So langsam kommt twitter in die Gänge und schiebt die ersten Modelle an, mit denen Geld verdient werden soll. Doch nicht nur twitter selbst sondern auch viele andere Unternehmen, die den Dienst aktiv nutzen, suchen nach Strategien und Wegen, wie sie den Kanal selbst finanziell ausschöpfen können. Für einen lauten Aufschrei sorgt die Redaktion von turi2: Für 250 Euro (minus 20 Prozent Rabatt) kann man ab sofort Werbung im twitter-Stream von turi2 schalten. Heißt: turi2 bietet bezahlte Tweets an.
Die Reaktionen fallen, wie man das erwarten konnte, fast durchweg negativ aus: Die Ersten drohen nun schon an, turi2 bei twitter künftig nicht mehr folgen zu wollen. Andere halten das für einen verfrühten Aprilscherz.
Ich persönlich sehe das sehr entspannt und glaube, dass es absolut legitim ist, auch solche Modelle zu erproben. Letztendlich hat sich twitter in einem sehr speziellen Kreis durchgesetzt und wird von diesem auch aktiv genutzt. Die Tatsache, dass turi2 mit über 2360 Followern mehr „Fans“ aufzuweisen hat als die Konkurrenz von kress, meedia oder auch horizont manifestiert, dass der twitter-Stream von turi2 qualitativ hochwertig und lesenswert ist.
Was aber ist so schlimm daran, überhaupt Werbung bei twitter zu schalten? Hauptsächlich die Tatsache, dass das bisher kaum jemand gemacht hat. Ebenso wie vor einigen Jahren der Aufschrei groß war, dass Werbung in Blogs geschaltet wurde, hat sich mittlerweile die Aufregung komplett gelegt. Firmen wie Adnation, Mokono oder trigami operieren weitestgehend im Hintergrund und müssen keine große Kritik aus der Blogosphäre fürchten.
turi2 begeht einen Tabubruch, weil twitter vornehmlich der persönlichen, authentischen Kommunikation dienen soll. Das aber ist die Theorie. Die Praxis ist, wie Sascha Lobo vor einigen Wochen korrekt anmerkte, dass RSS-Feeds mittlerweile beliebter sind als persönliche Accounts. Aber: turi2 wird in den jetzigen Krisenzeiten – wie viele andere Medien auch – bei weitem nicht mehr die Werbeerlöse einfahren, wie das noch vor 12 Monaten der Fall war. Darum ist es legitim, über neue Modelle nachzudenken, damit das aktuelle Angebot bestehen bleiben kann.
Unterm Strich regt sich auch niemand mehr darüber auf, dass auf gewöhnlichen Medienseiten wie eben turi2 Werbung geschaltet wird. Ebenso wenig werden wir uns in 12 Monaten daran stören, dass hin und wieder bezahlte Tweets durch unseren Stream huschen. Nur müssen diese gezielt und sparsam gestreut werden. Ein Verhältnis von 1:10 würde mich nicht im geringsten stören.
Fazit: Alles halb so wild. Für die heutige Zeit mag turi2 einen Tabubruch begehen, in wenigen Monaten werden Andere dieses Modell übernommen und erweitert haben. Wird das twitter langfristig schaden? Nein. Auch Spiegel Online leidet schließlich nicht darunter, dass Werbung auf der Seite zu finden ist. Wir werden lernen, Werbung bei twitter zu filtern und sie vor unserem geistigen Auge ausblenden. Oder aber sie wird im besten Fall uns wirklich was bringen. Das wäre dann die echte Innovation: Werbung, die den Rezipienten involviert und ihm einen Rückkanal bietet.