Das hier ist das private Blog von Sachar Kriwoj. Ich arbeite für die E-Plus Gruppe als Manager Digital Public Affairs.

So wird das nichts mit dem Social Media Camp 09

Ich bin niemand, der um den heißen Brei redet. Wenn mir etwas nicht passt, dann wähle ich den direkten Weg und spreche es an und aus. Damit mache ich mir nicht immer Freunde, und mit Sicherheit könnte ich meine Kritik auch diplomatischer verpacken. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass das Leben zu kurz ist und ich nicht ewig Zeit habe für Befindlichkeiten und ich außerdem zudem der Person, die ich durch meine Kritik indirekt oder direkt angreife, in der Regel nichts Böses will, sondern es mir um die Sache geht und sie das verstehen müsste. Insofern hoffe ich, dass mir niemand dieses Posting übelnimmt.

Vor ein paar Wochen haben wir uns hier im Blog sehr umfassend über ein Social Media Camp unterhalten. Wie es konzipiert sein soll, wie die Zielgruppe aussehen soll, welche Städte als Veranstaltungsorte in Frage kommen, wie es nicht konzipiert sein soll, wie die Zielgruppen nicht aussehen sollen, welche Städte als Veranstaltungsorte nicht in Frage kommen und so weiter. Wir haben unsere Diskussion auf ein mixxt-Forum verlagert. Man muss sich dort nicht anmelden, die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis – über 100 Leute aber haben ihren Weg dorthin gefunden und zeigen dadurch auch ein Interesse an einem Social Media Camp. Eine gute Zahl, wie ich finde. Leider aber sagt sie nichts, wirklich gar nichts, aus über die Qualität dieses Netzwerks aus. Denn das Social Media Camp, oder aber zumindest das aktive Zutun, dass eine solche Veranstaltung stattfindet, ist komplett zum Erliegen gekommen. Obwohl ein konkreter Vorschlag für die Location und das Datum vorliegt. Obwohl über viele Schwerpunkte Klarheit herrscht. Obwohl über 100 Leute so ein Camp wollen. Oder etwa nicht?

Es gibt bisher kaum ein Unternehmen in Deutschland, das eine eigene Social-Media-Abteilung beschäftigt, nur die wenigsten Agenturen haben echte Spezialisten, die sich ausschließlich um den Online-Dialog kümmern, und die Meisten haben schlicht keine Ahnung, was das sein soll, dieses Gedöns im Internet. Sie ahnen, dass es zunehmend wichtiger wird, aber im Zuge der Krise werden ja auch solche Stimmen lauter, die – vielleicht sogar mit Recht – behaupten, dass am Ende des Tages Social Networks, Blogs, Podcasts und natürlich auch twitter keine große Zukunft haben. Das ist nicht meine Meinung, aber es gibt sie, und wir sollten sie nicht ignorieren.

Zugegeben, was ich jetzt sage, wird mich bei Einigen sehr unpopulär machen. Deswegen: Lest Euch bitte noch mal den ersten Absatz gut durch, bevor Ihr mich verwünscht.

Ich habe das Gefühl, dass diejenigen, die Social Media wirklich beherrschen, und davon gibt es viel weniger Leute, als wir denken und vermuten, dieses Wissen nur ungerne mit Anderen teilen möchten. Schließlich ist es eben dieses Wissen, dass sie von all denen unterscheidet, die nur meinen, etwas zu wissen und ansonsten von Barcamp zu Barcamp hüpfen, in jede Kamera grinsen und mit ihren 3000+ Followern bei twitter protzen. Echtes Know How zum Bereich Social Media zu verfügen, ist aber noch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem man heute gut Geld verdienen kann. Es zu teilen im Rahmen einer Veranstaltung, wie sie mir vorschwebt, würde die gute Ausgangsposition gefährden. Dass es auch den Status als Experte stärken würde, wäre zwar ein positiver Nebeneffekt, aber bei weitem nicht so angenehm zu werten wie die Gefahr, auf einen Schlag viele potenzielle Mitbewerber um Etats neben sich zu wissen.

Ich bin ungerecht, populistisch und anmaßend. Vor allem bin ich wahnsinnig enttäuscht und desillusioniert über die deutsche Social Media Szene. Wenn es darum geht, twitter-Regeln aufzustellen, dann hat jeder eine Meinung, die er bei meedia oder turi2 zitiert sehen möchte. Oder wenn man im Rahmen der Cebit Webciety auf dem Podium Platz nehmen möge. Aber wenn es um eine Veranstaltung geht, aus der Viele lernen könnten, dann heißt es: „Macht mal, vielleicht komme ich ja, wenn ich Zeit finde.“

Noch ist nichts verloren, vielleicht wird es wirklich ein Social Media Camp geben, vielleicht wird es – wie von mir vorgeschlagen im Juni in Berlin – stattfinden. Vielleicht auch nicht. Sicher ist, dass diese Szene, die hier von ein paar Wochen noch leidenschaftlich diskutierte, keine Ausdauer besitzt. Wer innerhalb von wenigen Wochen das Interesse verliert, dem fehlt entweder wirklich die Zeit (was ich nicht glaube), die Bereitschaft (was ich vermute) oder aber wirklich die Leidenschaft (was ich behaupte). Nur: Kommunikation – egal ob Social Media oder traditionell – ohne Leidenschaft, das geht nicht.

Nächste Woche können wir im Rahmen der re:publica den schlechten Start vergessen machen, wenn wir uns mal um die Sache und nicht um uns selbst kümmern. Insofern soll das hier kein Angriff sondern ein Appell sein!

P.S.: Hundert Millionen Schritte weiter ist das Orga-Team des Remix 09. Roland und sein Team haben ein Datum (12./13. Juni), eine Stadt (Hamburg) und Karten, die sie schon jetzt verkaufen. Abgesehen davon, dass Remix 09 durchaus viele Facetten beinhaltet, die für mich auch zum Social Media Camp gehören, wird das eine sehr interessante und spannende Veranstaltung, die man nur dann verpassen sollte, wenn die Oma ihren 90. Geburtstag, der beste Freund seine Hochzeit oder man selbst die Meisterschaft des Lieblingclubs feiert. Die günstigsten Karten dafür kosten 149 Euro – oder 99 Euro hier. Die ersten drei Interessenten erhalten von mir einen Aktionscode, mit dem sie 50 Euro sparen können. Aber: Bitte meint es ernst, und nehmt niemandem die Chance, der wirklich zum Camp nach Hamburg möchte.

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24 Kommentare zu “So wird das nichts mit dem Social Media Camp 09”

  1. Patrick sagt:

    Du unterschätzt eines. Vor lauter Twitterei kommt man nicht dazu sowas zu organisieren. ;-)

    Nein ernsthaft, ich glaube so eine Veranstaltung bedarf immer einer Führung. Crowdsourcing hin oder her. Sprich es muss einer in die Hand nehmen und konkret Leute koordinieren.

    Als Räumlichkeit und ggf. auch Studenten als Orgateam (schließlich studieren die Eventmanagament) könnte ich vielleicht die FH in Karlsruhe zu so etwas bewegen.

    Bei Interesse mach ich mich mal schlauer.

  2. Patrick sagt:

    Die republica ist außerdem eine gute Gelgenheit mal darüber zu sprechen!

  3. lars sagt:

    Ich hab die Diskussion um das Social Media Camp nicht wirklich mitbekommen, nichtsdestotrotz würde es mich sehr interessieren (auch wenn Berlin für mich nicht der ideale Ort wäre… :-) . Wie eben auch schon kurz auf Twitter gesagt, denke ich, dass das Konkurrenz- oder Wettbewerbthema sicher ein wichtiger Aspekt ist, auch wenn der Social Media-Gedanke als solcher genau dieses Denken eigentlich zu einem gewissem Maß ad absurdum führt. Nach meiner Erfahrung neigen gerade Agenturen dazu, Ihr Wissen und Können bei sich zu behalten. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert und denke, dass individuelle Treffen und Gespräche dies im ersten Schritt ganz gut zu ändern beginnen könnten, vielleicht sogar besser als ein Event das kann (auch Twitter hilft da, denke ich). Es gibt aber sicher auch genug Menschen in Social Media, die sich eher um sich selbst kümmern als um die Sache.

    Dass die Diskussion um eine solche Veranstaltung zu Anfang, wie Du schreibst, recht rege geführt wird und dann abebbt, ist allerdings auch nicht wirklich überraschend, das passiert häufig genug. In einem solchen Fall ist wohl große Motivation und Organisationskraft von wenigen gefordert; dieses Verhältnis zwischen Aktiven und Passiven ist in Social Media ja auch häufig zu finden…

    Ich würde mich freuen, das auf der re:publica nächste Woche weiter zu diskutieren, vielleicht ergibt sich ja eine Gelegenheit.

  4. Christian sagt:

    Ich stimme Lars und Patrick zu. Es braucht Leute, die das in die Hand nehmen. Leute, die idealerweise am Veranstaltungsort wohnen und die Zeit dazu haben und investieren möchten. Wenn es solche Leute gäbe, hab ich glaub ich mehrfach an anderer Stelle gesagt, dass ich helfen würde – wobei ich mich überhaupt nicht von diesem Posting angegriffen fühle.

    Dass Leute Ihr Wissen nicht teilen wollen, ist sicher richtig. Auch ich weiß nicht, ob ich über jedes Kundenproejekt sprechen will/darf – aber darum geht es ja auch gar nicht. Der technische Part ist jedenfalls so easy, dass er sich nicht für Herrschaftswissen eignet. Eine Facebook-Seite bauen, einen Twitterstream aufsetzen – das ist nicht kompliziert. Außerdem spielen sich die Maßnahmen ja eh alle in der Öffentlichkeit ab.

    Auch ich wäre auf der re:publica gerne dabei. Donnerstag Mittag war geplant, oder?

  5. Nico sagt:

    @sachar: wenn Deine Erwartungshaltung ist: “ich schmeisse mal eine Idee in die Runde, und irgendjemand organisiert das dann, aber pronto!” – dann wird das wohl nix. Du mußt ein, zwei Leute finden, die helfen, Deine Idee umzusetzen. Die Mixxt-Community ist dabei eher als Tool zum Ausdrücken von “ja, ok, ich bin dabei, aber ich gehe sowieso zu jedem Camp” zu werten, nicht so sehr zum organisieren, das machen dann 2-3 leute trotz/mit mixxt.

    @christian: eben, der technische Part ist zwar für viele noch Neuland, aber eben auch nicht wirklich Astrophysik, viel spannender ist dann die Mechanik, die man für eine Kampagne nutzt. Und ehrlich gesagt müssen erst einmal ordentliche Kampagne geschaffen werden, damit man deren Erfolg auswerten und darüber reden kann. Mit “müsste, könnte, sollte” alleine kann man noch kein spannendes Camp gestalten IMHO.

    Generell gilt für mich allerdings auch der alte DGB-Slogan und daher war ich abgesehen von ca. 2 Stunden auf dem letzten Barcamp Hamburg noch auf keinem Camp, denn am Wochenende hat die Familie Vorrang. Das hat nix mit mangelndem Interesse an Austausch zu spannenden Themen zu tun, sondern schlichtweg damit, daß nach einer hektischen Woche dann am Wochenende die Prioritäten zu Gunsten der Familie verschoben werden.

  6. Sachar sagt:

    Nico, das war selbstverständlich nicht meine Erwartungshaltung. Nur dachte ich eigentlich, nachdem die Diskussion hier im Blog schon so fruchtbar verlaufen ist, dass wir uns relativ schnell auf gewisse Eckpunkte würden einigen können. Aber nicht nur das gelang nicht, vielmehr gab es immer wieder solche “Experten”, denen ein Barcamp zu anarchistisch sei und eine professionelle Veranstaltung zu kommerziell. Auch eine konkrete Location inkl. konkretem Datum, die die Messe Berlin stellen und vorgeschlagen hatten, stieß eher auf Ablehnung denn auf Zustimmung. Was ja o.k. ist, aber dann erwarte ich Engagement, um etwas Besseres vorzusetzen.

    Diese Szene, die sich selbst so wahnsinnig wichtig nimmt, fällt in meinen Augen zunehmend dadurch auf, dass sie die Leistungen Dritter kritisiert und für alles einen theoretischen Lösungsansatz hat, aber die Praxis scheut. Deswegen habe ich auch größten Respekt vor Deiner Aussage, dass Du erst einmal ordentliche Kampagnen schaffen willst.

    Wie dem auch sei: Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass die Remix09, für die ich nach wie vor vergünstigte Tickets (s.o.) anbiete, vielleicht das bessere Social Media Camp ist. Zumindest ist es mir sehr sympathisch, dass das Orga-Team dort wirklich organisiert und nicht so viel um den heißen Brei redet.

  7. Christian sagt:

    @Nico: Bzgl. ordentlicher Kampagnen stimme ich Dir zum Teil zu. Auf der einen Seite hast Du recht, man bräuchte Best Practises. Auf der anderen Seite eignet sich das Medium vielleicht nicht dafür. Wer Social Media ernst nimmt, hat kein Timing inkl. Dramaturgie etc. weil sich vieles von allein entwickeln soll. Aber genau so ein Timing bräuchte es aber, um die Kampagne anschließend als super Case zu verkaufen. Ich denke, dass es für ehrliche Kommunikation gute Beispiele gibt – wenn ich dran denke, was Thomas Knüwer für das Image des Handelsblatts oder Olaf Kolbrück für den Horizont getan hat, zum Beispiel.

    @Sachar: Die Remix09 ist besser organisiert, weil es dazu ein Organisationsteam gibt. Das gibt es für das Social Media Camp einfach noch nicht. Und dass wir uns wichtiger nehmen als wir sind, ist eh klar.

  8. Roland sagt:

    Naja,auch wir kochen nur mit Wasser und die Mühe und der Aufwand des Teams, so etwas auf die Beine zu stellen, ist nicht zu unterschätzen. Besonders weil bei der remix09 ja noch die Klassiker dazukommen, die eher nicht über twitter und blogbuzz adressiert werden :-) . Da gilt zum Teil noch der gute alte individuelle Anruf und ein Fax als Response-Instrument…

    Jedenfalls sollte klar sein, dass wir nur miteinander einen Markt machen. Denn was nützt das schönste proprietäre Know-How, wenn die die Endkunden das Gedöns nicht verstehen. Und @Nico hat Recht: Es geht nichts über Best Practise, wobei wir ja durchaus den einen oder anderen Case hätten, den man einmal beleuchten kann.
    Was die remix09 betrifft, ist Social Media ja nur ein Thema. Es treffen sich eben Marketing-Leute, Werber, Onliner, Mobilisten und die schreibende Zunft (Journalismus), und das sowohl aus der “klassischen” Ecke als auch die Innovationstreiber.
    Übrigens gibt es zu der Gruppe “Journalisten” und remix09 nächste Woche noch was Spannendes aus der Blogkollegenecke ;-) .

  9. Jens Best sagt:

    Ich habe ja bereits im Themen-Forum in der mixxt-Gruppe erste Vorschläge für Vorträge und Diskussionen gepostet. Im Gegensatz zum auch interessanten Remix09, das ja mit marketing-orientiertem Fokus das Gespräch mit Offlinern (oder besser bald-noch-mehr-Onlinern) sucht, sehe ich das Social Media Camp als eine, ja fast schon interne Veranstaltung de.r Social Media Strategen (Evangelist, Umsetzer, Community Manager, Prosumer Relations Chief etc..)

    Klartext auf verschiedenen Ebenen. Wenn mich meine Beobachtungen nicht trügen, sitzen aktuell viele SM-Berater an wirklich spannenden Projekten. Viele kritische Betrachtungen und Auswertungen zu Social Media Einsätzen und Implementierungen sind ausgetauscht worden. Ein erstes gemeinsames Resümeé steht an.

    Ich persönlich sehe gerade in der Vermittlung der kommunikativen Qualitäten, die durch Social Media-Einsatz gefördert werden können, eine große Chance, peu a peu eine qualitative Änderungen in der gesamtgesellschaftlichen Diskussion herbeizuführen.

    Dies braucht allerdings viele Berater, die mit Überzeugung und Kompetenz diese Veränderung im Detail unterstützen können, egal ob es ein kleines NGO oder ein international tätiges Unternehmen ist. (Gerade in der Beratung von letzteren kann man wahre Entwicklungssprünge erleben hinzu einer, ich sag das jetzt mal so verkürzt, menschlich-orientierten Kommunikation und Handeln.)

    Dafür braucht es aber ein Standing in der Sache (auch und insbesondere gegenüber dem Kunden). Wenn ein Kunde die grundlegenden Aspekte von SM verstanden hat und immer noch bereit ist diesen Weg zu gehen, fängt die Arbeit ja erst an.

    Social Media kann nicht von grauen Anzugsträgern anderen grauen Anzugsträgern vermittelt werden (obwohl ich genau soetwas auf der CeBIT beobachtet hatte, inhaltlich ein Desaster) Genauso distanzieren möchte ich mich von Agenturen, die stolz für ihre Kunden 300 Fake-Accounts benutzen, um Produkte zu pushen oder andere Halbschatten-Gewächse, die Social Media gerade für sich entdecken im dt.-sprachigen Raum.

    Es ist Zeit für eine Definition, ein Resümeé, ein Zwischen-Fazit, einen Austausch von Ideen und Erfahrungen – damit wir gemeinsam den Fokus der Idee nicht verlieren (oder ggf. auch weiterentwicklen) – Auf der re-publica wünsche ich mit eine Häuptlings-Wahl. C U there

  10. Christoph Beckmann sagt:

    Vielleicht ist Social Media doch nur eine große fette Blase?
    Vielleicht findet sich deswegen kein Bar Camp zusammen?

    Doch es gibt Social Media!
    Vielleicht sollte jemand einfach auf den Tisch hauen und einen Termin wie Ort bestimmen!
    Wer kommt der kommt…

    Wir würden eh nie die 100%ige Lösung finden, womit alle zu frieden sind.
    Diskussionen wie: Was ist Social Media?Wer will etwas Vortragen?Wer kommt eigentlich?
    Kommen später oder direkt auf dem Camp.

    Mich wundert nur das sich so viele Experten geschrieen haben: “Ich will Orger werden!”.
    Ja wo seit ihr jetzt?

  11. Sebastian sagt:

    @Jens: SM-Berater? Really? Ich nehm mir jetzt mal Zeit für einen Blog-Post-Response. Das ist es wert.

  12. Sachar sagt:

    Jens, eben als interne Veranstaltung habe ich das nie gesehen. Mir ging es um einen echten Wissenstransfer, um echten Austausch um echte Differenzen. Wir sind sowieso alle von Social Media überzeugt. Aber vielleicht irren wir uns ja? Was sagen denn Leute, die schon seit 20 oder 30 Jahren kommunizieren, die diverse Trends haben kommen und gehen lassen? Wie sehen sie Social Media? Wir dürfen nicht immer so wahnsinnig arrogant sein und meinen, dass ohne Social Media in Zukunft mehr nichts mehr gehen wird. Vielleicht ist das so, aber ein wenig Distanz würde unseren trüben Bick vielleicht ein wenig aufklaren (Je länger ich mich mit dieser Geschichte befasse, desto mehr glaube ich, dass das ganze Thema im Rahmen der remix09 besser aufgehoben ist, evtl als einzelne Diskussion oder durch mehrere Referate).

    Ebenso wenig wollte ich ein klassisches Barcamp ins Leben rufen. Ich nannte es Camp, meinte aber Event oder Kongress oder Konferenz. Ich wollte ein festes Programm – eben um auch Leute von außerhalb für dieses Thema zu begeistern. Weg von der Anarchie und hin zur Verbindlichkeit.

    Verbindlichkeit nämlich ist genau das, was der Social Media Szene komplett fehlt. Hier im Blog habe ich ja bereits einige Leute nach ihrem Empfinden von Social Media (Nico Lumma, Olaf Kolbrück und Christian Bölling) befragt. Gerne hätte ich weitere Interviews veröffentlicht, aber einige Herren und auch Damen sind nunmal so schwer beschäftigt, dass sie nicht in der Lage sind, über einen Zeitraum von vier oder fünf Wochen fünf Fragen zu beantworten.

    Ihr merkt, der Frust in mir sitzt umso tiefer, je länger ich mich mit dieser Sache befasse.

  13. Nicole Simon sagt:

    Ich verstehe immer noch nicht ganz, warum Du so frustriert bist. Du willst etwas haben – ob das nun ein Social Media Camp ist oder etwas anders – offensichtlich ist auch Interesse vorhanden und jetzt beschwerst Du Dich das es keiner macht.

    Wie glaubst Du denn entstehen Barcamps und Konferenzen? Ich kenne keine die nach dem Motto “ich wünsch mir was” passiert außer es ist ein so taugliches Thema, das es sich für jemanden kommerziell lohnt, eine solche Veranstaltung aufzuziehen und in Vorleistung zu treten.

    Diese Dinge entstehen weil es jemandem wichtig genug ist, daß es passiert. Und diese Person organisiert das entweder selber oder sorgt dafür daß jemand anderes es organisiert. In jedem Fall: Eine Menge Eigenleistung und eigene Begeisterung, immer verbunden mit mehr oder wenigere Dank.

    Ich enttäusche Dich auch nur ungerne, aber die Kommentare im anderen Artikel sind keine umfassende Diskussion gewesen, sondern nur der Anfang von dem, was man für die Organisation braucht. Du hast jedoch genügend Ansatzpunkte bekommen, wo man einfacher anfangen könnte, was auch an der einigermaßen etablierten Struktur der Barcamps in Deutschland liegt.

    Und bitte jetzt kein Kommentar “aber wir haben doch ein Mixxt da kann man doch!” – nicht man, sondern Du oder jemand der das organisiert und in die Hand legt. Ich habe nachgeschaut – seitdem ich angemeldet bin habe ich keine einzige Mail erhalten aus dem Netzwerk die mich darüber informiert wie der Stand ist oder ob jemand gesucht wird oder oder oder außer der Abstimmung über ein Logo.

    Du willst ein Social Media Camp? Dann organisiere es oder besorge Dir jemanden der es organisiert.

    Inhaltlich beschwerst Du Dich darüber daß ‘diese Leute’ ihr Wissen nicht weitergeben wollen – wohlgemerkt die Person die diese Diskussion anfängt mit einem ‘aber ich will selber das nicht organisieren’ – und das dieses ja verwerflich ist. Gleichzeitig offerierst Du selber Du selber kein ‘Wissen’, keinen Austausch. Du forderst Interviewantworten von Leuten als wenn die nichts anderes zu tun haben als den ganzen Tag darauf zu warten, daß man Dir antwortet.

    Und dann willst Du auch noch das Label eines ‘Camp’ verwenden obwohl Du dann noch ganz andere Vorstellungen hast. Reality Check please?

    Die von Dir gewünschte persönliche Betreuung mit Themen die Dich interessieren und Inhalten die Du wissen willst nennt man persönliche Beratung und hat einen wirtschaftlich orientierten Preis.

    Für alles andere organisiert man sich die Veranstaltung die man haben will.

    [btw 100% ack für Sebastians Artikel.]

  14. Christian sagt:

    @Nicole: Der Ton hier wird aber auch nicht netter. Gibt es dafür einen Grund?

  15. Sachar sagt:

    Nicole, ehrlich gesagt, ich verstehe den feindseligen Ton nicht. Mir ist nicht bekannt, dass ich Dich in der Vergangenheit angegriffen oder verletzt habe, als dass ich mir darauf einen Reim machen könnte.

    Aber um bei der Sache zu bleiben: Es geht mir nur nicht darum, dass keiner die Orga übernimmt. Es geht mir grundsätzlich um eine destruktive Haltung, die man kaum abstreiten kann, wenn man das Mixxt-Forum verfolgt. Ein konkreter Vorschlag liegt auf dem Tisch. Der wird jedoch weitestgehend ignoriert oder aber abgelehnt, ohne dass sich jemand – außer Patrick jetzt – konkret mit einem Gegenvorschlag zu Wort meldet.

    Mir ist klar, dass niemand sagt “Wow, die Idee ist super, ich mache das jetzt mal”. Aber was meiner Meinung nach nicht geht: Vorschläge abbügeln, ohne auch nur den Hauch von Gegeninitiative starten. Das ist destruktiv und fördert somit auch kein Voranschreiten.

    Was die Nomenklatur angeht: Von Anfang an habe ich das Label Camp gewählt, weil es das Greifbarste ist. Von Anfang an aber haben wir einen Diskurs darüber geführt, ob ein Camp das richtige Format für so eine Veranstaltung ist. Noch immer fehlt uns dafür ein verbindliches Ergebnis – wie für so Vieles.

    Und: Ich habe nie, nie, nie behauptet, ein Experte für irgendwas zu sein. Nicht für Musik, nicht für Sport, nicht für PR und auch nicht für Social Media. Ich möchte lernen und mich somit permanent weiterentwickeln. Darum frage ich so genannte Experten nach ihrer Meinung und versuche durch ihre Antworten ein Stück schlauer zu werden.

    Was den Austausch angeht, gebe ich das Wissen, das ich habe, weiter – jederzeit. In der unmittelbaren Vergangenheit auf der Kuschelkautsch beim Werbeblogger oder auch im Teltalk mit Patrick Breitenbach. Selbstverständlich würde ich auch programmatisch für eine solche Veranstaltung etwas anbieten. Wenn mich jemand nach meiner Einschätzung fragt, habe ich, sofern ich mich nicht irre, diese niemals verweigert.

  16. Sebastian sagt:

    Eigentlich wollte ich bis Donnerstag live hier nix zu sagen, aber here she goes:
    Nicht, dass sie einen Advokaten braucht, aber ich finde nicht unbedingt, dass Nicole einen übermäßig feindseligen Ton anschlägt. Das liest sich, so wie dein Post, nach Wahrheitsfindung ohne Blatt vorm Mund. Dass du dabei kritisiert wirst, nun ja.

    Den Vorschlag Karlsruhe finde ich ehrlich gesagt nicht sehr sexy, aber um nicht als destruktiv wahrgenommen zu werden, lasst uns doch erst mal Donnerstag diskutieren, bevor wir das Kriegsbeil richtig ausgraben.

    Genießt die Sonne.

  17. Nicole Simon sagt:

    Natürlich bin ich nicht feindseelig, aber ich bin auch nicht *kuschel kuschel entschuldigt das ich vielleicht mal etwas hier sage* was Herren gerne von Frauchen als Ansprache erwarten.

    Ich reagiere nur auf die deutliche Vorlage, denn Sachar stellt hier ganz klare Forderungen. Diese feigen und egoistischen nichtstuenden Social Media Leute sollen was machen. Sich beteiligen, Camp organisieren usw, Wissen teilen usw. Und: “Die anderen” sagen etwas gegen das was er möchte und er hat klare Vorstellungen davon wie das laufen soll (gegen einen allgemeinen Konsens was zum Beispiel die Notation *camp in .de bedeutet). Aber selber organisieren will er dann doch nicht? Und so gemeint hat er es dann doch wieder nicth?

    Wo ist da der Unterschied zu dem von ihm so angeprangerten Verhalten? [rhetorische Frage, keine Antwort erwartet.]

    Aus meiner Perspektive einer an dem Thema Interessierten habe ich die Wahl zwischen einem irgendwie-Event ohne Orgateam ohne Richtung, ohne Plan und der Remix-Veranstaltung mit Ausrichtung, Termin und Struktur. Einfache Entscheidung, vermutlich nicht nur für mich.

    Noch einmal der pragmatische deutliche Hinweis:
    WER EINE SOLCHE VERANSTALTUNG HABEN WILL, MUß SIE ORGANISIEREN ODER JEMANDEN FINDEN / MOTIVIEREN, DER SIE ORGANISIERT.

    Wer sich initiieren hinstellt wird automatisch in die Rolle des Organisators assoziiert. Insbesondere wenn dann noch Input hinzukommt, der organisatorisch aussieht. Wer nicht organisieren will, soll sich aus diesen Dingen zurückhalten und entsprechend kommunizieren.

    Was alles immer wieder darauf zurückkommt:
    Sachar, entweder willst Du Organisator sein bzw. Dir Dein Team suchen oder nicht. Willst Du es, dann organisiere es wie man einen solchen Termin halt organisiert.

    Willst Du es nicht, solltest Du es entsprechend kommunizieren und aufhören die Anspruchshaltung eines Organisators an den Tag zu legen der bei anderen nachfragt wie der Stand ist und sich enttäuscht zeigen wenn das Projekt nicht vorwärts geht.

    WENN man organisieren will gibt es Standardvorgehensweisen und eine davon ist wie schon die gelben Seiten sagen: Jemanden fragen der sich damit auskennt um all die Fehler zu vermeiden in die man nicht reinlaufen muß (Erfahrungsaustausch) und dann die Erfahrungen aufnehmen.

    Tools richtig verwenden. Es ist kein Wunder das im Mixxt keine Konsensdiskussion stattfindet, solche Grundsatzdiskussionen klärt man im Orgateam und bindet die Gruppe dann zur Abstimmung ein. Und man ist nicht darüber überrascht das es unterschiedliche Meinungen zu Themen gibt sondern das ist von vorneherein klar und zu erwarten.

    Man klärt auch nicht erst den Ort und überlegt sich lange wieso und wo sondern macht Planung von Teilnehmern, Themen, sonstigen Orgasachen, macht eine Präabfrage und sucht sich dann eine passende Location. Wenn man diese hat macht man eine weitere Planung und nimmt in Kauf bzw. berechnet vorher, wieviele Leute nicht kommen werden.

    Man verfolgt dabei einen Kosten und Zeitplan zu dem auch Kommunikation mit den Teilnehmern gehört uswuswusw. Es gibt genügend Termine wo ein echtes Barcamp hinzu paßt. Und wer schon einmal irgendwas in der Richtung organisiert hat weiß wieviel Aufwand das ist. Das macht man nicht mal eben so, sondern da ist man mit mehreren Leuten längere Zeit unbezahlt beschäftigt.

    Das ist kein Hexenwerk. Das ist Standard. Und das ist vor allem Arbeit und Aufwand.

    Insofern ist ein Treffen auf der republica zwar nett aber wird vermutlich zu nichts führen außer einem netten Kaffeetrinken, wenn sich vorher keiner den Hut aufsetzt und die Organisation an sich zieht.

    Just saying, um weitere ‘Enttäuschungen’ zu vermeiden …

  18. Christian sagt:

    “aber ich bin auch nicht *kuschel kuschel entschuldigt das ich vielleicht mal etwas hier sage* was Herren gerne von Frauchen als Ansprache erwarten”

    Ich glaube, ich steig aus der Diskussion hier aus. Das wird mir eindeutig zu albern.

  19. Jens Best sagt:

    Naja, Nicole, ich hab dich jetzt zweimal on stage erlebt, gerade mal deine Blogs quer-gelesen und ich muss sagen, dass neben ein oder zwei Statements hinsichtlich dem Standardwissen für Event-Organisation hört sich dein Tonfall einfach reichlich frustriert und besserwisserisch an. Und was soll dieser ganze “was Herren gerne von Frauchen erwarten”-Pseudo-Feministische Subton, den kannste gleich wieder einpacken. Vielleicht solltest du weniger 140Zeichen-Texte schreiben, dann müsstest du nicht bei längeren Texten so viel Dampf ablassen…. :)

    Aber schön zu sehen, dass dich das alles nicht interessiert, dann können wir dich ja schon mal von der Liste nehmen. Danke für deine Belehrungen. Sie werden angemessen berücksichtigt.

  20. Nicole Simon sagt:

    Und auch wenn gerne abgestritten wird: Mein Eintrag ist nicht sonderlich viel anders als z.B. der von Nico – wo von Feindseeligkeit dann aber keine Rede ist.

    Kein Interesse? Oh im Gegenteil, das Thema interessiert mich sehr. Es wäre schön wenn der Input (damit ist vor allem der Input und die Hilfeangebote der anderen gemeint) verarbeitet werden würde, allerdings bezweifele ich es, wurde er ja bisher auch wenig.

    Jens Du wünscht Dir ja auf der Republica eine Häuptlingswahl – dafür müssen aber erst mal geeignete Kandidaten zur Verfügung stehen. Jemand der lieber Indianer bleiben möchte zum Häuptlink zu krönen ist machbar, aber wenig vielversprechend.

  21. Roland sagt:

    Lese gerade mal wieder hier vorbei…nach einem mühevollen Tag durch die Dörfer, um die remix09 voranzubringen. Ehrlich? Das ist nicht zielführend. Nennt mich konservativ, klassisch oder oldschool: Eine Veranstaltung, egal ob Barcamp Style oder sowas wie die remix, funktioniert nicht, wenn alles basisdemokratisch läuft. Klingt paradox, ist aber so. Es braucht, wie Patrick schon sagte, jemanden -bzw. besser eine Gruppe von Leuten-, die sich vorher darüber einig ist, dass sie das Teil wuppen wollen, auch wenn der eine oder andere im falschen Teil Deutschlands wohnt und die Anreise beschwerlich ist oder ein anderer äußert, dass ggf. doch bitte alles für lau und durch Sponsoren zu laufen hätte.
    Hey, wir nennen uns alle Kommunikationsprofis. Wer zulässt, dass bereits im Inner-Circle die Idee kaputtgeredet wird, hat was falsch gemacht. Machen, initiativ werden und die Nase in den (Gegen-)Wind halten ist für solche Projekte immer die Grundvoraussetzung. Was du, Sachar, beklagst, ist etwas, was im Kern verhindert werden könnte. Aber es braucht immer einen Fahnenträger und ein paar Leute im Team, die die Fahne mit tragen. Diese Kräfte sollten bei Geburt der Idee den “Zug” bilden, um andere zu ziehen.

    Vorschlag: Ich bastel -sofern ich genügend Sponsoren bekomme- einen Gruppenpreis für die Interessierten aus dem Social Media Camp bei der remix09- und dort könnten wir einen Start auch für diese Gruppe – zu der ich mich u.a. auch zähle- realisieren.

    So, und nun bubu. Bis morgen.

  22. Hallo , das sind ja super beitrage zum Thema Social Media Camp 09.
    Sehr interessant.
    Lieben Gruss aus Hamburg

  23. alkgbrgm sagt:

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