Haben wir uns verändert?
Don Dahlmann (bitte nicht mit dem anderen Don verwechseln) hat einen sehr lesenswerten Text mit dem Titel „Haben sich Blogs verändert?“ geschrieben. Darin kommt er zu dem Schluss, dass durch Dienste wie twitter, facebook und Posterous unsere Kommunikation nicht mehr auf die eine Plattform Blog ausgerichtet ist und dadurch natürlich weniger Postings entstehen. Ich gebe ihm recht. Und gehe noch einen kleinen Schritt weiter: Nicht nur Blogs sondern auch wir haben uns verändert.
Als ich vor gut drei Jahren mit dem Bloggen begann, las ich um die 20 Blogs. Ich habe keinen Feedreader benutzt, sondern sie in etwa ein Mal täglich manuell aufgerufen, jedes neue Posting gelesen und fast immer einen Kommentar hinterlassen. Innerhalb weniger Monate entwickelte ich ein Gefühl für die Menschen hinter den Blogs, ihre Denkweisen und Anliegen.
Je länger ich „am Ball blieb“, desto mehr Blogs wollte ich lesen, so dass ich bald einen Feedreader benötigte, weil ich mich nicht mehr imstande sah, ca. 200 Blogs täglich manuell abzurufen. Nun las ich nicht mehr die Blogs der Menschen, die mich interessierten, sondern vielmehr nur noch die Postings, deren Headlines mir interessant erschienen. Und da ich nun in vielen Blogs nicht mehr Stammgast war, sondern nur noch gelegentlich vorbeischaute, sank die Zahl meiner Kommentare. Dann kamen twitter und facebook, und plötzlich kommentierte ich nicht mehr in den dafür vorgesehen Blogs sondern eben via twitter und facebook, weil es eben so schön schnell ging und einfach war.
Vielleicht irre ich mich, aber bis auf einige wenige Beispiele (zumindest sind es sehr viel wenige als noch vor zwei Jahren) wird auf Blogs weniger argumentiert, diskutiert und gestritten. Stattdessen linken wir auf twitter und facebook, geben einen Kommentar ab, den der Autor des Postings oftmals nicht mitbekommt und sorgen dadurch zwar für eine höhere Reichweite, aber eben auch für weniger Diskurs. Wobei dieser Diskurs natürlich nun bei twitter und facebook stattfindet. Zum einen aber hat man dort weniger Platz für Argumente, und zum anderen sind diese Dienste so schnelllebig, dass nach wenigen Stunden das Thema oft vom Tisch ist. Hin und wieder aber brauche ich länger, bis ich meine Gedanken geordnet habe, dann möchte ich auch noch am Folgetag auf etwas eingehen. Das geht bei twitter schlecht, bei facebook gerade mal so.
Daher möchte ich in Zukunft wieder mehr in Blogs kommentieren, diskutieren und auch streiten – wenn es sein muss.
Tags: blogs, don dahlmann, facebook, twitter

Dein Zugang klingt fast wie bei Jana Herwig @digiom und Luca Hammer @luca, sie haben gerade eine Twitterfastenzeit vor sich ( http://digiom.wordpress.com/2010/02/12/twitter-fa... ) Vorallem deine Argumentation "das Thema ist gleich vom Tisch" gefällt mir im Hinblick auf die Verflüchtigung der Kommentare.
Ich werde gewiss keine twitter-Fastenzeit einlegen. Nur möchte ich in Zukunft wieder mehr kommentieren und diskutieren, nachdem ich mir die Zeit genommen habe, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nachgedacht habe. Vielleicht werde ich dadurch künftig weniger Blogs lesen, dafür aber werde ich mich mit ihnen und den geäußerten Gedanken ausführlicher auseinandersetzen.
Hallo Sachar,
ich kann deinen Ausführungen nur zustimmen und sagen, dass bei mir die Entwicklung ähnlich ist.
Ich glaube aber, dass wir vor allem vor technischen Problemen stecken. Wäre jeder tweet mit einfachen Mitteln unterhalb des Blogposts zu sehen, wären die Antworten auf diesen tweet ebenfalls Kommentar-like eingebunden – wäre also der gesamte Netzdiskurs meinetwegen durch ein Standardprotokoll besser vernetzt, hätten wir diese Probleme des sich verflüchtigenden Diskurse gar nicht. Da warte ich immer noch auf sinnvolle Lösungen (oder hab ich vielleicht sogar was verpasst?).