Gast-Beitrag Nr. 5: Social Games, wie wir sie kennen werden
Heute ist der 01.09.2015, ein Dienstag. Noch vor knapp fünf Jahren waren Dienstage wie heute Apple-Dienstage. Doch Vieles hat sich verändert, so dass die Zeit für mich gekommen ist, um zurückzublicken. Wenn ich an 2009 zurückdenke, verstehe ich immer noch nicht, wie wenige User sich damals über Spiele wirklich vernetzt haben. Man muss eingestehen, dass vor sechs Jahren das iPhone wahrscheinlich noch das Hype-Objekt schlechthin war, wodurch Spiele in der Regel auf Einzelspieler ausgelegt waren. Ich war auch wirklich überzeugt von Apples Smartphone, zumal es zu einem echten Lifestyle-Produkt avancierte. Auf einem BarCamp in Köln kam ich ins Gespräch mit einem Freiberufler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Bereich Mobile und Social Media seine Brötchen zu verdienen. Er erzählte mir von einer Marktsituation, die mir gar nicht so bewusst war. „Wir haben ein großes Problem. Es gibt ungefähr 20 verschiedene Betriebssysteme für Handys. Wie soll man da eine Empfehlung aussprechen oder in Zukunft auf einen gemeinsamen Nenner kommen?“ In einem Punkt hatte er damals Recht. Der Schlüssel war der gemeinsame Nenner. Es wird immer verschiedene Systeme geben, die konkurrieren. Das ist das Prinzip der freien Marktwirtschaft und auch verdammt noch mal genau richtig, ich liebe Konkurrenz. Und ich hoffe Sie auch! Aber heißt Konkurrenz zwangsläufig immer andere Produkte auszusperren? Ich bin der Meinung: Nein!
Erinnern Sie sich noch an die TV-Werbung von Apple in Deutschland, bei der die Technik „Bump“ beworben wurde? iPhones sollten mit einem Bump, also Zusammenstoß, miteinander spielen können, sofern Sie die gleiche Version des Spiels auf dem gleichen Gerät installiert hatten. Im Gespräch mit einem meiner alten Schulfreunde erklärte er mir damals erstaunt, wie innovativ das Apple Prinzip doch sei. „Wie genial ist das denn? Früher musste ich meinen Gameboy noch mit einem extra Kabel mit deinem verbinden und heute können wir das einfach so. Ohne Kabelchaos und ohne lange Ladezeiten.“ Ich war auch der Meinung, dass die Entwicklung beachtlich ist, aber dass wir in diesem Bereich noch viel mehr erwarten können und auch müssen. Ohne Erwartungen ist eine Entwicklung immer etwas schwierig.
Das größte Problem von früher war schlicht und einfach, dass wir Plattform- und Geräte-abhängig agieren mussten. Und das störte noch nicht mal die meisten User. Im Gegensatz zu mir. Ich fragte mich immer wieder: Warum bin ich daran gebunden, nur mit Freunden oder Fremden zu spielen, die das gleiche Smartphone OS haben wie ich? Heute hätte so ein Prinzip auf dem Markt so gut wie keine Chance mehr, die Nutzer würden es in Ihren privaten Netzwerken niederschreiben. Und welche Macht die privaten Netzwerke heute haben, erleben wir heute im Jahr 2015 jeden Tag – und Zeitungen insbesondere – aufs Neue.
Doch ich ärgerte mich nicht nur über die Inkompatibilität von vernetzten Spielen auf Smartphones. Ich wollte nicht eines dieser Facebook Apps spielen, bei denen es um Fische füttern, Farmen bauen oder um die Mafia ging. Viele werden sich noch erinnern, was ich meine. Meine Abneigung lag zum einen daran, dass ich es irgendwie leid war, größtenteils als Solospieler agieren zu müssen. Zum anderen fand ich bei Facebook aber auch nicht die Leute, mit denen ich spielen wollte. Doch andere Plattformen hatten zu dieser Zeit noch keine tollen Spiele. Also war ich gebunden an die Seite von Mark Zuckerberg. Zum Glück hat sich das geändert.
Durch die Öffnung von Plattformen und deren Usern, brauche ich nicht mehr auf zehn verschiedenen Seiten angemeldet zu sein und auf irgendwelche Einschränkungen zu achten. Ich habe ein einziges Profil, in dem ich alle wichtigen Informationen abgespeichert habe. Meine Location, meine Fotos von der letzten Afterwork-Party, meine Social Games, meine Highscores, meine Freunde, meine Gedanken, meine Kontaktdaten und vieles mehr. Die Situation, die ich jetzt beschreibe, war 2009 undenkbar, leider!
Letzte Woche bin ich wieder einmal mit einer Straßenbahn gefahren. Kurz nachdem sich die Türen schlossen, hatte ich auch schon eine „Crazz“-Anfrage. Marc Hillers, 31, Android-Smartphone, Highscore 50.110. Er musste irgendwo in derselben Bahn sein wie ich, aber sehen brauche ich Ihn nicht, um ein Rennen gegen ihn zu fahren. Er gewann zwar deutlich, aber wir kamen anschließend ins Gespräch über Android und Plore (mein Betriebssystem) und über unsere Lieblingsgames. Warum ich das erzähle? Denken wir an 2009 zurück. Glauben Sie, dass so was möglich war? Dass nur das Spiel zwei noch völlig fremde Menschen verbinden kann, ohne auf die Plattform zu achten? Wenn ja, dann hätten Sie ein Unternehmen gründen sollen, sie wären heute mit Sicherheit Millionär.
Ich bin jedenfalls froh, dass wir heute die Möglichkeit haben jederzeit und mit jedem zu spielen. Auch von Smartphone zu PC zu TV zu Konsole. Es gibt nur noch wenig, was uns hindert neue Menschen kennen zulernen und mit ihnen gemeinsam zu spielen. Zum Glück haben wir damals gelernt, dass sich Systeme und Menschen nicht abschotten lassen. Also wer will spielen?
Der Gast: Alexander Troll ist kein Iro. Kein Promi. Nur ein Troll. Ich glaube, ich lebe online und habe dazu sogar kleine Visionen. In Zukunft vielleicht noch mehr in den Bereichen Social Gaming und Mobile, als ich selbst bisher ahne. Mehr auf twitter
Tags: alex troll, android, facebook, gastblogger, iphone, massenpublikum, smartphone, social gaming


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