßen Meckerns wegen anhören mag, muss ich dann hinnehmen. Lieber einmal mehr kritisiert, als das Vorhaben in den Himmel gelobt. Denn mein ehernes Prinzip heißt stets: Mehr als neun von zehn kommerziellen Projekten scheitern im Internet. Alles, was diese Quote verbessern kann, ist rechtens. Wenn dann mein Gegenüber dummerweise einschnappt und die Ohren zumacht, ist es nicht mein Problem. Wir spielen schließlich nicht im Sandkasten, wo Einschnappen zum Spiel dazugehört. Gründer tragen für sich und ihr Team wie auch Partnern und Kunden gegenüber eine hohe Verantwortung. Je früher das denen klar wird, dass nur ein brutal offenes Fehlermanagement helfen kann, umso besser.

Hast Du Ideen, die Du selbst gerne umsetzen würdest. Und: Wenn es solche gibt, was hindert Dich daran?

Robert Basic: Ideen habe ich unendlich, daran hat es noch nie gemangelt. Man lernt jedoch mit der Zeit, dass bloße Ideen nichts wert sind, sondern nur die Umsetzung derer. Da ich aber unmöglich alle diese Ideen umsetzen kann – man verzettelt sich irrsinnig schnell – übt man sich in Geduld und wartet auf den richtigen Zeitpunkt, aber auch den Moment, wo sich alle wichtigen Faktoren in einem Punkt kulminieren. Dazu gehört es auch, seine eigene Person mit allen Vor- und Nachteilen anzuerkennen. So ist es eine meiner Eigenheiten, dass ich bei vielen Dingen Feuer und Flamme sein kann, ebenso schnell aber wieder das Interesse daran verliere, wenn es durchgedacht ist. Routine ist mein Killer. :) Insofern läuft mein eigener Filterapparat auf eine etwas andere Art: Ich lasse Ideen reifen. Was dann nach Monaten und Jahren unter dem Strich übrig bleibt, ist es wert, sich genauer damit zu befassen. Das Marktumfeld selbst hat mich dabei nie besonders interessiert, denn ich betrachte unternehmerische Vorhaben gerne als mittelfristige Projekte. Die nach fünf bis zehn Jahren beweisen müssen, dass sie außer Hype – der beim Start extrem hilfreich sein kann und zugleich den Blick eintrüben kann – tatsächlich eine Substanz in sich tragen. Interessanterweise entspricht das übrigens auch der Dauer, bis sich ein Unternehmen stabilisiert hat und zu einem echten Marktteilnehmer gereift ist.

Als Vater hast Du auch Deiner Familie gegenüber eine große Verpflichtung. Wie groß war die Angst, als Du Dich mit Basic Thinking selbständig gemacht hast, dass die Einnahmen nicht reichen könnten?

Robert Basic: Die Krux an meiner Person ist, dass ich mich noch nie im Leben großartig für Geld interessiert habe, obgleich ich in einem Land lebe, wo die Menschen größtenteils alles vom Geld abhängig machen. Im Gegenteil, Geld betrachte ich als ein notwendiges Übel, das mir sozial gesehen nichts bedeutet. Worauf es mir ankommt, dass ich aus meinem Leben das mache, was mich ausfüllt. Geld ist völlig belanglos hierbei. Ich habe mich insofern immer auf eine einfache Rechnung verlassen, wenn es um das Existenzielle geht: Es reicht, wenn du dich in das, was du machst, sowieso aufgrund deines Naturells fanatisch reinkniest. Kohle bzw. Erfolg kommt dann ganz von selbst. Dieses Prinzip hat sich in der Schule, im Studium und in der Angestelltenzeit perfekt bewährt. Konnte mich wirklich nie über das Finanzielle beklagen. Das verschafft einem eine gewisse Sicherheit und ein Selbstbewusstsein, dass man nicht am Hungertuch knabbern muss. Nachdem ich mich selbständig gemacht hatte, musste ich erneut viele Dinge lernen, die in diesem Status notwendig sind. Nach einigen Auf und Abs hat sich das Finanzielle nun langsam stabilisiert, aber auch heute noch juckt es mich gar nicht, ob ich mich eines Tages Millionär oder Kirchenmaus schimpfen werde. Wenn ich mir allerdings meine Lebenszeitspanne hätte aussuchen dürfen, dann hätte ich wohl einen Zeitpunkt gewählt, der mich in ein Zeitalter rauskatapultiert hätte, wo Geld längst als äußerst dummes Missgeschick der Menschheit angesehen wird.

In diversen Interviews hast Du geäußert, dass Du Dich nicht aktiv um die Sponsoren-Akquise in Deinem Blog kümmerst. Wie können wir uns dann den Prozess vorstellen?

Robert Basic: Das ist im Grunde genommen recht banal: Die Unternehmen melden sich von sich aus. Solange das Blog Basic Thinking diesen Status genießt, muss ich mich nicht strecken und recken. Obgleich auch hier das Thema von vorhin zum Tragen kommt. Ökonomisch gesehen underperforme ich und verschenke eine Menge nicht vereinnahmtes Geld. Ich schätze, dass ich rund das Doppelte bis Vierfache einnehmen könnte (ausgehend von 3.000 Euro im Monat). Hinzu kommt die Tatsache, dass es ein Leichtes wäre, das Blog thematisch zu fokussieren und damit ein Werbeumfeld zu schaffen und den Traffic hochzujagen. Was erneut einer Verdoppelung der Einnahmen gleichkäme. Das ist auch der Grund, warum ich nur raten kann, sich bei entsprechender, persönlicher Bauart mit einem Blog zu befassen, sollte man ein Einnahmemodell suchen, das das Angestellteneinkommen übertreffen kann. Es ist wirklich nicht schwer, egal ob sich das nun arrogant oder nicht anhört. Wer Feuer und Flamme für ein Thema ist, das Web als Dialogmedium wie die Hölle liebt und das Bloggen atmet, kann nicht viel falsch machen.

Wo selbst ziehst Du die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum? Worüber würdest Du bei Basic Thinking niemals schreiben?

Robert Basic: Ich taste mich immer weiter vor. Es ist schwer zu sagen, was ich in fünf Jahren nicht schreiben werde. Heute sieht es so aus, dass ich mein familiäres Umfeld weitestgehend außen vor lasse. Auch dunkle Seiten meiner Person blende ich eher häufiger als seltener aus. Warum das so ist? Das geschriebene Wort eines Artikels verkürzt Personen sehr stark. Und die meisten Menschen sind nicht fähig, Mitmenschen in ihrer Gesamtheit zu akzeptieren. Im Guten wie auch im Schlechten. Einer meiner Wahlsprüche ist “Nobody is perfect”. Nur zu häufig lese ich auf Blogs immer wieder, wie sich Menschen über Dritte persönlich auslassen, was ich mehr als beschämend finde, wenn man Personen nicht unmittelbar und länger kennt, sich dermaßen herabzulassen. Aber wir sind eben die Menschen, die wir nun einmal sind. Alles Aspekte, die eine Rolle bei mir und bei anderen Bloggern spielen, wo man den Cut macht, was privat und was öffentlich ist. Meine Hoffnung ist, dass wir uns auch im Netz viel mehr Zeit gönnen, andere Menschen wahrzunehmen, ohne ein “finales” Werturteil zu fällen.

2009 könnte, sofern einige so genannte Experten Recht behalten, das wirtschaftlich schlimmste Jahr seit Menschengedenken werden. Welche Chancen siehst Du? Was wird gehen, und was nicht?

Robert Basic: Ganz ehrlich? Wir leben in einem der reichsten Länder auf Erden, wo es tatsächlich schwer fällt, dass ein Mensch verhungert oder ohne medizinische Versorgung bleibt. Diese anderen Zeiten gab es zu Genüge im frühen Mittelalter bis hin zur Neuzeit vor rund 50 Jahren (was die genauere Geschichtsschreibung angeht). Was wir heute sehen, das ist im Grunde genommen echter Wohlstand, nicht der Wohlstand, den man über den Besitz von Häusern, Autos und einem dicken Bankkonto definiert. So gesehen wird es ein Jahr wie jedes andere auch, was manchen etwas mehr Sorgen bereiten wird, wenn sie ihren Kündigungsbrief aufmachen. Das schmerzt. Echte Schmerzen über einen knurrenden Magen und ein krankes Kind, das man mangels Finanzen nicht behandeln lassen kann, kennen wir hierzulande Gott sei Dank nicht, und es schmerzt mich sehr, dass es Eltern auf dem Globus gibt, die ihre Kinder beim Sterben sehen müssen, “nur” weil sie sich die Medikamente nicht leisten können. Das ist ein Schandfleck für uns alle. Mit dieser existentialistischen Einstellung stehe ich jedoch weitestgehend alleine, wenn Du mich nach der Wirtschaft 2009 fragst. Pragmatisch gesehen reden wir in der Ökonomie von Zyklen. Die kommen und gehen. Die Menschen werden 2009 und wohl auch 2010 den Gürtel enger schnallen müssen. Ich hoffe nur, dass sich der Frust der Menschen nicht politisch niederschlägt.

Wenn man Dich persönlich trifft und spricht, machst Du einen sehr freundlichen und zuvorkommenden Eindruck. Auf Podien hingegen scheinst Du Dich zu langweilen und weniger wohl zu fühlen. Empfindest Du den Status „Deutschland Top-Blogger“ bisweilen auch als Belastung?

Robert Basic: Ich bin weder das eine Extrem noch ein anderes Extrem. Ich bin wie jeder Andere auch eine Mischung aus guten und schlechten Eigenschaften. Die je nach Situation mal mehr mal weniger einseitig zu Tage kommen. Was den Status als Blogger angeht, muss man das ins rechte Licht rücken. Ich bin weder ein Bohlen noch ein gottgleicher Obama-Messias. Das sind Superpromis, bei denen ich mich wundere, wie die mit ihrer Rolle klarkommen. Insofern kann man kaum von einer echten Belastung sprechen. Vorhin sprach ich davon, dass ich nicht mehr so frei wie früher beim Bloggen bin, was sich aber in Grenzen hält, wenn ich das Arschloch in mir auspacke und die Menschen teils zur Weißglut bringe. Es korrigiert das Bild, was ein “Top-Blogger” ist. Einfach nur ein Mensch wie jeder andere auch ist etwas, das mich als Mensch ausmacht. Ich bin nicht mehr und nicht weniger wert als andere, egal, ob die bekannt oder unbekannt sind. Würde ich was auf meinen “Status” geben, wäre ich genau das, was ich an anderen Menschen förmlich verachte.

Kaum ein Blogger kennt sich in der Gründerszene und mit innovativen Diensten so gut aus wie Du. Welchen Leitsatz von Robert Basic sollten sich Gründer hinter die Ohren schreiben?

Robert Basic: Oh, da habe ich zwei von vielen “Leitsätzen”, unabhängig davon, dass es wohl keine Leitsätze für einen Joop, für einen Fischer, für einen Gates noch einen Branson gibt und gab, die ihnen geholfen hätten. Einmal als Leitsatz für eiserne Disziplin und unendliche Ausdauer: “Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen”. Und einmal für diejenigen, die gerne zweifeln: “Just do it!”. Ein dritter Leitsatz ist aber wohl der Wichtigste: “Gib niemals auf!”. Egal, ob man scheitert, man kommt wieder. Immer, man darf sich niemals aufgeben! Das schuldet man sich selbst.

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