Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Artikel getagged für ‘gunnar bender’

twitter: Wem ich folge und warum (2)

17. November 2009 | Geschrieben | 3 Kommentare

Weil ich den Follower Friday für überholt halte und trotzdem an Empfehlungsmarketing glaube, habe ich vor einiger Zeit dieses Posting verfasst, in dem ich solche twitter-User kurz vorgestellt habe, denen ich besonders gerne folge. Da die vorgestellten Leute mit der Resonanz sehr zufrieden waren und bis zu 50 neue Follower gewannen, möchte ich eine zweite Runde einläuten. Eventuell werde ich das weiterführen. Mal schauen. Weiterlesen

Linkschleudern haben bei mir keine Zukunft

4. November 2009 | Geschrieben | 5 Kommentare

Die folgenden Zeilen sind meine persönliche Meinung und beziehen sich weder auf empirische Studien noch auf irgendwelche Listen.

Ich liebe twitter, das habe ich nun wirklich oft genug gesagt. Ich finde es toll, dass ich mich in Echtzeit mit Menschen unterhalten kann, die ich ohne twitter vielleicht niemals kennen gelernt hätte. Ich genieße es, so auch Unternehmen direkt ansprechen zu können. twitter bietet mir ungemein viel, und ich möchte darauf in Zukunft auch nicht mehr verzichten.

Ich folge sehr vielen Leuten – knapp 340 sind es derzeit. Ich versuche wirklich, keinen tweet zu verpassen, was mir allerdings nur selten gelingt. Demnächst werde ich einigen, vielleicht sogar vielen, Leuten nicht mehr folgen. Die Gründe dafür sind jedoch nicht die Masse an tweets sondern deren Qualität.

Wie gesagt: Ich liebe twitter vor allem deswegen, weil ich dadurch interessante Menschen kennen lerne. Christian Bölling, Markus Mayr, Stefan Keuchel, Mirko Lange, Stefan Oßwald, Gunnar Bender, Nico Lumma und viele weitere haben sich auch und vor allem durch twitter zu guten Bekannten entwickelt. Sie alle erfüllen in meinen Augen ein sehr wichtiges Kriterium: Sie sind authentisch. Sie lassen mich an ihrem Leben teilhaben, ohne dass sie dafür ihr intimstes Privatleben offenbaren. Hin und wieder twittern sie Links, die zu interessanten Artikeln, Blogpostings und Videos führen. Die schaue ich mir dann gerne an.

Und dann gibt es auch noch Menschen, die twitter ganz anders nutzen: Auf einen persönlichen tweet kommen fünf Links. Die führen dann in der Regel auf die bekannten US-Blogs und Postings zu Social Media, die Zukunft der Medien und Hypothesen, wann denn nun endlich die letzte gedruckte Zeitung erscheinen wird. Lange genug habe ich diesen Menschen gefolgt. Künftig werde ich das jedoch nicht mehr tun.

Denn: Wie auch der Follower Friday komplett sinnlos ist, wenn man ihn hauptsächlich aus Gründen der „Tradition“ verwendet, führen solche Linkschleudern ins Leere. Ich kann – neben meiner Arbeit – gar nicht so viel lesen. Und: Ich sehe darin auch überhaupt keine Veranlassung. Einige meinen, sie würden automatisch in einen Expertenstatus gehoben werden, wenn sie die amerikanische Blogosphäre via twitter abbilden. Dem würde ich widersprechen.

Social Media ist nicht nur „Share“ sondern auch „Create“. Hin und wieder muss man etwas Eigenes leisten, Gedanken entwickeln, Diskussionen führen und Mensch sein. Zumindest dann, wenn man mich als Follower haben möchte.

Mission Hoffnung

17. August 2009 | Geschrieben | 12 Kommentare

Am 27. September wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Am 27. September entscheiden wir durch die Abgabe unserer Stimmen, von wem und wie wir in Zukunft regiert werden möchten.

Vor einem Jahr, so lange ist das noch gar nicht her, sprachen unsere Politiker noch über die drohende Klimakatastrophe und diskutierten Konzepte, wie man diese zumindest aufschieben könnte. Ebenso waren Bildung und Familienpolitik zentrale Themen. Zwar ohne nachhaltige Konzepte, doch immerhin ging es thematisch um Ideen für die Zukunft. Dann jedoch kam die Wirtschaftskrise und hat alles verändert. Seitdem bestimmen Kurzarbeit, Konjunkturpakete und Kapitalmärkte die politische Debatte.

Ich erinnere mich noch gut an den 4. November 2008. Es war der Tag, an dem Barack Obama in den USA die Wahlen gewann. Millionen auf der ganzen Welt saßen vor ihren Fernsehern und Computern und waren Zeuge, als etwas Großes passierte. Dieser Tag war geschichtsträchtig. Nicht nur weil Obama eine andere Hautfarbe als seine Vorgänger hat, sondern vor allem weil er für eine neue Politik und eine neue Art des Denkens steht: Vorbei soll die Zeit sein, in der sich das Weiße Haus von seiner Bevölkerung abschottet. Obama möchte nicht nur das amerikanische Volk über seine Konzepte stärker informieren, er möchte ihnen auch die Möglichkeit geben, am Gesetzgebungsprozess bis zu einem gewissen Grad zu partizipieren.

Der Wahlkampf ist auch immer die Zeit der großen Versprechungen. „Steuern runter“, „Arbeit für Alle“, „Chancengleichheit“ und so weiter. Ich bin 29 Jahre alt, das werden meine vierten Bundestagswahlen. Selten zuvor hatte ich das Gefühl, dass meine Stimme so wichtig ist wie jetzt. Schließlich befinden wir uns in der größten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Selten zuvor war ich mir aber so unsicher, welcher Partei ich meine Stimme geben soll.

Die Krise wird unser Leben nachhaltig verändern. Zumindest sollten wir die Krise nutzen, um längst notwendige Veränderungen vorzunehmen. Wenn wir die Krise schon durchleben müssen, dann soll sie auch zu etwas gut sein. Wir sollten uns bewusst werden, dass es Gründe gibt, warum es überhaupt zu einer Krise kam, welche Chancen sie uns bietet und wie wir sie nutzen können. Zumindest wäre ich dankbar, wenn man mir als Bürger die Chance geben würde, an politischen Prozessen zu partizipieren. Ohne dass ich in eine Partei eintreten muss. (Hintergrundinformation: Ich war mal Mitglied der SPD, bevor ich sehr enttäuscht mein Parteibuch zurückgab.) Ich würde mich freuen, wenn Obamas Beispiel Schule machen würde und es leichter wäre, sich (virtuell) einbringen könnten.

Gerade jetzt im Wahlkampf entwerfen Parteien Konzepte, die die nächsten vier Jahre und auch die Zukunft darüber hinaus prägen sollen. Warum gibt man uns, dem Volk, nicht zumindest die Chance, an diesen Konzepten mitzuarbeiten? Steinmeier veröffentlicht einen Plan für Deutschland, der 67 Seiten umfasst. Kaum jemand von uns macht sich die Mühe, diesen Plan zu lesen. Stattdessen diskutieren wir über Ulla Schmidts Dienstwagen und den Ausschnitt einer CDU-Kandidatin. Warum ist das so? Weil wir das Gefühl haben, dass „die da oben eh machen, was sie wollen“. Dieser Zustand ließe sich nur dann ändern, wenn man uns wirklich beteiligen würde. Wieso nicht im Internet? Der Erfolg von Social Networks beweist doch, dass viele Menschen online sind und gemeinsam etwas bewegen. Wieso nicht mal ernsthafte Themen, an denen man arbeitet? Wieso immer nur gruscheln?

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich etwas ändern wird. Was auch daran liegt, dass Dr. Gunnar Bender, den ich sehr schätze und mit den ich einen Freund nenne, zum heutigen Tag nach Berlin zur FDP wechselt und dort – da bin ich mir sicher – dazu beitragen wird, dass sich ein Paradigmenwechsel vollziehen wird. Seine Denkweise, und davon kann man sich hier überzeugen, ist geprägt von Instrumenten des Web 2.0, von offenen Systemen und Partizipation. Als er noch mein Chef bei AOL war, nahm er mich als Praktikanten ebenso in die Pflicht wie jeden anderen Mitarbeiter auch. Jeder hatte die Chance, seine Ideen einzubringen. Nun, und nicht weniger als das erwarte ich von ihm, wird er dafür sorgen, dass meine Stimme und meine Ideen in Berlin gehört werden. Nicht nur meine und nicht nur das. Vielleicht wird es ihm auch gelingen, dass wir, die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, gemeinsam einen Plan für Deutschland entwickeln. Wenn die FDP am Ende die Partei sein sollte, die als erste wirklich und ernsthaft bereit ist, sich für die Menschen zu öffnen und ihre Anliegen, Sorgen und Hoffnungen ernst zu nehmen, dann wird sie am Ende zumindest meine Stimme erhalten.