Ein Nachruf auf die Vanity Fair
Die Vanity Fair wird eingestellt.
Ich bin mir sicher, dass es nun nicht Wenige gibt, die einen kleinen Tanz hinlegen und sich diebisch freuen, weil sie es schon immer wussten, dass sich so ein Format in Deutschland nicht durchsetzen kann. Die Vanity Fair sei nicht seriös genug, um in den Büros als Leitmedium durchzugehen, und zu abgehoben, um die Kaffeekränzchen zwischen Wittenberge und Witten zu erreichen. Die Vanity Fair sei weder Fisch noch Fleisch.
Das mag alles sein, aber ich habe sie sehr gerne gelesen. Woche für Woche. Von der ersten bis zur morgen erscheinenden letzten Ausgabe.
Ich gebe zu, dass mich nur wenig Artikel begeistert oder bewegt haben (so viel zum Thema Leitmedium), aber die Vanity Fair hat mich abgelenkt, mir Reiseziele, kulturelle Veranstaltungen und Design näher gebracht. Sie hat mich in vielen Punkten zumindest ein wenig gebildet (auch weil ich in diesen Punkten sehr großen Nachholbedarf hatte).
Vielleicht ist nicht die Krise sondern Deutschland das Problem. Auch die Park Avenue, Konkurrent zur Vanity Fair, liegt schon auf dem Zeitschriftenfriedhof. Vielleicht sind wir Deutschen einfach zu bodenständig, um von Luxus zu träumen. Solange es um Promis (wie in der Bunten oder Gala) geht, können wir immerhin unseren bekannten Neid auspacken und uns künstlich darüber aufregen, dass die Garderobe von Suri Cruise teurer ist als unsere komplette Wohnungseinrichtung. Vielleicht sind wir doch so, wie wir im Ausland noch immer oft wahrgenommen werden: Grummelig, ein wenig introvertiert und geschmacklos. Vielleicht passen Hochglanzformate wie Park Avenue oder Vanity Fair einfach nicht nach Deutschland.
Letztendlich ist es auch egal. Die Vanity Fair wird eingestellt. Und wenn ich am Ende der Einzige sein werde, der sie vermissen wird, so werde ich das voller Herzblut tun.
Tags: medien, park avenue, vanity fair

Oh, ich freue mich im Übrigen auch nicht. Im Gegenteil. Kritik ist an der VF aber dennoch angebracht. Ich hoffe, dass es aber irgendwann weiter geht. Mit einer “neuen Vanity Fair für Deutschland”
Ich finde es auch sehr schade, dass die Zeitung aufgibt. Zumindest im Urlaub in Amerika oder England werden wir sie aber noch genießen können.
Für mich war die VF immer mehr sowas ein ein gedrucktes “RTL Exklusiv”. Als ich sie früher ab und an las traf dieses Vorurteil nicht zwingend zu. Aber letztlich überwiegte es doch. Ich habe nie verstanden, wozu man sowas braucht. Wer elitär sein will, kann das auch aus sich heraus (Bildung, Sozialistaion, kulturellen Prägung), dazu brauch es kein Medium. Aber VF war nichtmal dass, sondern eher sowas wie eine Lifestyle-Journalismus-Simualtion für eine nicht existierende Zielgruppe.