Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

Erfolgsgeschichten: brand eins

Eine der schönsten Erfolgsgeschichten der letzten Jahre ist die von brand eins. Ein Wirtschaftsmagazin, wie man es kein zweites Mal im deutschsprachigen Raum findet: Ungewöhnliche und hervorragend recherchierte Geschichten und Rubriken voller Witz und Spitzfindigkeit. Zeitlos und trotzdem aktuell. Seit 1999 setzt die Redaktion um Gabriele Fischer einen Schwerpunkt, der sich wie ein roter Faden durch das Heft zieht. Die brand eins verzichtet auf einen großen Verlag im Rücken und erscheint in Eigenregie. Womit sie sehr gut fährt. Wie mit so vielen. Mutter des Erfolgs (auch wenn sie der festen Überzeugung ist, dass der Erfolg der brand eins viele Mütter und Väter hat) ist Gründerin und Chefredakteurin Gabriele Fischer. Im Interview verrät sie, was sie von der aktuellen „Krise“ zu sagen hat, wie die brand eins funktioniert und dass Ratschläge nichts wert sind.

Die brand eins ist so ziemlich das Gegenteil eines klassischen Wirtschaftsmediums: Sie bieten keine Börsenkurse, bewerten keine Aktien und sind eher zeitlos als aktuell. Ist die brand eins überhaupt ein Wirtschaftsmedium?

Gabriele Fischer: Ganz sicher – weil Wirtschaft eben auch nicht nur aus Börsenkursen besteht. Wirtschaft wird von Menschen gemacht, sie ist ein Teil unserer Gesellschaft. So betrachtet ist es ein breites, vielfältiges Gebiet, das auch Menschen interessant finden, die bisher dachten, Wirtschaft sei nichts für sie.

Muss man denn ein Genre komplett neu erfinden, um heute noch erfolgreich zu sein?

Gabriele Fischer: Zumindest lohnt es sich, darüber nachzudenken, was man an Mehrwert über das Bestehende hinaus zu bieten hat. Eine Idee hilft schon.

Wer hatte die Idee, die brand eins in der Form zu gründen, wie wir sie heute kennen? Und wie kam der Person diese Idee?

Gabriele Fischer: Ideen haben meist mehrere Mütter und Väter, so war das auch bei brand eins. Am Anfang stand die Idee, ein Wirtschaftsmagazin für das zu gründen, was man Ende der 90er Jahre Neue Wirtschaft nannte – also für all jene, die mit Kreativität und Wissen neue Unternehmen- und Wirtschaftsformen in die Welt setzen. Dieses Projekt, Econy, nahm im Zeitraffer die spätere Entwicklung der New Economy vorweg: Nach einem Jahr hatten wir vom gefeierten Start bis zur Fast-Pleite alles durchlebt und standen vor der Alternative, aufzugeben oder noch mal neu anzufangen. Das war die Geburtstunde von brand eins, für das es eine Menge Geburtshelfer gab: die ehemalige Econy-Redaktion inklusive Art Director Mike Meiré,  aber auch mutige Investoren, die auf das Team und die Idee setzten (und bis heute, zusammen mit 14 weiteren Aktionären, dabei sind).

Mit welchen Argumenten haben Sie damals Investoren überzeugen können, das Startkapital bereitzustellen?

Gabriele Fischer: Die Gründungsgesellschafter waren Fans von Econy und entschlossen, diesem Magazin und dem dahinter stehenden Team zum Neustart zu verhelfen. Das war noch einfach. Schwerer wurde es, als wir das Startkapital aufgebraucht hatten und die Alt-Investoren nach dem Niedergang der New Economy das Projekt nicht mehr allein tragen konnten. Dann begann die müheselige Phase der Investorensuche. Welches Argument überzeugt hat? Vielleicht, dass jeder bei brand eins bereit war, über seine Grenzen zu gehen, um das Projekt am Leben zu halten.

Sie graben Geschichten aus, die man sonst in den Medien selten zu lesen bekommt. Weil sie das Spezielle suchen oder weil Ihre Redakteure anders als „gewöhnliche“ Journalisten arbeiten?

Gabriele Fischer: Wir suchen vor allem, was uns interessiert und nicht langweilt, weil es schon hundertmal beschrieben worden ist. Das sorgt für einen speziellen Blick, den wir uns leisten können, weil wir eine Menge Themen-Scouts haben. Denn dazu gehören nicht nur die Mitglieder unseres stetig wachsenden Autoren-Pools, dazu gehören auch unsere Leser, die uns mit Tipps, Anregungen und Hinweisen versorgen.

Welchen Ansprüchen muss ein Autor genügen, um für die brand eins schreiben zu dürfen?

Gabriele Fischer: Ein Thema vorschlagen, das neu und interessant genug ist, dass wir nicht nein sagen können; bereit sein, eine erste Geschichte auf eigenes Risiko zu schreiben, was bedeutet: Kommen wir nicht zusammen, bezahlen wir nur die zuvor vereinbarten Spesen aber kein Ausfallhonorar. Und dann eine Geschichte schreiben, die uns durch Herangehensweise und Qualität  überrascht und beeindruckt.

Wie entsteht ein brand eins-Heft? Setzen Sie die Heftschwerpunkte anhand der bereits vorhandenen Themen (und einer gewissen Aktualität) fest? Oder wird zuerst ein Schwerpunkt festgelegt und erst anschließend die dazu passende Themen gesucht?

Gabriele Fischer: Wir legen Schwerpunkte fest, die allerdings dann auch immer wieder umgeworfen werden. Und wie dann ein Allerwelts-Begriff wie „Glück“ hinterfragt und interpretiert wird, das hat schon sehr mit dem zu tun, was im jeweiligen Moment passiert.

Auf einer Ihrer letzten Titelseiten prangte die Überschrift „Keine Panik – Das ist schon wieder nicht das Ende“. Galt diese Headline nur Ihren Lesern oder auch anderen Medien, die die Gegenwart in zu dunklen Farben zeichnen?

Gabriele Fischer: Unseren Lesern; wir kommunizieren nicht per Headline mit anderen Medien.

Allem Anschein nach wird 2009 kein gutes Jahr. Oder doch? Welche Branchen stehen Ihrer Meinung nach vor einer großen Zukunft?

Gabriele Fischer: Keine Ahnung. Grundsätzlich aber gilt: Es hat wenig Zweck, sich vor der Zukunft zu fürchten – sie kommt trotzdem. Und sie wird eher schlechter, wenn man sie zitternd und bangend empfängt.

Welchen Leitsatz von Gabriele Fischer sollten sich Gründer hinter die Ohren schreiben?

Gabriele Fischer: Keinen. Warum sollten Sie? Denn die wichtigste Erfahrung ist, dass jeder seinen eigenen Weg suchen und gehen muss. Dabei ist es zwar sinnvoll, sich Rat einzuholen – aber auch, ihn genau dann zu verwerfen, wenn man glaubt, die besseren Argumente zu haben.

Bisherige Erfolggeschichten:
turi2
Yaez

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12 Kommentare zu “Erfolgsgeschichten: brand eins”

  1. Ausgezeichnetes Interview!

  2. Sogar wenn man das Interview liest hat man dieses angenehme ungehetzte Gefühl, welches sonst die Lektüre des Magazins begleitet.
    Großartige Frau

  3. Schönes Interview zu einer tollen Autorin und einem genialen Magazin :)

  4. Manuel sagt:

    Super Interview, danke dafür.

    Authentisch, geradlinig und pragmatisch ohne Selbstinszenierung – wie die Brand Eins. Gefällt mir sehr gut.

  5. Kai sagt:

    “…brand eins. Ein Wirtschaftsmagazin, wie man es kein zweites Mal im deutschsprachigen Raum findet:”
    Absolut einverstanden damit!!! Sehr guter Artikel, viele Grüße!

  6. Michael sagt:

    Großartige Frau. In jeder Beziehung. Aber schmal ist sie geworden ;-) Steht Ihr. Liebe Gabriele.

  7. Klasse Interview mit der Macherin eines oftmals sehr inspirierenden Magazins. Beides ist sehr lesenswert (neben mich zur Ausgabe 1/2009 greifend…)!

  8. Beate sagt:

    Tja, einfach toll, wenn Herz und Verstand die selbe Sprache sprechen! Danke und weiterhin so viel Sprachwitz, dass ich teilweise “unter dem Tisch” liege! Beate

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