Am 27. September wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Am 27. September entscheiden wir durch die Abgabe unserer Stimmen, von wem und wie wir in Zukunft regiert werden möchten.
Vor einem Jahr, so lange ist das noch gar nicht her, sprachen unsere Politiker noch über die drohende Klimakatastrophe und diskutierten Konzepte, wie man diese zumindest aufschieben könnte. Ebenso waren Bildung und Familienpolitik zentrale Themen. Zwar ohne nachhaltige Konzepte, doch immerhin ging es thematisch um Ideen für die Zukunft. Dann jedoch kam die Wirtschaftskrise und hat alles verändert. Seitdem bestimmen Kurzarbeit, Konjunkturpakete und Kapitalmärkte die politische Debatte.
Ich erinnere mich noch gut an den 4. November 2008. Es war der Tag, an dem Barack Obama in den USA die Wahlen gewann. Millionen auf der ganzen Welt saßen vor ihren Fernsehern und Computern und waren Zeuge, als etwas Großes passierte. Dieser Tag war geschichtsträchtig. Nicht nur weil Obama eine andere Hautfarbe als seine Vorgänger hat, sondern vor allem weil er für eine neue Politik und eine neue Art des Denkens steht: Vorbei soll die Zeit sein, in der sich das Weiße Haus von seiner Bevölkerung abschottet. Obama möchte nicht nur das amerikanische Volk über seine Konzepte stärker informieren, er möchte ihnen auch die Möglichkeit geben, am Gesetzgebungsprozess bis zu einem gewissen Grad zu partizipieren.
Der Wahlkampf ist auch immer die Zeit der großen Versprechungen. „Steuern runter“, „Arbeit für Alle“, „Chancengleichheit“ und so weiter. Ich bin 29 Jahre alt, das werden meine vierten Bundestagswahlen. Selten zuvor hatte ich das Gefühl, dass meine Stimme so wichtig ist wie jetzt. Schließlich befinden wir uns in der größten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Selten zuvor war ich mir aber so unsicher, welcher Partei ich meine Stimme geben soll.
Die Krise wird unser Leben nachhaltig verändern. Zumindest sollten wir die Krise nutzen, um längst notwendige Veränderungen vorzunehmen. Wenn wir die Krise schon durchleben müssen, dann soll sie auch zu etwas gut sein. Wir sollten uns bewusst werden, dass es Gründe gibt, warum es überhaupt zu einer Krise kam, welche Chancen sie uns bietet und wie wir sie nutzen können. Zumindest wäre ich dankbar, wenn man mir als Bürger die Chance geben würde, an politischen Prozessen zu partizipieren. Ohne dass ich in eine Partei eintreten muss. (Hintergrundinformation: Ich war mal Mitglied der SPD, bevor ich sehr enttäuscht mein Parteibuch zurückgab.) Ich würde mich freuen, wenn Obamas Beispiel Schule machen würde und es leichter wäre, sich (virtuell) einbringen könnten.
Gerade jetzt im Wahlkampf entwerfen Parteien Konzepte, die die nächsten vier Jahre und auch die Zukunft darüber hinaus prägen sollen. Warum gibt man uns, dem Volk, nicht zumindest die Chance, an diesen Konzepten mitzuarbeiten? Steinmeier veröffentlicht einen Plan für Deutschland, der 67 Seiten umfasst. Kaum jemand von uns macht sich die Mühe, diesen Plan zu lesen. Stattdessen diskutieren wir über Ulla Schmidts Dienstwagen und den Ausschnitt einer CDU-Kandidatin. Warum ist das so? Weil wir das Gefühl haben, dass „die da oben eh machen, was sie wollen“. Dieser Zustand ließe sich nur dann ändern, wenn man uns wirklich beteiligen würde. Wieso nicht im Internet? Der Erfolg von Social Networks beweist doch, dass viele Menschen online sind und gemeinsam etwas bewegen. Wieso nicht mal ernsthafte Themen, an denen man arbeitet? Wieso immer nur gruscheln?
Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich etwas ändern wird. Was auch daran liegt, dass Dr. Gunnar Bender, den ich sehr schätze und mit den ich einen Freund nenne, zum heutigen Tag nach Berlin zur FDP wechselt und dort – da bin ich mir sicher – dazu beitragen wird, dass sich ein Paradigmenwechsel vollziehen wird. Seine Denkweise, und davon kann man sich hier überzeugen, ist geprägt von Instrumenten des Web 2.0, von offenen Systemen und Partizipation. Als er noch mein Chef bei AOL war, nahm er mich als Praktikanten ebenso in die Pflicht wie jeden anderen Mitarbeiter auch. Jeder hatte die Chance, seine Ideen einzubringen. Nun, und nicht weniger als das erwarte ich von ihm, wird er dafür sorgen, dass meine Stimme und meine Ideen in Berlin gehört werden. Nicht nur meine und nicht nur das. Vielleicht wird es ihm auch gelingen, dass wir, die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, gemeinsam einen Plan für Deutschland entwickeln. Wenn die FDP am Ende die Partei sein sollte, die als erste wirklich und ernsthaft bereit ist, sich für die Menschen zu öffnen und ihre Anliegen, Sorgen und Hoffnungen ernst zu nehmen, dann wird sie am Ende zumindest meine Stimme erhalten.