Cebit – ein Erfahrungsbericht
Ich war sehr gespannt, was die Cebit bringen wird. Immerhin war es die erste große Messe, die ich seit Ausbruch der Krise besuchen würde. Nun, da ich sie gesehen habe, wage ich zu behaupten, dass die Cebit auch weiterhin eine Daseinsberechtigung hat. Aus folgenden Gründen.
1. Innerhalb der digitalen Branche nehme ich eine Fokussierung auf das Wesentliche wahr. Keine großen Partys, keine überdimensionierten Stände (außer bei der Telekom), keine pompösen Werbegeschenke. Weniger ist mehr – und das ist auch in Ordnung so. Die Cebit ist keine Consumer-Messe, es geht um das Geschäft. Und das kann man auch an einfachen Tischen bei einem Wasser besprechen.
2. Die Webciety und das erneuerte Programm. Ich gebe es zu: Ich dachte, es würde nicht funktionieren, junge Unternehmen auf die Cebit zu holen. Ich habe mich geirrt. Es funktioniert – und das sehr gut. Die Webciety sticht aus der Masse der teils aufwändigen, größtenteils aber sehr einfallslos gestalteten Stände deutlich hervor. Während viele – vor allem kleine – Präsenzen aussehen, als seien sie 1999 konzipiert worden, spiegeln die modernen Webciety-Stände die Gegenwart – wenn nicht sogar die Zukunft – wider. Zudem: Vielleicht habe ich die letzten Jahre geschlafen, aber zuletzt sah ich kaum interessante Veranstaltungen. Dieses Jahr bietet sich ein komplett anderes Bild. Sowohl im Trendforum der Telekom als auch vor allem im Rahmen der Webciety gab es sehr aufschlussreiche und auch sehr kontroverse Diskussionen, die mir wertvolle Denkanstöße boten.
Eine Messe lebt primär von der Anzahl der Aussteller. Insofern sieht es nicht gut für die Cebit aus – 25 Prozent sind ein dramatischer Rückgang.
Aber: Das Konzept der Webciety ist aufgegangen, weil es für Zündstoff sorgt, indem es Vertreter der traditionellen Wirtschaft mit denen der alten New Economy und auch denen der aktuellen Web-2.0-Bewegung zusammenbringt: Es ist, als ob man Studenten, die noch mitten in der Ausbildung stecken, in einen elitären Altherren-Club aufnimmt. Die Altherren verteidigen ihr Gebiet, obwohl sie doch wissen, dass ihr Wissen veraltet, ihre Techniken überholt und ihre Zeit begrenzt ist. Aber sie verfügen über einen großen Erfahrungsschatz, von dem die Jungen profitieren könnten, wenn sie denn einmal zuhören würden, was ihnen schwerfällt, weil sie meinen, alles Bewährte sei falsch und gestrig.
Um der Webciety willen wäre es gut, wenn es auch 2010 eine Cebit geben würde, damit die alte New Economy erneut auf die neue New Economy trifft – dann vielleicht schon auf Augenhöhe.
Tags: cebit, webciety09
