Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

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Mein Fazit zum Radiocamp 2009

2. Februar 2009 | Geschrieben | 5 Kommentare

Am Freitag hatte ich das große Vergnügen, das Radiocamp in Hamburg besuchen zu dürfen. Die Veranstaltung fand in den Räumen der Hamburg Media Scool statt und war – so viel Lob muss sein – hervorragend organisiert. Neben der Tatsache, dass alle Sessions fast auf die Minute genau pünktlich begannen, gab es ein tolles Catering und somit immer etwas Schmackhaftes zu essen. Sowohl traditionelle Radiomacher und wenig geekige Web-Leute waren gekommen, so dass man eigentlich interessante und konfliktreiche Diskussionen erwarten durfte. Interessant waren sie – konfliktreich nicht.

Und damit komme ich zu meinem Hauptkritikpunkt: Die Mischung der Diskutierenden war einfach keine Mischung. Ich selbst hatte das Glück, zum Thema „Audio 2.0 – Was leisten die neuen web-basierten Audiodienste und -plattformen? Konkurrieren sie mit dem klassischen Radio oder ergänzen sie es? Wie verdienen sie Geld?“ neben Frederic Antelme (GOOM Radio), Rainer Henze (laut.fm), Monte Miersch (Mikestar), Petar Djekic (mufin), Christoph Lange (simfy) und Frank Felix Debatin (1000MIKES) sprechen zu dürfen. Wenn man sich die Dienste anschaut, für die wir arbeiten, dann ist unser verbindendes Element, dass wir webbasiert arbeiten. Und nun sollen wir mit uns selbst ausmachen, ob wir eine Konkurrenz für das Radio darstellen? Ist ja irgendwie klar, wie wir dazu stehen, oder? Wieso hat man nicht noch ein paar Radio-Leute zu uns gesetzt, die uns widersprechen?

So verlagerte sich die Diskussion – und das nicht nur in unserer Session – schnell ins Publikum. Das war nicht besonders glücklich und ließ auch kaum fließende Dialoge zu. Diese wurden dann eher außerhalb des Programms auf den Fluren oder bei der Party in der Hamburger Botschaft geführt. Schade, so verschenkt man vorhandenes Potenzial.

Ansonsten aber war das Radiocamp 2009 eine tolle Veranstaltung. Vielen Dank dem Organisationsteam, allen Sponsoren und allen Beteiligten.

Kleine Ergänzung: Die Frankfurter Rundschau hat das Radiocamp ebenfalls zusammengefasst und den Kern ganz gut getroffen.

mufin: Musik wird demokratisch

22. November 2008 | Geschrieben | 4 Kommentare

Mit Empfehlungen ist das so eine Sache. Vor etwa drei Wochen, als ich noch auf Bali war, erlebte ich, wie heikel es ist, wenn man blind auf Ratschläge von Freunden oder Bekannten hört: Ich soll mir doch einen Strand anschauen, angeblich Balis schönste Küste. Ohne jetzt in die Einzelheiten zu gehen: Aber das, was ich sah, entsprach nicht meinen Erwartungen. Gar nicht. Einmal mehr wurde mir da klar, dass Empfehlungen von Dritten nur dann sinnvoll sind, wenn man die gleichen Interessen, Vorlieben und eine ähnliche Lebensweise hat. Ist dieser Fall nicht gegeben, könnte man schnell enttäuscht werden.

Empfehlungssysteme sind aktuell gerade in der Musikindustrie ein sehr großes Thema. last.fm verdankt seinen Aufstieg zur weltgrößten Musik-Community einem einfachen Prinzip: Mir wird Musik vorgeschlagen, die mir gefallen könnte. Das Prinzip basiert auf den Hörgewohnheiten anderer Nutzer.

Mittlerweile sind die technologischen Möglichkeiten so weit fortgeschritten, dass Programme ebenfalls in der Lage sind, Musik zu empfehlen. Apple hat unlängst iTunes um das Empfehlungssystem Genius erweitert. Bisher ist aber nicht hinreichend geklärt, auf welchem System die Empfehlungen basieren. Mein bisheriger Favorit war Pandora. Dort wurden die Songs nach 250 Kriterien von einer Redaktion bewertet. Allerdings ist Pandora schon seit einiger Zeit nicht mehr in Deutschland aufgrund von Lizenzrechten verfügbar.

Eben diese Lücke ausfüllen könnte mufin. Bei mufin wird ein Song nach 40 Kriterien (wie etwa Klangdichte, Tempo oder Instrumentierung) automatisch nach der so genannten „Audio Fingerprinting“-Technologie bewertet. Auf der mufin-Seite kann das jetzt jedermann in der offenen Beta testen. Ähnliche Musik wird also nicht mehr nach den Hörgewohnheiten Anderer sondern ausschließlich nach ihrer Struktur empfohlen. Das erleichtert den Zugang zu neuer Musik und stellt insofern eine Revolution dar, als dass es bei mufin vollkommen unerheblich ist, aus welchem Jahrzehnt ein Song stammt, ob er jemals populär war oder ob die Plattenfirma, die ihn veröffentlicht hat, ein großes Marketing-Budget investiert hat. Insofern ist mufin, das vom Fraunhofer Institut und von der Magix AG entwickelt wurde, das demokratischste aller Empfehlungssysteme.

mufin wurde sowohl international von Techcrunch als auch national von netzwertig in den höchsten Tönen gelobt. Besser kann ein Start kaum erfolgen. Nur eins kann mufin nicht: Die empfohlene Musik kostenlos in voller Länge abspielen. Womit ich einmal mehr roccatune ins Spiel bringen möchte.