Erfolgsgeschichten: Platform-A
Es ist noch gar nicht so lange her, als uns Boris Becker erklärte, dass wir mit AOL „rein“ ins Internet kommen und dass das doch ganz einfach ist. Mittlerweile steht die Marke AOL nicht mehr für das so genannte „Zugangsgeschäft“, in Deutschland ist AOL derzeit hauptsächlich die Platform-A, ein Online-Vermarkter. Platform-A wurde erst im letzten Jahr gegründet, gehört aber schon jetzt zu den Schwergewichten der Branche. An der Spitze steht mit Harald R. Fortmann ein Mann, der Gadgets und die Marke Apple liebt sowie leidenschaftlich blogt. Im Interview verrät er, wie er mit Platform-A weiter wachsen möchte, was das Jahr 2009 bringt und was man unbedingt braucht, um online ein erfolgreiches Geschäft aufzuziehen.
Seit etwas mehr als einem halben Jahr sind Sie Geschäftsführer der Marke Platform-A. Wie verlief der Start?
Harald R. Fortmann: Platform-A wurde in Europa intern Ende Juni 2008 gelauncht, der offizielle Startschuss für Deutschland war dann anlässlich der online-marketing-düsseldorf im September 2008: Dort konnten wir uns den Werbetreibenden und Agenturen in Deutschland und Europa präsentieren. Wie bei jeder Fusion von Unternehmen mit verschiedenen Unternehmenskulturen mussten wir anfangs der Skepsis seitens der Mitarbeiter und der Kunden begegnen und erst mal erklären, was es denn mit dem digitalen „One-Stop-Shop“-Konzept auf sich hat. Das Interesse war und ist enorm, und das herausfordernde Jahr 2009 verlangt mehr denn je nach einer Defragmentierung des Online-Werbemarktes.
Platform-A ist das aktuelle Kerngeschäft der einstigen Weltmarke AOL in Deutschland. Was ist schwieriger: Sich mit Platform-A unter den größten Vermarktern zu behaupten oder der Allgemeinheit klar zu machen, dass man mit AOL nicht mehr „reinkommt“.
Harald R. Fortmann: Platform-A zählte vom Tag 1 an in Deutschland bereits zu den größten Vermarktern, wobei die AGOF ja bisher nur die Unique User aus der Exklusiv-Vermarktung mit Platform-A Media zählt – hierunter fallen neben den AOL Webseiten unsere Mandanten wie StayFriends, gutefrage.net oder onlinewelten.de; der Bereich Platform-A Networks – das ehemalige Advertising.com Geschäft – wird noch nicht berücksichtigt. In den aktuellen AGOF internet facts 2008-III werden wir mit einer Reichweite von 11,96 Mio Unique User auf Platz 8 gelistet; durch die Akquise weiterer reichweitenstarker Mandantenseiten erheben wir in Zukunft einen Anspruch auf eine Position innerhalb der TOP 5. Das Platform-A Network Geschäft steht bereits seit längerem auf der ersten Position unter den Werbenetzwerken in Deutschland, Europa und weltweit. Mit dem über 600 Webseiten umfassenden Netzwerk haben wir in Deutschland laut Nielsen (Dezember 2008) eine Reichweite von 81,7%, was über 32 Millionen Uniques entspricht.
AOL konzentriert sich seit dem Verkauf des Zugangsgeschäfts in Europa auf die Online-Vermarktung, auf digitale Inhalte und Produkte sowie auf soziale Netzwerke – nicht zuletzt durch den Zukauf von bebo. Dort sehen wir das Wachstum, dort hat AOL weltweit in den letzten zwei Jahren über zwei Milliarden Dollar investiert.
Ist der aktuelle achte Platz im Vermarkter-Ranking der AGOF ein Erfolg?
Harald R. Fortmann: Ein guter Start. Seit dem Start von Platform-A letztes Jahr haben wir unsere Reichweite um 2 Millionen Unique User vergrößert. Wenn wir innerhalb der ersten fünf Plätze gelistet werden, sprechen wir von einem Erfolg.
Eben dieser fünfte Platz befindet sich nicht außer Sichtweite. Was muss passieren, damit Platform-A 2009 im Ranking noch einige Plätze steigt?
Harald R. Fortmann: Bei der nächsten AGOF-Welle (if 2008-IV), die Mitte März veröffentlicht wird, rechnen wir für Platform-A Media mit einer weiteren Reichweitensteigerung. Sowohl bestehende Partnerwebsites als auch neue Portfolio-Partner, die dann erstmals mitgemessen werden, verzeichnen steigende Nutzerzahlen. Ich bin überzeugt, dass Platform-A in der multioptionalen Online-Welt gut aufgestellt ist. Der Onlinemarkt wächst, und auch die Inhalte verlagern sich, Video-Inhalte werden weiterhin wichtige Akzente setzen. Internetnutzer stellen ihr eigenes Programm zusammen.
Ganz nebenbei – als bekennender Apple-Jünger – hab ich mir neben AIM und icq auch gleich die neue Version der Truveo Videosuche für das iPhone geladen. Damit kann ich problemlos die aktuellen Sporthöhepunkte schauen!
Für die Online-Vermarktung aber bedeutet das die Chance, Werbung in einem interaktiven und aufmerksamkeitsstarken Umfeld zu schalten. Platform-A reagiert darauf in diesem Jahr zum Beispiel mit einem Videonetzwerk, über das Werbung auch mit Performance orientierter Abrechnung ausgeliefert werden kann.
Auch ist einer unserer Schwerpunkte die Premiumvermarktung im Bewegtbild. Hier setzen wir unter anderem mit der Vermarktung von tape.tv neue Akzente. tape.tv ist Musikfernsehen im Internet und eines der Internetprojekte, die es seit langem wieder geschafft haben, mich zu begeistern.
Gab es vor ein paar Monaten noch die Optimisten, die meinten, die Krise würde die Medienbranche nicht betreffen, wurden wir mittlerweile eines Besseren belehrt. Was bedeutet die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung für Platform-A?
Harald R. Fortmann: Das Krisenjahr 2009 dient als Wachstumsmotor für die Online-Branche. Wir rechnen allesamt im Online-Marketing mit starken Marktzuwächsen – nicht zuletzt aufgrund von Umschichtungen von Print-Budgets auf Online-Werbung. Davon wollen wir uns natürlich ein großes Stück sichern.
Sie sagen von sich selbst, sie bieten alle gängigen Werbeformen im Netz an. An welche Online-Werbeform glauben Sie selbst am meisten? Wo ist noch Luft nach oben?
Harald R. Fortmann: Video ist eine ganz spannende Werbeform. Aber viel wichtiger als die Werbeform, gerade in Zeiten der Finanzkrise, ist die Effizienz: Erfolgreich wird sein, was sich rechnet. Deshalb ist für uns im Online-Marketing die Messbarkeit von Reichweiten und Erfolg einer Kampagne der heißeste Trend. Ohne Frage werden mittelfristig auch mobile Formate erfolgreich, nicht zuletzt durch Innovationen wie dem iPhone getrieben. Hier wird nur das herausfordernde Jahr 2009 die Investitionen ein wenig bremsen.
Viele Kritiker bemängeln die Reichweitenmessung über Page Impressions. Sie würde zu sinnlos verlängerten Klickstrecken und Substanzlosigkeit führen. Teilen Sie diese Meinung, und sehen Sie eine Alternative?
Harald R. Fortmann: Hier gibt es bereits erste Ansätze nicht nur die Page Impressions sondern auch die jeweilige Verweildauer auf Webseiten zu berücksichtigen. Man muss dabei beachten, welchen Zweck eine Webseite erfüllt. Wenn sich jemand beispielsweise auf einer Suchmaschine sehr kurz aufhält, ist das nicht als negativ zu werten, da der User offensichtlich rasch Antworten auf seine Suchanfrage gefunden hat. Gleichzeitig muss es nicht zwingend positiv sein, wenn jemand auf einer Portalwebsite längere Zeit verweilt. Es kommt immer darauf an, was man aus den Daten liest. Eine „Einheitswährung“ in Zeiten der Diversifikation im Internet aufzubauen, ist schwieriger denn je.
Platform-A vermarktet mit Asylum, Engadget und Autoblog auch drei Blogs – das jedoch auf sehr klassische Art und Weise über Banner. Ist das die Zukunft der Blog-Vermarktung? Haben Blogs überhaupt eine Chance, in Deutschland kurzfristig vermarktet zu werden?
Harald R. Fortmann: Wir verfolgen die Strategie, europaweit eigenständige Marken und Inhalte aufzubauen, um so auch Nischenmärkte zu bedienen. Hierbei bauen wir u.a. mit spezialisierten Interessenseiten wie Engadget auf Online-Trends jenseits der Portalinhalte. Die Anmutung an ein Blog ist gewollt, doch nicht genau vergleichbar. Die Blogvermarktung an sich ist in Deutschland mit Sicherheit zukunftsträchtig, Sascha Lobo muß hier noch weiter die Werbetrommel schlagen. Die klassische Vermarktung mit Bannern ist erst der erste Schritt, kreativere Wege müssen ohne Zweifel folgen.
Sie betreiben selbst einen Blog, indem es nicht nur um Ihr Business sondern auch um „leichte Kost“ wie die „Victoria’s Secret Show“ oder um Apple und Lego geht. Was bedeutet Ihnen Ihr Blog?
Harald R. Fortmann: Mein Blog… Das arme Blog hat in den letzten Monaten sehr gelitten. Der Aufbau von Platform-A hat mich extrem beansprucht. Es blieb leider nur wenig Zeit für wertvolle Beiträge. Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Was mich treibt und tagtäglich motiviert, ist meine Leidenschaft für das Medium Online und die Werbewirtschaft, neben den herausragenden Menschen, mit denen ich arbeiten kann. Diese Leidenschaft lebe ich aus und bezeichne mich selbst auch als Early Adaptor oder Gadget Guy. Kein Spielzeug, insbesondere nicht von Apple, das nicht am Erscheinungstag bei mir ankommt. Mein Blog sollte dazu dienen, meine persönliche Meinung zu Marktentwicklungen, Produkten, etc. darzustellen. Jeder kann sich ja heute aussuchen was er liest, aber ich habe immer viel positives Feedback zu den Inhalten erhalten, insbesondere von meinen Studenten. Apple ist ebenso eine Leidenschaft, und Lego hat den Weg in mein Blog über einen Apple Store in einer Legolandschaft gefunden…
Einer meiner Vorsätze für 2009 ist wieder die Wertigkeit meiner Beiträge zu steigern und einen Mehrwert zu bieten. Ab Februar ist mindestens ein wöchentlicher Beitrag zu aktuellen Online-Themen geplant.
Trotz der bereits angesprochenen Krise gibt es gerade im Online-Segment viele Unternehmensgründungen. Welchen Tipp von Harald R. Fortmann sollten sich Gründer hinter die Ohren schreiben und nie wieder vergessen?
Harald R. Fortmann: “It´s not about money, it´s about passion.”
Wer das schnelle Geld im Internet sucht, sucht in der Regel vergeblich. Wer eine gute Idee hat, für die er brennt, der hat eine echte Chance in diesem Haifischbecken zu überleben. Von den ganzen Ideen, die mir immer wieder, auch in meiner Funktion als BVDW Vizepräsident, vorgestellt werden, sind nur einige wenige dabei, die mich wirklich begeistern – so zuletzt eben tape.tv. Der Gründer Conrad Fritzsch und seine Partnerin sind erfrischend – leidenschaftlich und kreativ… Eine Hammer-Mischung! In Deutschland muss es sich noch etablieren, dass eine nicht erfolgreiche Unternehmung kein Versagen ist. Aufstehen, immer wieder aufstehen und weiter kämpfen! Und wer mal meine Meinung zu einem Projekt hören will, ist immer willkommen!
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