Erfolgsgeschichten: turi2
Erst war es nur eine Finanzkrise, und im September waren sich noch viele so genannte Experten sicher, dass es zu keiner allgemeinen Rezession kommen wird. Sie irrten. Seit einigen Wochen reißen die Negativmeldungen nicht mehr ab. Glaubt man den Nachrichten, stehen wir kurz vor dem Weltuntergang. Wie angekündigt, mache ich das Spiel nicht mit, sondern hole solche Geschichten hervor, die nicht zur aktuellen Stimmung passen: Erfolgsgeschichten. In Deutschland gibt es noch Unternehmen, die weder Mitarbeiter entlassen müssen, noch bei der Bundesregierung vorstellig werden, um Milliardenkredite zu beantragen. Unternehmer, die mit einer klaren Vision angetreten sind, Hohn und Spott ernteten, weil sie Neues wagten und heute erfolgreich sind. In einer Serie erklären die Macher, wie es zu diesem Erfolg kommen konnte. Und verraten, welche Chancen die aktuelle Krise mit sich bringt. Den Anfang macht Peter Turi von turi2.
Erinnerst Du Dich noch an den Moment, an dem Dir die Vision des Mediendienstes turi2 kam? Was war da konkret los?
Peter Turi: Ne, ich hab keine Visionen, ich nehm’ ja auch keine Drogen. Ich hab einfach gedacht, mit 44 bist Du zu jung zum Sterben und zu alt für eine Festanstellung. Also probier doch einfach noch mal, so knapp zehn Jahre nach meinem ersten Versuch mit kress.de, einen Branchendienst im Internet zu starten. Weil’s inzwischen Web 2.0 heißt und nicht mehr Datenautobahn habe ich es turi 2.0, kurz turi2.de genannt.
Wie lange hast Du gebraucht, bis Du Dich dazu durchringen konntest, turi2 in der Form zu starten, wie wir es heute kennen?
Peter Turi: Ich hab lange in die falsche Richtung gedacht und gearbeitet: Dass nämlich das neue am Web 2.0 das Kooperative, das Diskutieren und so wäre. Ist es aber nicht für meine Zielgruppe, Medienmacher in Deutschland. Die wollen nicht lang rumdiskutieren, die wollen noch nicht mal lang lesen – die wollen schnell und effektiv informiert sein. Und als Service liefere ich bei wichtigen Themen auch noch eine Meinung dazu. Seit circa anderthalb Jahren heißt die Formel “In zwei Minuten informiert”, und zwar schon zum Frühstück – und seitdem läuft die Chose.
Wie hoch war für Dich als Familienvater das Risiko?
Peter Turi: Es war wie Karl Marx sagt: „Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten.“ Ich war ja pleite und verschuldet und musste für meine drei Kinder kochen (von 2002 bis 2006). Für mich führte der Weg aus dem Gefängnis der Küche über den Keller – da steht mein PC, der es mir ermöglichte, wieder ein leidlich erfolgreicher Kleinverleger und damit ein angesehenes Mitglied der Mediengesellschaft zu werden.
Gab es Phasen, in denen Du dachtest, das Modell würde nicht aufgehen?
Peter Turi: Gibt es immer noch. Aber sie werden immer seltener.
Was entgegnetest Du Zweiflern, die meinten, dass es genug Medienmagazine gibt?
Peter Turi: Ich stimme zu. Und freue mich, dass viele von meinen 18.000 Abonnenten sagen, turi2 sei derjenige Dienst, auf den sie am wenigsten verzichten könnten.
Wann war der Moment, in dem Du wusstest, dass turi2 ein Erfolg ist?
Peter Turi: Als im Januar 2008 mein Konto erstmals fünfstellig im Plus war. Das schließt übrigens nicht aus, dass es auch mal ins Minus rutscht, wie ich im August 2008 feststellen durfte.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs von turi2? Was macht Ihr besser als etwa kress, Horizont oder Meedia?
Peter Turi: Es gibt kein Geheimnis, und ich weiß auch nicht, ob wir etwas “besser” machen als andere. Wir machen es vielleicht anders: Wir schreiben kürzer, schneller, klarer. Wir stecken 99 Prozent unserer Energie in die Inhalte, vernachlässigen von Marketing über Technik bis Optik so ziemlich alles, was man eigentlich nicht vernachlässigen sollte. Außerdem sind wir der einzige Dienst, für den ein Macher mit seinem guten Namen, seinem Herzblut und seiner Existenz einsteht. Und der Kern der Mannschaft besteht aus drei (an)gelernten Bloggern.
turi2 lebt von Werbeeinnahmen und Kooperationen, die Opfer der viel beschworenen Krise werden könnten. Bereitet Dir das schlaflose Nächte?
Peter Turi: Nein. Der Großteil unserer Einnahmen beruht auf langfristigen Kooperationen mit einer Laufzeit zwischen sechs und 24 Monaten. Außerdem ist die ganze Mannschaft darauf getrimmt, keine unnötigen Fixkosten zu produzieren.
Welche Chancen bietet die aktuelle Krise?
Peter Turi: Chancen sind, unabhängig von der Krise, zuhauf da: Wir könnten die Tiefe von turi2 steigern, was mit einer stärkeren Werbevermarktung gut zu finanzieren wäre. Wir können aber auch unser Erfolgsmodell “schnelle, fokussierte Infos für eine genau definierte Zielgruppen mit modernen Mitteln” zu liefern noch weiter ausbauen. Für ein großes Magazin starten wir im Januar einen solchen Dienst, eine Reihe von anderen Medien und Unternehmen reden mit uns über weitere Projekte. Im Grunde gibt es viel mehr Chancen als Kapazitäten, die alle wahrzunehmen.
Welchen Leitsatz von Peter Turi sollten sich junge Gründer hinter die Ohren schreiben?
Peter Turi: Lass Dir niemals von irgendwem irgendwas hinter die Ohren schreiben – das kannst du da nämlich gar nicht lesen. Und außerdem verwischt es ganz schnell. Im Ernst: Folge Deinem Herzen, aber schalt dabei das Hirn nicht ab.
Tags: erfolgsgeschichten, interviews, medien, peter turi, web 2.0









21. November 2008 um 9:33 am
peter turi betreibt ein wunderbar unaufgeregtes portal – turi2 ist mein lieblingsbranchendienst!
21. November 2008 um 9:58 am
[...] 5. Interview mit Peter Turi (massenpublikum.de) Peter Turi wird zum “Geheimnis des Erfolgs von turi2″ befragt, weiss darauf aber auch keine Antwort. Dass der Mediendienst ein Erfolg ist, steht für ihn aber ausser Frage, das habe er im Januar 2008 gemerkt, als sein “Konto erstmals fünfstellig im Plus war”. Das aufschlussreiche Gespräch schliesst mit einem etwas pathetischen Leitsatz: “Folge Deinem Herzen, aber schalt dabei das Hirn nicht ab.” [...]
21. November 2008 um 5:08 pm
Dieses gute-Stimmung-Machen war doch neulich mal Focus-Titel, oder? “Werden Sie Zukunfts-Optimist!” Mit haltlosem Quatsch von Horx darüber, dass das mit dem Klima nur Einbildung ist.
Davon abgesehen finde ich die turi2-Geschichte natürlich super. Man muss sich nur den Aufmacher heute mit Hinrichs und dem Twitter-Quote anschauen. Die meisten anderen Medien wissen noch gar nicht, was Twitter ist, und sie verlinken den Quote. turi2 ist am nächsten dran daran, dass einem jemand etwas spannendes zuchattet.
21. November 2008 um 5:40 pm
Peter, was im Focus steht, tangiert mich nicht. Ich lese Focus nicht. Brauche ich nicht. Alles, was im Focus stattfindet, gibt es online. Und zwar nicht bei Focus Online. Das ist wahrscheinlich das große Plus von Spiegel: Dass sie im Print noch immer einfach nicht wegzudenken sind.
Auch möchte ich kein Zukunfts-Optimist werden oder die Wirklichkeit verklären, sondern einfach Geschichten mit einem positiven Wahrheitsgehalt Platz bieten. Scheint ja momentan sonst kaum jemand zu machen.
turi2 hat von mir und vielen Anderen einst heftige Prügel kassiert und sich trotzdem nicht beirren lassen, sondern die Kritik, wie man heute sieht, nicht nur wahrgenommen, sondern ruhig und sachlich analysiert und letztendlich das Produkt so weit verbessert, dass man heute der (in meinen Augen) wichtigste und beste Online-Mediendienst Deutschlands ist.
22. November 2008 um 4:08 pm
[...] Sagt Peter Turi, Gründer des Online-Medienmagazins turi2, auf die Frage nach einem Rat für junge Gründer. [...]
23. November 2008 um 4:47 pm
[...] Turi im Interview auf Massenpublikum: Erfolgsgeschichten: turi2. Wenn man es finanziell definieren möchte, ist aus dem Blog Turi2 heraus das erfolgreichste [...]
23. November 2008 um 8:39 pm
Interessantes Interview, interessanter Branchendienst – dafür Danke an Sachar und Peter!
24. November 2008 um 12:05 pm
ich persönlich mag seinen mediendienst nicht, und zwar wegen manch geäußerter meinung und seltener wegen der so kurzen form. ist halt nicht für mich gemacht. auch ohne zur zielgruppe zu gehören, vielen dank für das gute interview und weiterhin viel erfolg an herrn turi!
.~.
13. Januar 2009 um 8:20 pm
Sehr gut, das Thema Medien und Medien Wandel ist heiss und wird es auch die nächsten Jahre bleiben. Super Blog und Interview!