Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Wie viel sind Blogs wert?

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde mal wieder sehr viel über die Kommerzialisierung der Blogosphäre diskutiert. Die Diskussion ist gefühlt so alt wie die Blogosphäre selbst. Darum möchte ich in diesem Posting mit dem Thema vorerst abschließen.

Ich gebe gerne viel Geld für Journalismus aus. Ich habe um die zwölf Magazine im Abo, so genau kann ich sie das nicht beziffern. Und ich freue mich über jedes einzelne Heft, das ich aus meinem Briefkasten hole. Nicht weil ich die Haptik oder gar den Geruch (die WIRED etwa stinkt bestialisch) liebe, sondern weil ich Menschen bewundere, die mich zum Denken bewege. Ich bin kein Freund der Paid Content-Diskussion, denn für hochwertigen, exklusiven Content bin ich Bereit, ordentlich zu zahlen. Für Artikel ebenso wie für Filme oder Musik.

Als medienlese letztes Jahr starb, war es mein großer Wunsch, dass es Dienste gäbe, die es mir als User ermöglichen würden, für Blogs zu zahlen. Nicht als Pflichtabgabe, sehr wohl aber als freiwillige unterstützende Maßnahme. Seit ein paar Wochen ist das durch flattr (noch in der geschlossenen Beta) möglich – schon länger gibt es Kachingle. Das System ist in beiden Fällen mehr oder weniger identisch: Wenn mir Inhalte gefallen, kann ich auf einen Knopf drücken und die Betreiber der Seite dadurch finanziell unterstützen. Dafür muss ich mich vorher anmelden und definieren, wie hoch meine Aufwendungen sein sollen.

Und eben darüber habe ich in den letzten Tagen nachgedacht: Wie viel sind mir Blogs wert? Ich habe mich im Rahmen der next10 darüber mit Martin Weigert, Ulrike Langer und Holger Schmidt unterhalten und entschieden, dass mir Blogs in ihrer Gesamtheit ebenso viel bedeuten wie der klassische Print-Journalismus. Also werde ich monatlich für 100 Euro flattrn und jeden Beitrag, der in meinen Augen gut geschrieben ist, mich inspiriert und bewegt würdigen und somit Autoren jenseits der Verlags-Branche unterstützen.

10 Kommentare zu “Wie viel sind Blogs wert?”

  1. Wow, das ich ja mal eine Ansage. Wenn viele Leser Deinem Beispiel folgen würden, hätte sich die Diskussion um Blog-Monetarisierung in der Tat quasi erledigt und es wäre mehr Zeit für Qualitäts-Content.

  2. Als ich eben die 100 Euro im Monat las, war mein erster Gedanke: Puh – so viel? Danach lies ich mein Hirn kurz von der Leine und kam ziemlich schnell drauf, dass es das gar nicht ist. Zumindest, wenn man deinen Printmedienkonsum daneben stellt. Rechnet man dann einmal das Abo-flattr-Verhältnis aus, wird man wahrscheinlich zugeben müssen, dass das eine faire Summe ist. Und weil das so ist, kommt das flattr-Ding auf den "Mal ernsthaft drüber nachdenken"-Stapel – und das nach ziemlich weit oben.

  3. 100€ sind ein interessanter Wert. Wenn man die Ausgaben für Printmedien und Bücher, die man manchmal nicht fertig liest, dagegen stellt, wird es vor allem eine realistischer Summe.

  4. Marius sagt:

    100 Euro sind ein stattlicher Betrag, Respekt. Den allerwenigsten, falls überhaupt jemandem, werden Blogs so viel im Monat wert sein. Eine solche Ansage kann natürlich auch positive Zeichen setzen.

    Aber noch eine Frage: In meinem Flattr Backend kann ich nur zwischen 2, 5, 10 und 20 Euro auswählen, die ich monatlich verflattrn möchte. Wie funktioniert das dann mit deinen 100 Euro?

    • sachark sagt:

      Gute Frage. Bisher war ich der Ansicht, dass das gehen würde – aber Du hast Recht. Hm, dann muss ich wohl eine Mail an flattr schreiben – mit dem Hinweis, dass mir 20 Euro nicht ausreichen.

  5. Qualterio sagt:

    Ich habe bei Flattr.com auch das Maximum von 20€ eingestellt, wäre aber bereit, monatlich 50€ zu verteilen. Muss das den Jungs grad melden. Die bedanken sich meist für guten Input ;-)

    Das Konzept von Flattr scheint mir noch eine Spur benutzerfreundlicher als dasjenige von Kachingle. Noch in den Kinderschuhen steckt Rewrd.com. Aber immerhin scheinen mehrere Dienste unseren freiwilligen Rubel zum Rollen bringen zu wollen. Den Versuch ist es wert!

  6. Ich bin zwar weder von Flattr noch Kachingle überzeugt (noch nicht), aber Mann muss es probieren, schon aus Prinzip. Und ich werde mir an Dir ein Beispiel nehmen. Ein, zwei Print-Abos (endlich) abbestellen, an der Tanke und/oder im Kiosk einmal mehr überlegen, bevor ich mit dem Stapel zur Kasse gehe – und schon dürften diese 100 Euro drin sein. Ein guter Weg.

  7. Hallo Sachar. Danke für den Tipp mit dem An-Twittern von Flattr. Hat funktioniert. Ich hab jetzt mal beide Buttons auf meiner Seite. Ich gebe Dir und den meisten anderen Kommentatoren recht – man muss es einfach mal probieren. Für mich sind beide Systeme aber auch noch um eine Umdrehung zu kompliziert – zumindest für eine größere Masse. Es darf nicht dabei bleiben, dass sich die Hardcore-Blogger am Ende alle gegenseitig klicken und das immer gleiche Geld einfach nur einmal im Kreis herumgereicht wird.

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