Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Nico Lumma im Interview zu Social Media

Nico Lumma ist einer der bekanntesten Social Media-Berater Deutschlands. Gerade wurde er von kress zum „Web-Wunderkind“ geadelt – trotz seines mittlerweile reifen Alters. Vor einigen Wochen heuerte er bei Scholz & Friends an und wird als Director Social Media dafür Sorge tragen, dass Unternehmen künftig noch öfter und intensiver mit Usern im Internet in Kontakt treten und sich mit ihnen austauschen werden. In einem kurzen Interview verrät Nico Lumma, was er unter dem Begriff Social Media versteht, für wen sich Social Media lohnt und wie Social-Media-Aktivitäten auszusehen haben.

Was genau versteht man unter dem Oberbegriff „Social Media“?

Nico Lumma: Ich verstehe unter dem Begriff Social Media einen großen Tei dessen, was man auch als Web 2.0 oder Mitmach-Web bezeichnet. Also weniger die runden Ecken, sondern die Tatsache, dass Menschen sich online miteinander austauschen und ein Beziehungsgeflecht entstehen lassen. Das Spektrum reicht von Blogs über flickr und Youtube bis hin zu socialen Netzwerken wie Facebook oder wer-kennt-wen, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Wieso ist Social Media wichtig?

Nico Lumma: Social Media ist wichtig, weil es letztendlich dafür sorgt, dass wir das Internet wieder als das begreifen, als was es ursprünglich mal geplant war: als Kommunikationsnetz. Wir haben jetzt die Möglichkeiten, von denen man in den letzten zehn Jahren immer geredet hat. Die Mehrheit der Bevölkerung ist online, fast die Hälfte davon ist in sozialen Netzwerken zu finden und die Kommunikation untereinander nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein. Damit einhergehend sieht man eine völlige Veränderung des Rezeptionsverhaltens online. Wer die Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Barack Obama wie ich auf Facebook gesehen hat, der kann nachvollziehen, wie sehr das Gespräch mit Freunden online als Begleitung zu Events mittlerweile an Relevanz gewonnen hat.

Welche Voraussetzungen muss man in einem Unternehmen schaffen, um Social Media anwenden zu können?

Nico Lumma: Damit Unternehmen Social Media nutzen können, muß eine gewisse Freude an der Kommunikation vorherrschen und ein Verständnis dafür vorhanden sein, dass die angesprochenen Menschen unter Umständen sogar antworten und einen Dialog erwarten. Die Unternehmen müssen sich auch ein Stück weit von der “Reichweite ist alles”-Denke verabschieden und sich eher daran orientieren, wie sie möglichst genau ihre Zielgruppen ansprechen können.

Viele Unternehmen setzen mittlerweile auf ein Corporate Blog. Welches sind in Deutschland die „Best Cases“?

Nico Lumma: Corporate Blogs werden in der Tat immer üblicher bei Unternehmen, auch wenn dies natürlich in Deutschland immer noch etwas zögerlich passiert. Zu den Best-Cases in Deutschland würde ich das Frosta-Blog und das Daimler-Blog zählen, weil sie aus meiner Sicht dafür sorgen, dass die vielen Facetten der jeweiligen Unternehmen aus der Sicht der Mitarbeiter präsentiert werden.

Was macht ein gutes Corporate Blog aus?

Nico Lumma: IMHO gibt es keine einfache Matrix aus der hervorgeht, was ein gutes Corporate Blog ausmacht. Zum einen muss geklärt sein, wie das Kommunikationsbedürfnis des Unternehmens aussieht und wer mit diesem Blog erreicht werden soll. Hinzu kommen die Themen, die für das Unternehmen relevant sind und die Art der Aufbereitung im Blog. Entscheidend ist allerdings aus meiner Sicht, dass ein Corporate Blog nicht autark irgendwo in der Blog-Landschaft stehen kann, sondern die Betreiber des Corporae Blogs auch dafür sorgen sollten, daß auf Kommentare reagiert wird, dass auf andere Blogs reagiert wird und dass deutlich wird, dass das Corporate Blog keine Alibi-Veranstaltung a la “wir haben jetzt auch einen Blog” ist, sondern dass das jeweilige Unternehmen es ernst meint mit dieser Art der Kommunikation.

Wenn Nico Lumma Unternehmen beraten würde, die sich mit der Einführung eines Corporate Blogs beschäftigen oder beschäftigen sollen, mit welchen maximal zwei Sätzen würde er sie zu überzeugen versuchen?

Nico Lumma: Ein Corporate Blog macht Sinn, wenn mit einem Diskurs-orientierten Medium der Versuch unternommen werden soll, das eigene Unternehmen, die Marken und Produkte sowie die relevanten Themen für eine interessierte Zielgruppe online zu präsentieren. Unerwartetes Feedback und viele Erkenntnisse werden die Ernte eines guten Corporate Blogs sein.

Was darf ein Corporate Blog niemals sein?

Nico Lumma: Ein Corporate Blog sollte niemals die Recyclingstelle für Pressemitteilungen sein.

Nach Blogs ist twitter das „Next Big Thing“. Welche Unternehmen sollten twittern? Und wie sollte die Kommunikation per twitter aussehen?

Nico Lumma: Für Twitter gilt ähnlich wie für Blogs, dass nur die Unternehmen twittern sollten, die damit umgehen können, dass die Kommunikation auf Twitter einen diskursiven Charakter hat, im Gegensatz zu Blogs aber quasi in Echtzeit erfolgt. Die Kommunikation auf Twitter sollte zurückhaltend sein, aber aktuelle relevante Diskussionen gekonnt aufgreifen.

Ist Social Media messbar?

Nico Lumma: Viele Unternehmen arbeiten derzeit daran, Social Media messbar zu machen. Da in diesem Bereich sehr viel im Fluss ist, gibt es auch nicht das eine Tool, das alles kann, sondern eine Vielzahl von Tools, die Unternehmen nutzen sollten. Scholz & Friends bietet beispielsweise mit TopicTracker ein umfangreiches Analysetool an, das Unternehmen in die Lage versetzt, einen Überblick über die derzeitige Lage zu einem bestimmnten Themenbereich (Produkt, Marke, etc.) zu bekommen, versehen mit einer entsprechenden Interpretation der Daten durch die Scholz & Friends Strategy Group.

lumma

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4 Kommentare zu “Nico Lumma im Interview zu Social Media”

  1. Raventhird sagt:

    Ich fasse mal die Aussagen des Herrn in einem Satz zusammen: “Im Internet geht es um Dialog, nicht um One-To-Many-Kommunikation.”

    Mein Kommentar dazu: “Ach, echt? Unglaublich.”

  2. Hendric sagt:

    1. Gedanke beim Foto: Lumma – Starschnitt. Fortsetzung am Donnerstag (?) in der Bravo :-)

    Nettes Interview, verlangt aber imo nach einer Fortsetzung.

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