Olaf Kolbrück im Interview zu Social Media
Olaf Kolbrück beschäftigt sich schon qua seines Amtes – als Reporter für die Bereiche Internet und E-Business für das Branchenblatt Horizont – nicht nur mit Start-Ups und florierenden Internet-Unternehmen sondern auch mit neuen Kommunikationstechniken. Als Blogger schreibt er für off-the-record und twittert auch unter eben diesem Namen. Wie definiert Olaf Kolbrück – als Produzent und Konsument – Social Media?
Was genau versteht man unter dem Oberbegriff „Social Media“?
Olaf Kolbrück: Social Media verändert die Art der Kommunikation. Der Sender wird zum Empfänger, der Empfänger zum Sender. Es ist das Ende der Passivität des Konsumenten. Die Konversation bewegt sich im einem offenen, dynamischen und interaktiven Umfeld, in dem mit den Instrumenten des Web 2.0 ständig wechselnde Verknüpfungen möglich sind.
Wieso ist Social Media wichtig?
Olaf Kolbrück: Die Veränderung der Kommunikation in einer Welt gleichberechtigter, wenn auch nicht zwingend gleichwertiger Sender, führt zu Veränderungen in der Wahrnehmung und Verbreitung von Botschaften. Die Vernetzung lässt zugleich neue Verbindungen entstehen und erlaubt neue Formen der Kollaboration.
Welche Voraussetzungen muss man in einem Unternehmen schaffen, um Social Media anwenden zu können?
Olaf Kolbrück: Zunächst einmal müssen Unternehmen lernen zuzuhören und begreifen, dass ihre hierarchische Unternehmenskultur nicht auf die vernetzte Welt übertragbar ist.
Viele Unternehmen setzen mittlerweile auf ein Corporate Blog. Welches sind in Deutschland die „Best Cases“?
Olaf Kolbrück: Daimler-Blog und Frosta-Blog zeigen, dass man den offenen Dialog, so chaotisch er auch auf den ersten Blick erscheinen mag, nicht fürchten muss. Wer seine Kunden menschlich und respektvoll behandelt, bekommt auch das entsprechende Feedback.
Was macht ein gutes Corporate Blog aus?
Olaf Kolbrück: Es kommt natürlich auf die jeweilige Zielsetzung an. Im Kern sind aber Dialogbereitschaft, Verständnis für die Nutzer, die Akzeptanz anderer Meinungen und Transparenz, gerade auch wenn es darum geht deutlich zu machen, worüber nicht gebloggt werden soll, wichtige Elemente für die Akzeptanz. Gute Corporate Blogs versuchen immer auch, einen Fokus auf die Interessen der Leser zu setzen.
Wenn Olaf Kolbrück Unternehmen beraten würde, die sich mit der Einführung eines Corporate Blogs beschäftigen oder beschäftigen sollen, mit welchen maximal zwei Sätzen würde er sie zu überzeugen versuchen?
Olaf Kolbrück: Mit einem Corporate Blog holt sich das Unternehmen die Gespräche als Gastgeber an den Kaffeetisch im eigenen Garten. Ohne Blog muss es sich mühselig über fremde Gartenzäune bequemen.
Was darf ein Corporate Blog niemals sein?
Olaf Kolbrück: Wer die Plattform als Abladestelle für Pressemitteilungen, Produktinfos und die Darstellung des Unternehmensprofils missbrauchen will, der braucht gar nicht erst mit dem Blog anfangen.
Nach Blogs ist twitter das „Next Big Thing“. Welche Unternehmen sollten twittern? Und wie sollte die Kommunikation per twitter aussehen?
Olaf Kolbrück: Wer zuhören kann und an einem Dialog jenseits des reinen Werbesprechs interessiert ist, der mag auch twittern. Dazu gehört aber auch der Mut, Persönlichkeit und Profil zu zeigen. Es ist kein Platz für einen Monolog in 140 Zeichen. Unternehmen sollten deshalb nicht Eigenwerbung versenden, sondern Tipps und Mehrwert bieten. Der darf ruhig zur Marke passen und das Unternehmen betreffen, wenn er die Interessen der Follower anspricht.
Ist Social Media messbar?
Olaf Kolbrück: Es gibt verschiedene Wege, quantitative Messgrößen zu erhalten. Auch wenn diese noch nicht immer die Validität der Tools für klassische Medien haben. Das muss kein Nachteil sein. Denn im Bereich Social Media ist neben der Quantität die Wertung der Qualität der Konversation die elementare Aufgabe.

Tags: Corporate Blogs, interviews, olaf kolbrück, social media, web 2.0

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